1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Das Kurzinterview

„April, April“- ein Scherz!

Der 1. April wird traditionell zum Anlass genommen, seine Mitmenschen mit Unwahrheiten reinzulegen. Ein Riesenspaß. Warum das so ist und warum das sogar gesund ist, erklärt Psychotherapeut Dr. Ralf Nickel.

DW: Warum macht es uns so viel Spaß, jemanden in den April zu schicken?

Prof. Dr. Ralf Nickel: Ein Aprilscherz ist eine Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu treten. Wenn man es schafft, jemanden in den April zu schicken, führt das zu einem sehr positiven Gefühl. Reagiert der Reingelegte mit Humor, stellt es eine positive emotionale Bindung zwischen den Menschen her.

Was passiert dabei im menschlichen Körper?

Aprilscherze und Lachen wirken sich nicht nur positiv auf die eigene Gesundheit, sondern auch auf das Miteinander aus. Wenn wir gemeinsam über einen Scherz lachen, zeigt das, wir verstehen uns. Wem es gelingt, den anderen in den April zu schicken, hat ein Erfolgserlebnis und wird durch das Gelingen des Scherzes mit einem Glücksgefühl unmittelbar belohnt: In seinem Gehirn wird der Nucleus accumbens, das so genannte Belohnungssystem, aktiviert; hier wird unter anderem das Glückshormon Dopamin ausschüttet. Zudem zieht der Spaßvogel unbewusst einen Abwärtsvergleich: Er fühlt sich dem anderen überlegen, wodurch sich sein Selbstwertgefühl steigert. So kann ein erfolgreicher Aprilscherz zu Glücksgefühlen wie bei einem Sieg im Sport oder bei einer bestandenen Prüfung führen.

Warum kann nicht jeder über einen Aprilscherz lachen?

Die Reaktion des Reingelegten hängt sehr von seinem Selbstbewusstsein ab, Humor und Selbstironie sind Zeichen eines guten, stabilen Selbstwertes. So ein Mensch schafft es eher, eine Distanz zu sich selbst herzustellen und sich auch mal von außen, quasi aus der Vogelperspektive, wahrzunehmen. Das ist eine wichtige kognitive Leistung, zu der aber nicht jeder so einfach in der Lage ist.

Was sagt ein erfolgreicher Aprilscherz über den Initiator aus?

Durch Aprilscherze zeigen wir Interesse an unseren Mitmenschen. Um jemanden erfolgreich hinters Licht zu führen, muss man sich in den anderen einfühlen können, kreativ sein und den Streich gut planen, also wirklich Energie investieren. Grund genug also, von Herzen mitzulachen, wenn sich ein Mensch die Mühe macht, sich einen Aprilscherz für uns auszudenken!

Prof. Dr. med. Ralf Nickel ist Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an den HSK, Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden. http://www.hsk-wiesbaden.de/

Das Interview führte Marita Brinkmann