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Kultur

Apokalypse now?

Terror und Katastrophen zeigen weltweit, wie kurz und vergänglich ein Menschenleben sein kann. Für viele – vor allem in den USA – ist das ein Grund sich in Endzeit-Visionen zu flüchten. Die Apokalypse hat Hochkonjunktur.

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Ein Lichtstreif in der Milchstraße - ist das die nahe Zukunft von Mutter Erde?

Amerika, so scheint es, ist seit dem 11. September vorigen Jahres in eine Endzeitstimmung verfallen. Diesen Eindruck kann man zumindest gewinnen, betrachtet man den großen Erfolg von Büchern über apokalyptische Szenarien. Zwei amerikanische Autoren, Tim F. LaHaye und Jerry B. Jenkins, haben eine Serie veröffentlicht, in der sie die Endzeitstimmung thematisieren. Das erste Buch mit dem Titel "Finale 1. Die letzten Tage der Menschheit" erschien bereits 1995.

Die Handlung: In einem einzigen Augenblick verschwinden auf der ganzen Welt Millionen von Menschen. Die Erde droht, in Chaos zu versinken. Flugzeuge stürzen vom Himmel. Menschen lösen sich scheinbar in Nichts auf. Manche sehen in diesen furchterregenden Geschehnissen das Werk von Außerirdischen. Andere suchen nach einer rationalen Erklärung. Ein Pilot macht sich auf die Suche nach Aufklärung der rätselhaften Geschehnisse – und setzt diese neun Bände lang fort.

Apokalyptische Bestseller

Mit den Verkaufszahlen schlägt die Mischung aus Science Fiktion, Fantasy, Horror, Religion und Spirituellem selbst Stephen King Romane. Die Bücher von LaHaye und Jenkins wurden bereits in 30 Sprachen übersetzt und 32 Millionen mal verkauft.

Angelehnt sind Motive und Thematik an das Buch der Offenbarung in der Bibel. Nicht ohne Zufall: Tim LaHaye ist ein ehemaliger Pfarrer, Jerry B. Jenkins enger Mitarbeiter des bekannten US-Predigers Billy Graham. Wenn sie in den USA auf PR-Tournee gehen, werden sie umjubelt wie Popstars.

Eine neue Frömmigkeit?

Seit dem 11. September sehen einige Menschen Terroranschläge, Unglücke und Katastrophen als böses Omen und als Vorahnung für den Megagau. Apokalyptische Szenarien haben seither Hochkonjunktur. Nach einer Umfrage amerikanischer Medien sieht ein Drittel der Amerikaner eine Beziehung zwischen negativen Nachrichten und einem möglichen Weltende. 59 Prozent glauben, die Handlung in den Romanen von La Haye und Jenkins werde wahr. Ein Viertel der US-Bürger meint sogar, die Bibel hätte den 11. September vorhergesagt. Auch deshalb vertiefen sich viele Amerikaner seit den Terroranschlägen in die Heilige Schrift.

Die Bibel als Bild-Zeitung

Doch ihr Blick ist nach Ansicht von Professor Menhard Kehl getrübt. Die Amerikaner läsen die Bibel so, als ob sie die Bild-Zeitung lesen würden, meint der Theologe und Autor des Buches "Was kommt nach dem Ende?" im Gespräch mit DW-WORLD. Die Amerikaner sähen sich als erwählte religiöse Nation. Es mache sich eine neue Frömmigkeit breit, die sich mit einem Nationalismus verbände.

Bibelfeste Europäer

Dabei gehe es in der Bibel gar nicht um kosmologische Vorhersagen. Die Voraussagen des Paulus beispielsweise wären im geistlichen Sinne gemeint, die geschichtliche Dimension werde in der Sicht der Amerikaner vernachlässigt. "Im neuen Testament ist das Ende der Welt bereits in Tod und Auferstehung Jesu symbolisiert", weiß der Jesuitenpater.

In Deutschland und Europa haben die Erwartungen eines nahenden Endes der Welt weniger Zulauf. Durch einen guten Religionsunterricht, so Professor Kehl, sei man hier immuner gegen solche Vorstellungen.

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