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Asien

Apple-Zulieferer Foxconn in der Kritik

Letztes Jahr begingen mindestens 13 chinesische Arbeiter des Apple-Zulieferers Foxconn aus Protest gegen schlechte Arbeitsbedingungen Selbstmord. Eine Studie zeigt: Die Arbeit bei Foxconn ist nach wie vor unmenschlich.

Logo des Foxconn-Konzerns in China (Foto:AP)

Steht in der Kritik: der Foxconn-Konzern in China

Fast jeder kennt das iPhone von Apple. Doch nur wenige wissen, dass nicht Apple, sondern die taiwanesische Firma Foxconn die Handys zusammenbaut. Das Unternehmen ist einer der größten Hersteller von Elektronik und Computerteilen der Welt. Hunderttausende Arbeiter bauen in riesigen Fabriken in Festlandchina für bekannte Marken wie Nintendo, Intel oder eben Apple Handys, MP3-Player oder Computer zusammen. Seit Jahren steht Foxconn in der Kritik wegen unmenschlicher Arbeitsbedingungen.

Wie schlecht die Arbeiter behandelt werden zeigt nun eine Untersuchung der Organisation SACOM aus Hongkong, die sich für Arbeitnehmerrechte einsetzt. Die Aktivisten von SACOM interviewten 120 Foxconn-Mitarbeiter. Dabei kam heraus: Die Arbeitnehmer müssen extrem viele Überstunden machen. Zu der regulären Arbeitszeit von 174 Stunden monatlich kommen teilweise 80 bis 100 Überstunden im Monat hinzu. Die Arbeiter müssten extrem hochgesteckte Vorgaben erreichen, sagt Debby Chan von SACOM. "Wenn sie die Produktionsziele nicht schaffen, müssen sie ihre Mahlzeiten ausfallen lassen und können erst essen, wenn die Schicht zu Ende ist."

Arbeiter müssen stehen – bis zu 14 Stunden am Tag

Foxconn Arbeiter in weißer Arbeitskleidung am Fließband Foto:AP)

Foxconn-Arbeiter produzieren am Fließband

Auch der Arbeitsschutz ist SACOM zufolge mangelhaft. Viele der Befragten seien mit Chemikalien in Berührung gekommen und leiden unter Hautausschlägen, so Chan. Ein adäquates Training des Personals finde nicht statt. Stattdessen müssten neue Arbeiter ein sinnloses „Militärtraining“ durchmachen. Während der Arbeit herrsche eine Atmosphäre der Einschüchterung, so die Aktivistin. "Wenn ein Arbeiter einen Fehler macht oder er gegen die Fabrikregeln verstößt, wird er bestraft. Einige mussten in Briefen an ihre Vorgesetzten ihre Fehler gestehen. "Wenn der Fehler noch mal passiert, müsse der Arbeiter den Brief laut vor Hunderten von Arbeitern vorlesen. "Das ist eine Taktik, um die Arbeiter bloßzustellen."

Für Fehler ihrer Untergebenen werden die Vorarbeiter bestraft. Dementsprechend streng sind sie gegenüber den ihren untergebenen Arbeitern. Foxconn behandle seine Mitarbeiter wie Maschinen, kritisiert Debby Chan. "Während der Arbeit dürfen die Angestellten nicht sprechen und müssen mindestens zehn Stunden am Tag während der Arbeit stehen." Hinzu komme noch das Schlangestehen vor dem Bus oder bei der Essensausgabe. "Viele der Befragten sagten, sie stehen 14 Stunden am Tag", so die Aktivistin.

„Maßnahmen von Foxconn sind heuchlerisch“

Protestplakate und Papp-Figuren mit Handys. (Foto: AP)

Figuren wurden verbrannt, aus Protest gegen die Selbstmorde

Im vergangenen Jahr begingen wegen den unmenschlichen Arbeitsbedingungen mindestens 13 chinesische Foxconn-Arbeiter Selbstmord. Das Unternehmen erhöhte die Löhne und bietet inzwischen soziale Beratungen für die Arbeiter an. Debby Chan von SACOM hält diese Maßnahmen jedoch für heuchlerisch. "Auf der einen Seite gibt es diese Beratungen, auf der anderen Seite hat Foxconn niemals seine Managementmethoden überprüft." Somit bleibe der Arbeitsdruck an den Produktionslinien bestehen.

Gegenüber DW-WORLD.DE teilte Foxconn schriftlich mit, man könne auf die Vorwürfe von SACOM nicht konkret eingehen, da man den kompletten Bericht noch nicht kenne. In der Mitteilung heißt es: "Foxconn hat gemeinsam mit den chinesischen Regierungsbehörden auf lokaler und nationaler Ebene, sowie Gesundheitsexperten im vergangenen Jahr hart daran gearbeitet, Programme und Richtlinien einzuführen, um sicherzustellen, dass unsere Arbeiter in China die Unterstützung bekommen, die sie brauchen." Alle Foxconn-Arbeiter würden mit höchstem Respekt behandelt. Es gebe Beschwerde- instrumente, die rund um die Uhr genutzt werden könnten. Alle Überstunden seien freiwillig, heißt es in dem Statement.

Verantwortung liegt auch bei den Kunden

Ein Mann hält ein iPad zur Ansicht.(Foto: AP/dpad)

Made in China: das iPad von Apple

Debby Chan sieht die Verantwortung für die schlechten Arbeitsbedingungen nicht nur bei Foxconn selbst, sondern auch bei Kunden des Elektronikgiganten, wie zum Beispiel Apple. Chan fordert, dass Konsumenten bekannte Unternehmen wie Apple dazu zwingen müssen, einen Verhaltenskodex bei ihren Zulieferern durchzusetzen.

Autor: Christoph Ricking

Redaktion: Ana Lehmann