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Kultur

Apple steigt ins Musik-Streaming-Geschäft ein

Mit Downloads hat es vor einem Jahrzehnt geklappt. Aber wird Apple es auch schaffen, die Musikwelt mit einem neuen Streamingdienst zu revolutionieren? Jetzt geht das Unternehmen mit "Apple Music" an den Start.

Apple-Chef Steve Jobs machte 2003 eine knallharte Aussage: "Abonnements sind der falsche Weg", behauptete er beim Start von Apples neuem Online-Shop iTunes: "Seit Menschengedenken haben die Leute ihre Musik gekauft."

Erinnerungen an solche Statements des verstorbenen Firmenmitbegründers können die Zukunft aber nun mal nicht aufhalten. Nun will Apple seinen Eintritt in den Musik-Streaming-Markt mit "Apple Music" bekanntgeben - und zwar während des Auftakts zur einwöchigen Worldwide Developers Conference des Unternehmens in San Francisco.

Rasante Entwicklungen in der Musikszene

Die Aussage von Jobs war seinerzeit recht mutig und versprach Hoffnung. Die Musikindustrie war bis dahin durch das Aufkommen von File-Sharing dezimiert worden, und so erschien iTunes vielen als Retter in der Not. Und Jobs sollte Recht behalten. Nachdem das berüchtigte FileSharing-Unternehmen Napster im Juli 2001 geschlossen worden war, machte es kurze Zeit später einen Neuanfang als Streamingdienst. Ende 2002 war das Unternehmen offiziell bankrott. Die Welt war noch nicht bereit für Streaming – die Menschen kauften ihre Musik immer noch und betrachteten sie als ihr Eigentum. Damals galt der iPod als Höhepunkt der technischen Entwicklung, während das iPad noch kühne Zukunftsmusik verhieß.

eine Hand hält einen iPod Musik MP3 Player

Der iPod, noch vor nicht allzu langer Zeit eine revolutionäre Erfindung, gehört schon der Vergangenheit an.

Digitale Neulandschaft

Bis zum Jahr 2015 veränderte sich die Musiklandschaft komplett. Der iPod hat ausgedient, und die Musikszene ist überladen mit innovativen Musikdiensten und Verteilungsmechanismen – angefangen von im Smartphone eingebauten Musik-Apps, bis hin zum Online-Radio oder gar der Wiedergeburt der Schallplatte. Aber keine Erfindung der letzten zehn Jahre hatte so starke Auswirkungen wie Musik-Streaming. Und jetzt will Apple, entgegen der Vorhersagen von Jobs, endlich mit ins Boot – und zwar mit einer gründlichen Überholung von iTunes.

Verspäteter Gast auf der Streaming-Party

Apple erscheint auf der Streaming-Party als altmodischer und außerdem reichlich verspäteter Gast. Im Jahr 2014 gaben die Verbraucher nahezu 1,6 Milliarden Dollar für Musik-Streaming aus, und nach Angaben der Internationalen Föderation der Phonographischen Wirtschaft nahmen im gleichen Jahr rund 41 Millionen Menschen einen bezahlten Streaming-Dienst in Anspruch.

In der Szene tummeln sich bereits solcherlei Dienste wie Google Play, Rhapsody, Tidal und Soundcloud. Mit 60 Millionen Nutzern, darunter 15 Millionen zahlende Kunden, ragt Spotify aus der Menge heraus. Diese Zahlen schinden zwar Eindruck, dennoch führen diese Firmen im Schatten von Apple ein recht kümmerliches Dasein. Nicht umsonst gilt Apple, das als erstes US-Unternehmen auf mehr als 700 Milliarden Dollar geschätzt wurde, als das weltweit führende Unternehmen überhaupt.

Spotify Musik Internet Musikportal

Ist Spotify ist ein ernstzunehmender Konkurrent?

Günstige Ausgangslage

Noch kann man nicht einschätzen, ob Apple Kunden von Spotify und Co. abwerben wird. Aber eins ist sicher: Apple wird Streaming den Massen näherbringen. Sage und schreibe 800 Millionen Kreditkarten sind bereits mit dem iTunes-Store verknüpft – womit bereits für einen reibungslosen Übergang zum Streaming für diese 800 Millionen Kunden gesorgt ist. Und das ist eine sehr willkommene Nachricht für eine Branche, die 2014 einen globalen Rückgang der Downloads von acht Prozent zu verzeichnen hatte. Deshalb setzen viele Beobachter, trotz des späten Eintritts des Unternehmens in diesen Markt, auf den Apple-Faktor.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldete, wird Apple Abo-Dienste ab ungefähr zehn Dollar monatlich anbieten. Demnach wird Apple keine kostenlosen On-Demand-Dienste zur Verfügung stellen, jedoch sein iTunes-Radio für diejenigen beibehalten, die einen freien Zugriff auf Musik wünschen. Apples Einstieg in das Streaming bahnte sich nach dem Kauf von Beats an; das Musikunternehmen von Dr. Dre und Jimmy Iovine ging vor knapp einem Jahr für drei Milliarden Dollar an Apple.

Kann Apple wirklich alles?

Ob sich dies als ein weiterer "iPod-Moment" in der Geschichte von Apple und globaler Technologie entpuppen wird, wird davon abhängen, wie erfolgreich Apple die Menschen davon überzeugen kann, ihr hart verdientes Geld für die Streaming-Revolution auszugeben. Anderen Unternehmen ist das bislang nur teilweise gelungen. Allerdings verfügt Apple über weitaus größere Geldreserven, um die Kunden mit exklusiven Angeboten zu locken - speziell aufgenommene Tracks oder Live-Konzerte beispielsweise.

"Wenn Apple Eindruck schinden will, kann es das schon allein durch seine schiere Macht erreichen ", sagte Peter Csathy, Experte für digitale Medien in Los Angeles, der "USA Today". "Apple kann es sich leisten, Unmengen von Geld in eine bestimmte Sache zu stecken. Es gibt nichts Vergleichbares."

Die Konkurrenz hat nicht geschlafen

Allerdings kommt der Start von Apple-Musik ein bisschen spät. Denn bereits Anfang des Jahres stand das Konkurrenzunternehmen Tidal auf der Matte. Es wurde eine glamouröse Einführungsparty mit zahlreichen namhaften Gästen gefeiert, von Madonna bis hin zu Jay Z, der das Unternehmen für 56 Millionen Dollar gekauft hatte. Aber alsbald verlor der Laden an Schwung. Allseits verspottet und verhöhnt verschwand er von der Liste der 700 Top Apps in Apples App Store.

Tidal Launch New York

Bei der Eröffnungsparty von Tidal war man noch zuversichtlich

Trotz seines weitreichenden Einflusses und seiner enormen Macht ist allerdings auch Apple nicht immer verschont von kontroversen Auseinandersetzungen. Das Unternehmen geriet 2014 in weltweite Kritik, nachdem es das Album "Songs of Innocence" von U2 auf Hunderte von Millionen iTunes-Konten hochgeladen hatte. Es gab so viel Ärger, dass sich sowohl Apple als auch U2 entschuldigen mussten. Zumindest war dies der erste klare Beweis dafür, dass auch Apple nicht immer alles richtig macht.

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