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Kultur

April! April!

Schneesturm in Venedig, Sandsturm in Mecklenburg-Vorpommern, geschlossene Schneedecke in Bulgarien. Versinkt Europa im Wetterchaos? Oder sind das alles nur die üblichen üblen Aprilscherze?

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Wintereinbruch auch im südlichen Ungarn

Ein ungewöhnlich starkes und kaltes Höhentief über Mitteleuropa schaufelte Polarluft sogar bis nach Süditalien. In Rom verzeichnete man am 8. April 2003 die kälteste Aprilnacht seit Menschengedenken. Gerade einmal 0,8 Grad über Null zeigte das Thermometer am Tiber. In Apulien in Süditalien schneite es sogar an zwei Tagen in Folge und in Bari sorgten tief verschneite Straßen für ein Verkehrschaos. Auf dem Vesuv bei Neapel lag Schnee, in Venedig nahm das heftige Schneetreiben geradezu schneesturmartige Ausmaße an.

Stundenlange Schneefälle und Eisglätte legten den Verkehr in Südwestungarn bei Pecs lahm. Hunderte Autofahrer seien im Tiefschnee stecken geblieben, berichtete der Ungarische Rundfunk. In den polnischen Karparten fielen bis zu 40 Zentimeter Schnee.

Man nennt es "5 B"

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in Potsdam ähnelt die derzeitige April-Wetterlage derjenigen vom Hochwasser-August 2002. Es ist eine sogenannte "5B-Wetterlage", wie es im Meteorologen-Jargon heißt. Dabei wandert ein Tief aus dem Mittelmeer über das Schwarze Meer sozusagen hintenherum hinauf nach Ost- und Mitteleuropa. Eine solche Wetterlage bringt im Hochsommer extrem ergiebige Niederschläge für Mitteleuropa. Im Winter führt sie dagegen zu einem schlagartigen Kaltluftvorstoß von Nordosten über den Balkan bis hinein in die Ägais. "Selbst Schneefall in Athen ist bei einer solchen Wetterlage nicht ungewöhnlich.", so Wolfgang Harno vom Deutschen Wetterdienst gegenüber DW-WORLD.

Kälterekorde in Deutschland

In der deutschen Hauptstadt war der 9. April 2003 der kälteste 9. April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 110 Jahren. Gerade mal 3,1 Grad Celsius wurde als Höchsttemperatur in Berlin gemessen. Es schneite. Selbst in Südwestdeutschland, wo es Ende März teilweise schon über 20 Grad warm geworden war und die Baumblüte begonnen hatte, gab es Nachtfrost. Zahlreiche Obstbauern bangen bereits um ihre Apfel und Kirschernte. Allein in Rheinhessen und in der Pfalz könnten die durch den späten und starken Frost verursachten Schäden zu Ernteausfällen im Wert von 30 Millionen Euro führen.

In Halle wurde mit minus 6,0 Grad der tiefste Wert seit Beginn der Temperaturmessungen im Jahr 1851 für einen Apriltag registriert. In Hamburg wurden minus 7,1 Grad gemessen - so kalt war es dort im April zuletzt 1941, berichtet der Deutsche Wetterdienst in Offenbach. In Gera sank die Temperatur auf minus 9,2 Grad. Am Alpenrand lagen die Temperaturen bei minus 12 Grad.

Osterglocke mit Fernsehturm am Alex

Eis schützt vor Frost

Im sogenannten "Alten Land" südlich von Hamburg, einem der größten Obstanbaugebiete Europas, entstand durch den Frost kurzzeitig eine bizarre, glitzernde Eisbaumlandschaft. Um die empfindlichen Knospen zu schützen, besprühten Obstbauern sie mit Wasser. Der so entstehende Eismantel hält die Temperatur um die Triebe in Höhe des Gefrierpunktes.

Äußerst heftige Schneefälle sorgten auf Autobahnen in Bayern zu mehreren Massenkarambolagen. "Wir sind wie in eine weiße Wand gefahren", beschrieb ein Autofahrer seinen Eindruck auf der A 7 zwischen Ulm und Füssen. Mehr als 55 Fahrzeuge prallten dort aufeinander, 12 Menschen wurden verletzt. Querstehende Lastwagen und gesperrte Straßen wurden auch aus Norddeutschland, der Schweiz, Polen und besonders aus Bulgarien gemeldet. Im Südosten Bulgariens wurde wegen Schneeverwehungen sogar der Notstand ausgerufen.

Zu Verkehrsbehinderungen in Folge von Sandverwehungen kam es in den Tagen zuvor nördlich von Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern. Die in dieser Region besonders sandhaltige Erde wurde von Sturmböen aufgewirbelt. Nach Polizeiangaben betrug die Sichtweite örtlich weniger als 20 Meter.