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Aktuell Amerika

Apple erhält Unterstützung im Streit mit dem FBI

Apple fürchtet den Präzedenzfall und lehnt es ab, dem FBI bei der Entschlüsselung eines iPhones zu helfen - auch wenn dieses einem Attentäter gehörte. Apple-Chef Cook erhält Rückendeckung von Kollegen der Tech-Branche.

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Apple gegen FBI

Apple-Chef Tim Cook stellte die Forderungen des Gerichts als eine unzumutbare und elementare Belastung seines Unternehmens dar. Das von der Justiz verlangte Entsperren des Telefons, das einem der Attentäter von San Bernardino gehörte, wäre "ein beispielloser Schritt, der die Sicherheit unserer Kunden gefährdet", schrieb er in einem offenen Brief und kündigte entschiedenen Widerstand an. In den eskalierenden Konflikt schaltete sich jetzt auch das Weiße Haus ein und erhöhte den Druck auf den US-Technologiekonzern.

Die Bundespolizei FBI verlange von Apple ja nicht "eine Hintertür" für seine Produkte zu öffnen, mühte sich der Sprecher von Präsident Barack Obama, Josh Earnest, klarzustellen. Die Anfrage des FBI betreffe schließlich nur ein einziges iPhone.

Earnest beteuerte, der Präsident halte den Schutz der Privatsphäre und der bürgerlichen Freiheiten in den USA hoch. In diesem Fall gehe es aber "um eine viel begrenztere Frage". FBI und Justiz könnten sich bei ihren Ermittlungen zu dem islamistischen Anschlag von San Bernardino "voll" auf die Unterstützung durch das Weiße Haus verlassen.

FBI-Experten konnten iPhone nicht knacken

Apple widersetzt sich einer gerichtlichen Anordnung, dem FBI bei der Entschlüsselung des Handys des San-Bernardino-Attentäters Syed Farook zu helfen. Die Ermittler kennen das Passwort für das iPhone des Angreifers nicht, und Apple solle den Behörden "angemessene technische Unterstützung" zum Entsperren bieten, erklärte die kalifornische Richterin Sheri Pym. Es geht offenbar vor allem um die Aufhebung der Funktion, die alle Daten des Geräts löscht, falls zehn Mal ein falsches Passwort eingegeben wurde. Außerdem solle Apple es der Bundespolizei ermöglichen, die Passwörter nicht über den Bildschirm, sondern über elektronische Schnittstellen einzugeben. Damit könnten die Ermittler deutlich schneller verschiedene Kombinationen ausprobieren, um die richtige zu finden.

Chefs von Google und WhatsApp stützen Apple

Unternehmensführer Cook beklagte, sein Konzern solle wohl "eine Hintertür für das iPhone" bauen. Eine solche Software zu entwickeln sei "zu gefährlich". Gerate sie in "falsche Hände", könnte damit jedes iPhone entschlüsselt werden. Es sei ohnehin unmöglich, eine Software zu entwickeln, die nur einmal und nur auf einem einzigen Gerät eingesetzt werden könne. Damit käme eine Art "Generalschlüssel" in Umlauf.

Cook bekommt in seiner Kraftprobe mit den US-Behörden Unterstützung aus den Chefetagen von Google und WhatsApp. Google-Chef Sundar Pichai warnte, die Forderung an ein Unternehmen, das Hacken von Geräten und Daten seiner Kunden zu ermöglichen, "könnte ein besorgniserregender Präzedenzfall werden" und die Privatsphäre von Nutzern verletzen. Er hoffe auf eine bedachte und offene Diskussion zu dem Thema, schrieb Pichai in einer Serie von Tweets. Der Gründer des Kurzmitteilungsdienstes WhatsApp, Jan Koum, stärkte dem Apple-Chef noch unmissverständlicher den Rücken. "Wir dürfen diesen gefährlichen Präzedenzfall nicht zulassen", betonte er in einem Facebook-Eintrag. Heute gehe es um die Freiheit.

Bei dem Anschlag Anfang Dezember hatte ein Ehepaar 14 Menschen erschossen. Die beiden Angreifer, die die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) unterstützt haben sollen, starben in einem Schusswechsel mit der Polizei.

Seit den Spionage-Enthüllungen durch Edward Snowden kämpfen Technologiefirmen um das Vertrauen ihrer Kunden. Aus US-Sicherheitskreisen sind seit Monaten Klagen zu hören, dass die stärkere Verschlüsselung von Smartphones und Onlinekommunikation durch Konzerne wie Google und Apple gewaltbereiten Extremisten in die Hände spiele. FBI-Chef James Comey beklagte vergangene Woche, die Sperre bei Farooks iPhone "beeinträchtigt unsere Anti-Terror-Arbeit".

SC/pg/wl (afp, APE,dpa)

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