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Politik

Appelle an zögernde Staaten

Seit Donnerstag (23.10.) findet in Madrid die Geberkonferenz für den Wiederaufbau im Irak statt. Die Spendebereitschaft bleibt jedoch weit hinter der von den USA gewünschten Gesamt-Summe zurück.

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Bedarf an Hilfe gibt es genug

Der zweite Tag der Geberkonferenz für den Irak begann mit einem eindringlichen Appell des Vorsitzenden des irakischen Regierungsrates, Ali Abdul Amir Allawi, seinem Land zu helfen: Der Irak befinde sich nach den vielen Jahren eines blutrünstigen Regimes in einem absoluten Zustand der Zerstörung. Nur mit der Hilfe befreundeter Staaten sei es gelungen, sich von diesem Regime zu befreien.

Man habe gehofft, dass die Freiheit früher kommen würde und noch mangele es an zivilen Einrichtungen, dies werde sich aber ändern, wenn der Irak völlig frei und demokratisch geworden sei. Das irakische Volk, so Allawi, honoriere die Hilfe: "Wir versichern, dass das irakische Volk nicht vergessen wird, wer ihm in der schweren Stunde geholfen hat, und die Iraker werden den befreundeten Völkern beim Wiederaufbau Priorität einräumen."

Geld für Demokratie

Das war ein ziemlich deutlicher Hinweis an alle, die bisher zögerlich waren mit Hilfszusagen. Auch andere Vertreter des Regierungsrates beschworen die Versammelten, sie bei dem Bemühen zu unterstützen, im Irak ein neues und demokratisches Gesellschaftssystem einzuführen. Sie wurden unterstützt von Weltbank-Chef James Wolfensohn und EU-Kommissar Chris Patten.

Der spanische Ministerpräsidenten José Maria Aznar beschwor die noch zögernden Staaten: "Die Geberkonferenz muss dafür arbeiten, dass die Zukunft des Iraks viel besser sein wird als seine jüngste Vergangenheit. Die 70 Staaten und die internationalen Organisationen sowie einzelne Delegierte - wir erklären alle unsere Solidarität mit dem Irak."

Aznar unterstrich, dass diese Konferenz den Anfang einer Rückkehr des Irak in den Kreis der freien Nationen darstelle. Das einzige, was man hier wolle, sei die Bewältigung der Vergangenheit. Das sei sicher nicht rasch zu bewerkstelligen, aber, so Aznar: "Langsam, langsam werden unsere Bemühungen hier in den Schulen zu spüren sein, auf dem Energiesektor, in den Krankenhäusern, im wirtschaftlichen und im täglichen Leben. Es ist unsere Pflicht, weiter voranzuschreiten".

Offenes Finanz-Loch

Wie man voranschreitet, wird sich bis zum Abend zeigen, denn der größte Teil des Tages wird ausgefüllt sein mit den Spenden-Erklärungen der verschiedenen Delegationen. Große Überraschungen sind hierbei kaum zu erwarten - außer eventuell von Kuwait - und es wird sicher ein großes Finanz-Loch offen bleiben. US-Außenminister Colin Powell beschwor die Konferenz zum "reichlichen Geben" und stellte die bereits zugesagten 20,3 Milliarden Dollar amerikanischer Hilfe als leuchtendes Beispiel hin.

Allerdings räumte auch er ein, dass er nicht gedacht habe, dass das gesamte Geld hier zusammen kommen würde: "Wir sind nicht hierher nach Madrid gekommen, um 55 oder 56 Milliarden Dollar in einer Konferenz aufzubringen. Und wie Sie gehört haben: Die Iraker werden selbst ihren Beitrag leisten, wenn sie ihre Infrastruktur entwickeln und in die internationale Gemeinschaft zurückkehren. Aber diese Geberkonferenz ist ein wichtiger Schritt um dieses Ziel zu erreichen."

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