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Aktuell Welt

Arafats Tod bleibt rätselhaft

Die Ursache des Todes von Palästinenserführer Arafat im Jahre 2004 gibt weiter Rätsel auf. Für einen Giftmord fehlen nach Angaben von Schweizer Wissenschaftlern letzte Beweise.

Experten des Instituts für Radiophysik der Universitäts-Klinik in Lausanne hatten Proben von Knochen und Kleidung Arafats auf Spuren des radioaktiven Gifts Polonium 210 untersucht - ohne eindeutiges Ergebnis. "Man kann nicht sagen, dass das Polonium die Todesursache war", sagte der Wissenschaftler François Bochud auf einer Pressekonferenz in Lausanne. "Man kann es aber auch nicht ausschließen." Allerdings, so der Professor weiter, stützten die Untersuchungsergebnisse "die Vergiftungsthese." Es sei erwiesen, dass Arafat eine
abnormal hohe Dosis des radioaktiven Stoffes im Körper gehabt habe

Um Gewissheit zu erlangen, würden noch viel mehr Informationen benötigt, sagte Bochud. Die Analysen seien besonders schwierig gewesen, da acht Jahre zwischen dem Tod Arafats und dem Beginn der Untersuchungen gelegen hätten. Der Chefforensiker der Uniklinik, Patrice Mangin, ergänzte: "Wir konnten nicht kontrollieren, dass die Proben unter Bedingungen konserviert worden sind, die wir uns gewünscht hätten."

Der legendäre Palästinenserführer Jassir Arafat war im November 2004 im Alter von 75 Jahren in einem Militärkrankenhaus in Frankreich gestorben. Auf Bitte seiner Witwe Suha Arafat wurde damals keine Autopsie vorgenommen. Die genaue Todesursache blieb daher unklar. So konnten schon bald nach Spekulationen ins Kraut schießen, befeuert nicht zuletzt von der Witwe Suha. Immer wieder hieß es, der "Rais" sei von Israelis mit Gift ermordet worden. Beweise gab es natürlich keine, die Regierung in Jerusalem wies jede Verwicklung in den Tod Arafats zurück. Im November 2012 schließlich wurde der Leichnam in Ramallah im Westjordanland exhumiert, Wissenschaftler aus Russland, der Schweiz und aus Frankreich nahmen Proben.

Die russischen Experten fanden nach eigenen Angaben kein Polonium, das Gutachten aus Frankreich steht noch aus. Die Schweizer Wissenschaftler hatten bereits im Juli 2012 den Verdacht auf Polonium 210 gelenkt. An persönlichen Gegenständen wie Unterwäsche und einer Zahnbürste, die Arafat kurz vor seinem Tod benutzt haben soll, hatten sie erhöhte Konzentrationen der tödlichen Substanz gefunden. Suha Arafat hatte die Gegenstände zur Verfügung gestellt. Am Mittwoch hatten der arabische TV-Sender Al-Dschasira und die britische Zeitung "Guardian" berichtet, die Schweizer Experten hätten in den Gewebeproben Arafats eine 18 mal höhere Konzentration von Polonium 210 gefunden als normal. Schon ein Millionstel Gramm Polonium 210 kann einen Menschen töten.

wl/kle (dpa,afp, rtr)