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Iran

Arash Sadeghi beendet Hungerstreik für die Ehefrau

Nach der Freilassung seiner Frau beendet der iranische Menschenrechtsaktivist Arash Sadeghi seinen Hungerstreik - nach 71 Tagen. Eine Kampagne auf Twitter hatte weltweit auf sein Schicksal aufmerksam gemacht.

Bildergalerie | Galerie Woche | Golrokh Ebrahimi und Arash Sadeghi (hra-news)

Arash Sadeghi und seine Frau Golrokh Iraee vor ihrer Haft im Teheraner Evin-Gefängnis

Wenn Arash Sadeghi gestorben wäre, wäre es kein leiser Tod gewesen. Sadeghi sitzt in Teheran im berüchtigten Evin-Gefängnis. Nun muss er ins Krankenhaus gebracht werden. Seit dem 24.Oktober war der politische Aktivist im Hungerstreik. Damit protestierte der 37-Jährige gegen die Inhaftierung seiner Frau Golrokh Iraee. Sie war wegen einer Kurzgeschichte über Steinigung als Strafe für Ehebruch zu sechs Jahren Haft verurteilt worden - und das, obwohl die Geschichte nicht einmal veröffentlicht worden war.  

An diesem Dienstag wurde seine Frau aus dem Gefängnis entlassen. Nach massiven internationaler Proteste hatte der Staatsanwaltschaft am 1. Januar mitgeteilt, dass Golrokh Iraee nach der Bezahlung einer Kaution in Höhe von umgerechnet 110.000 Euro einen Hafturlaub erhalten könnte. 

Seit Tagen hatten iranische Aktivisten versucht, die Weltöffentlichkeit auf Arash Sadeghis Schicksal aufmerksam zu machen. Auf Twitter starteten sie eine Kampagne - der Hashtag #savearash wurde zu einem weltweiten Trend in dem sozialen Netzwerk. Die konservativen Medien im Iran sahen darin eine Verschwörung. Sie behaupteten, die Tweets würden von Maschinen - sogenannten Bots - verbreitet.

Iran Teheran Evin Gefängnis (picture-alliance/dpa)

Das Evin-Gefängnis in Teheran: Arash Sadeghi soll insgesamt 19 Jahre hier verbringen

Als Reaktion schrieben die Aktivisten #savearash auf ihre Hände und posteten das Bild auf Twitter mit dem Hinweis: Ich bin kein Roboter. rund 100 Menschen versammelten sich vor dem Evin-Gefängnis in Teheran, um ihre Solidarität mit dem inhaftierten Ehepaar zu demonstrieren. 

Das Auswärtige Amt in Deutschland hatte am 28. Dezember in einer Pressemitteilung seine Besorgnis über den Gesundheitszustand von Arash Sadeghi geäußert. Seitdem haben internationale Medien den Fall aufgegriffen.

Wer ist Arash Sadeghi?

Bereits als Student der Philosophie wurde Arash Sadeghi zum ersten Mal verhaftet: Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen 2009 geschah das während einer Versammlung vor seiner Universität in Teheran. Wie tausende andere Studenten protestierte auch Sadeghi gegen die fragwürdige Wiederwahl des damaligen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Einige Monate später wurde er freigelassen. Sein Studium durfte er allerdings nicht beenden.

Sadeghi ließ sich aber nicht einschüchtern. Er kritisierte weiterhin die iranische Führung und die Menschenrechtsverletzungen im Land. Mit schweren Folgen: Als die Polizei eines Morgens im Jahr 2010 sein Haus stürmte, erlitt seine Mutter einen Herzinfarkt und starb kurz darauf. In einem Interview sagte Arash Sadeghi später, erst nach dem Tod seiner Mutter habe er verstanden, mit wem er es zu tun hat: "Menschen, die weder von Religion noch von Menschlichkeit etwas verstehen."

Das Revolutionsgericht verurteilte Sadeghi 2014 zu einer Gefängnisstrafe von insgesamt 19 Jahren. Ihm wurden Gefährdung der nationalen Sicherheit und Propaganda gegen das iranische Regime vorgeworfen.

Im Oktober 2016 wurde auch seine Frau Golrokh Iraee verhaftet. In einer nie veröffentlichten Kurzgeschichte hatte sie die Steinigung von Frauen als Strafe für Ehebruch als unmenschlich kritisiert.

Druck auf Justiz

Golrokh Iraee wurde wegen "Beleidigung der islamischen Heiligkeit" zu sechs Jahren Haft verurteilt. Sie war wie ihr Ehemann im Teheraner Evin-Gefängnis inhaftiert.

"Weil sie meine Ehefrau ist, hat man ihre Sachen durchwühlt, nur um etwas zu finden, um sie zu verhaften" urteilte Arash und verlangte ihre Freilassung. Mit seinem Hungerstreik wächst der Druck auf iranische Justiz. Ein reformorientierter Abgeordneter warnte den Justizchef vor dem möglichen Tod von Arash Sadeghi und den negativen politischen Folgen.

Die Justiz gab nun teilweise nach und ließ sich auf einen Hafturlaub ein. Am 1. Januar teilte ein Sprecher mit, das inhaftierte Ehepaar Sadeghi und Iraee könne nach Zahlung einer Kaution in Höhe von umgerechnet 110.000 Euro Hafturlaub erhalten. Die Familie hat die Kaution am Montag vorgelegt - Golrokh wurde am Dienstag, den 3. Januar vorläufig aus der Haft entlassen. Wie lange der Hafturlaub andauern werde, wurde nicht mitgeteilt.

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