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Sprachbar

Appetit auf Deutsch

Essen hält nicht nur Leib und Seele zusammen, es bereichert auch immer wieder unseren sprachlichen Alltag. Woher die Wendungen kommen, ist oft unklar – verstanden aber werden sie von jedem!‎

Der Kloß im Hals ist nicht etwa ein Knödel oder eine halbe Frikadelle. Der Kloß im Hals ist etwas, woran man schwer zu schlucken hat, etwas, das einem die Tränen in die Augen treiben kann. Diese Art Kloß ist im übertragenen Sinne etwas schwer Verdauliches, etwas, woran man lange und schwer zu kauen hat – ein dicker Brocken eben. Ein anderes Wort für "Kloß" ist "Klops" und ein "dicker Klops" bezeichnet umgangssprachlich einen schweren Fehler, den sich jemand geleistet hat.

Vom Keks zur Wurst

Außer Kloß und Klops sind noch viele andere Wörter, die eigentlich Ess- und Trinkbares bezeichnen, in bildhaften, umgangssprachlichen Ausdrücken vertreten. So ist das "Weichei" kein weiches Ei, sondern das Gegenteil eines "hartgesottenen" Burschen. Und der kann uns bisweilen ziemlich "auf den Keks", das heißt, auf die Nerven gehen. Der "Keks" ist so etwas wie die "Birne", und die wiederum ist so etwas wie der Kopf. Was "auf den Keks" geht, geht "auf den Geist".

Aber jetzt lieber zu etwas Herzhaftem. Da haben wir beispielsweise die Wurst. Über Menschen mit ausgeprägter Leibesfülle, die sich außerdem in zu enge Kleidungsstücke zwängen, wird gerne gespottet, sie sähen aus "wie Wurst in Pelle". Bei dieser nicht gerade wohlwollenden Charakterisierung ist es kein Wunder, wenn der oder die Verhöhnte anschließend "die beleidigte Leberwurst spielt". Warum ausgerechnet eine Leberwurst zu beleidigen ist, weiß niemand. Aber um Besonderheiten ist die deutsche Sprache ja nicht verlegen; und über vieles lässt sich oft nur mutmaßen.

Gemüseblindheit

So soll die Redewendung "Friede, Freude, Eierkuchen" mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu tun haben. Es war endlich Frieden, es war Freude, und es wurden wieder Eierkuchen gebacken. Für Sahnetorten war die Zeit noch nicht gekommen. Ob diese Geschichte wirklich stimmt, ist eigentlich "Wurst". Gut erzählen lässt sie sich auf jeden Fall. Woher genau der Ausdruck "das ist Wurst" stammt, weiß im Übrigen niemand so genau. Wahrscheinlich galt Wurst schon immer als ein eher alltägliches Essen – weniger wertvoll als zum Beispiel ein Braten. Vielleicht aber kommt die Wendung auch daher, dass man gar nicht immer so ganz genau weiß, woraus denn nun eine Wurst gemacht ist, was also "verwurstet" wurde.

Neben der Wurst haben auch Tomaten ihren festen Platz in der deutschen Sprache gefunden. So brüllen erboste Fußballfans schon mal den Schiedsrichter an, ob er denn "Tomaten auf den Augen habe". Völlig klar: Wer Tomaten auf den Augen hat, sieht nichts und trifft geradezu zwangsläufig Fehlentscheidungen – zumindest dann, wenn es sich um ein Fußballspiel handelt.

Eingebrockt und ausgelöffelt

Erwiesen ist, dass Tomaten dabei helfen, den Hunger zu stillen – und das durchaus auch in Suppenform. Wobei wir bei der Suppe sind, die man "auslöffeln muss" samt dem, was man sich "eingebrockt" hat. Was das heißt? "Du hast es so gewollt, jetzt schau, wie du damit zurechtkommst! Also, häng nicht 'rum wie ein Schluck Wasser in der Kurve!"

Diesem Ausdruck mit "bierernsten" Erklärungen beikommen zu wollen, ist geradezu unmöglich. In der entsprechenden Situation lässt sich aber ziemlich gut verstehen, was gemeint ist, auch wenn noch niemand einen Schluck Wasser in der Kurve gesehen hat. Es sei denn, er oder sie hätte "mächtig einen im Tee" gehabt, wäre also betrunken gewesen. Hier übrigens empfiehlt es sich, mit etwas Essbarem eine gewisse Grundlage zu schaffen, um den unangenehmen Folgen am nächsten Tag vorzubeugen – womit wir wieder bei der Frikadelle wären …

Autor: Michael Utz

Redaktion: Barbara Syring

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