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Nahost

Arabische Literatur in Berlin

Die arabische Welt stand in diesem Jahr im Zentrum des internationalen Literaturfestes in Berlin. Dazu eingeladen waren 40 arabische Autoren. Viele Texte wurden extra für das Festival ins Deutsche übersetzt.

Bücher in arabischer Schrift(Foto:AP)

Arabische Literatur war der Schwerpunkt des Literaturfestivals Berlin

"Auf dem Flachdach. Der Abend erscheint wie eine Witwe. Sie verbringt die Nacht Kaffee schlürfend und im Gespräch mit der Leere. Doch sie schläft nicht. Aus Angst, dass ihre Einsamkeit noch größer wird", rezitiert die junge Lyrikerin Nujum Al-Ghanem aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Im Programmheft des Internationalen Literaturfestivals Berlin ist zu lesen, dass Al-Ghanm, wie viele andere Dichter der jüngeren Generation, ihre Kurzgedichte im sogenannten "free verse", schreibe. Ein Stil, mit dem vor allem Themen wie Liebe und Sehnsucht umrissen werden, erklärt Christin Dallinger, die für den Focus "Arabische Welt" des Literaturfestivals verantwortlich ist. "Gerade die neue Generation, und vor allem auch viele Frauen, gehen zurück von der großen politischen Bühne in das Leben der Individuen." Die Literatur sei deswegen keineswegs unpolitischer, doch sie habe eine andere Betrachtungsweise, denn ihr Schwerpunkt sei der einzelne Mensch, sagt Dallinger.

Arabische Literatur in Deutschland

Knapp vierzig Autoren aus so unterschiedlichen Ländern wie dem Libanon, Ägypten, Saudi-Arabien oder dem Irak sind der Einladung nach Berlin gefolgt und erhalten hier die Möglichkeit, ihre Literaturen vorzustellen. Gerade in der westlichen Welt, sei die arabische Literatur immer noch ein "Stiefkind" bei den Verlagen, das gelte auch in Deutschland. "Und wir wollen dazu beitragen, dass das geändert wird", sagt Christin Dallinger. Das Berliner Publikum soll auf die Literatur des arabischen Raums neugierig gemacht werden. Natürlich wünschen sich die Verantwortlichen des Literaturfestivals auch einen lebendigen Austausch zwischen Künstlern, Vermittlern, Autoren und Lesern wie Leserinnen.

40 arabische Autoren zu Gast in Berlin

Logo Internationales Literaturfestival Berlin (Foto:Internationales Literaturfestival Berlin)

40 arabische Autoren waren zum Festival eingeladen

"Er musste zurückkehren, um das Fenster zu schließen. Es sollte nicht klar sein, ob er es tun sollte. Die Dinge waren nicht mehr klar, seitdem er sie verloren hatte. Ein Loch war geöffnet, irgendwo in ihm", rezitiert Ghassan Zaqtan aus Palästina. Er erzählt von Leben und Tod und dem Alltag in den Palästinensergebieten, den er angesichts des ungelösten Konflikts mit Israel als lebenslangen Aufenthalt auf einem Rangierbahnhof oder in einer Wartehalle beschreibt. In seiner Heimat ist er ein vielbeachteter Dichter. Für den Besuch in Berlin wurden Auszüge aus seinem Werk eigens übersetzt. Insgesamt 40 Autoren aus dem arabischen Raum habe man eingeladen, sagt die Verantwortliche des Literaturfestivals. Neben renommierten Autoren, wie Boudjedra, Mahmoud Shukair oder Youssef Ziedan, den diesjährigen Arab Booker Prize-Träger, seien auch viele sehr junge und international relativ unbekannte Autoren gekommen. Doch die seien für manche Überraschung gut.

Vorurteile und Missverständnisse

Denn gerade die Literatur der jüngeren Generation aus dem arabischen Sprachraum zeichne sich durch subtile Ironie, eine flapsige Sprache und thematische Vielfalt aus. "Da geht es auch wieder um Gesellschaftskritik, aber auch um Liebe, Sehnsucht, um Exil. Und, was mich auch überrascht hat, ist, dass sehr oft auch Sexualität thematisiert wird. Da war ich wahrscheinlich noch ein wenig vorurteilsbehaftet, bevor ich diese Texte gelesen habe", sagt Dallinger. Einige solcher Vorurteile und manche Missverständnisse werden im Rahmen von Podiumsdiskussionen behandelt. Geschlechterrollen sind ein Thema und ihre Darstellung in der arabischen Literatur. Um das Sicherheitsverständnis soll es gehen, um irakische Traumata, die Bildung in der arabischen Welt und natürlich um Wege der Literaturvermittlung, die diesem Festival ja besonders am Herzen liegt.

Autorin: Silke Bartlick

Redaktion: Michaela Paul

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