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Wissen & Umwelt

April, April!

Wer am 1. April auf eine erfundene Geschichte hereinfällt, wird ausgelacht. Leider scheint dieser europäische Brauch - "jemanden in den April zu schicken" - langsam einzuschlafen. Eigentlich schade!

A skeleton mermaid is 01 April 2010 placed on the rock in Copenhagen Harbour, Denmark where the famous statue of fairy storyteller Hans Christian Andersen's figure The Little Mermaid usually is situated. Staff at The State Nationalhistoric Museum are behind this April Fool's Day joke. The museum claims that the skeleton is of the Hydronymphus pesci (waternymph fish), which died out in 15th century. The original statue of The Little Mermaid is presently on its way to China to be exhibited at the upcoming EXPO 2010 Shanghai. EPA/BRIGITTE RUBAEK / HANDOUT DENMARK OUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Symbolbild Aprilscherz

Wer wen wann zum ersten Mal in den April geschickt hat, das steht nicht eindeutig fest. Der jährliche Schabernack könnte auf die alten Römer zurückgehen, die am 1. April ein rauschendes Fest gefeiert haben, zu Ehren der Göttin Venus - mit Orgien und allerhand Streichen.

Einer anderen Erklärung nach spielt ein Beschluss des Augsburger Reichstages von 1530 eine besondere Rolle, mit dem das staatliche Münzwesen vereinheitlicht werden sollte. Für den 1. April wurde ein besonderer Münztag ausgeschrieben, jedoch kurz vor dem Stichtag verlegt, so dass zahlreiche Spekulanten ihr Geld verloren und stattdessen Hohn und Spott ernteten.

Kalenderreform als Auslöser

In den 1. April geschickt wurden Zeitungsredaktionen von der Pressestelle der Deutschen Post. Demnach werden 100.000 ausgerüstet um bissige Hunde abzuwehren. Auch in diesem Jahre gelang es wieder verschiedenen Industrieunternehmen und Medien die Bundesbürger mit falschen Meldungen an den schönen Brauch des Aprilscherzes zu erinnern. (Aufnahme von 1998). Foto: dpa

Briefträger, jetzt mit "Dienstwürstchen"?

Am plausibelsten aber ist, dass der französische König Karl IX. den Aprilscherz begründet hat. Im Zuge der Reformierung des Gregorianischen Kalenders verlegte er im Jahre 1564 das bis dahin am 1. April gefeierte Neujahrsfest auf den 1. Januar, was viele damals allerdings nicht mitbekommen haben. Sie wurden dann von denen, die es wussten, in den April geschickt, also ins Neue Jahr, das ja eigentlich schon ein altes war.

In der Frühzeit des Schabernacks sahen die Streiche noch ganz anders aus. So wurde der Genarrte mitunter auf eine lange Reise geschickt, um etwas abzuholen, was es gar nicht gab. Im 17. und 18. Jahrhundert galten zudem klare gesellschaftliche Regeln, an denen sich die Scherze zu orientieren hatten. So durfte ein Erwachsener zum Beispiel ein Kind verulken, aber ein Kind nicht unbedingt einen Erwachsenen.

Medien erfinden Geschichten

Als relativ aufwendigen Aprilscherz hat der sächsische Künstler Franz Gruss ein Ufo mit vier mehr oder weniger sympathischen Außerirdischen im Saurierpark Kleinwelka installiert. Gruss ist vor allem durch seine lebensechten Sauriernachbildungen in dem jährlich von tausenden Touristen besuchten Park in der Nähe von Bautzen bekannt geworden. Foto: Thomas Lehmann

Im Saurierpark Kleinwelka "landeten" Außerirdische

Wie viele andere Bräuche hat sich auch das In-den-April-Schicken stark gewandelt. "Wir haben unser Humorverständnis zum großen Teil an die Medien delegiert. Wir schauen uns im Fernsehen Witze an oder lachen über Radiowitze. Wir haben eine gesellschaftliche Funktionselite, die auf einer medialen Ebene die Aprilscherze neu erfindet", sagt der Volkskundler Gunther Hirschfelder.


So werden wir am Scherztag - wenn überhaupt - fast nur noch von den Medien mit erfundenen Nachrichten und Lügengeschichten genarrt. Heftige Reaktionen rief zum Beispiel im April 2007 die Meldung hervor, der "Chaos Computer Club" habe in der Steuersoftware "Elster" einen Bundestrojaner gefunden, der private Daten ans Bundeskriminalamt schicke. Am 1. April 2010 saß dafür die berühmte Meerjungfrau nur mehr als Skelett vor den Klippen der dänischen Küste.

Klassischer Aprilscherz hat Seltenheitswert

Im Alltagsleben sind die Scherze selten geworden. Schuld daran ist laut Gunther Hirschfelder der gestiegene Druck und das erhöhte Arbeitstempo. Für Streiche bleibe heute einfach keine Zeit mehr. Zudem erfordere das In-den-April-Schicken den direkten Kontakt. "Wir erledigen aber in unserer Gesellschaft einen Großteil der Kontakte im virtuellen Raum, über Internet und Telefon. Da sind Aprilscherze fast gar nicht mehr möglich, weil dazu ein bedröppeltes Gesicht und auch das Lachen gehört. Das erfordert eine reale, keine digitale Situation."

Die Franzosen hingegen pflegen den Brauch bis heute, wenn auch auf ihre eigene Art: Sie versuchen, jemandem einen Papierfisch (poisson) auf den Rücken zu kleben. Sobald das 'Opfer' es bemerkt, ruft man: "Poisson d’avril!"

So mancher Deutsche mag da vielleicht ein wenig neidisch werden - und sich ähnlich viel 'reale' Aufmerksamkeit wünschen.

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