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Hessisch

Apfelwein und Goethe

Der 'Äbbelwoi'- Apfelwein – ist das "Nationalgetränk" der Hessen und wohl das bekannteste Produkt des Landes. Vor allem in Frankfurt, dem international bedeutsamen Finanzzentrum, kommt man nicht um den Trunk herum.

Traditionellerweise kommt der hessische Apfelwein im so genannten Bembel auf den Tisch, einem dickbauchigen Krug aus Steingut mit blauer Malerei auf grauem Grund. Darin bleibt der Wein schön kühl, und außerdem muss man dann nicht ständig nachbestellen. Daher übrigens auch der Begriff Bembelseligkeit – eine tiefe Verbundenheit mit dem Apfelweinkrug – die den Hessen zugeschrieben wird.

Apfelwein und geriffeltes Glas

Gut festhalten
Zum "Nationalgetränk" werden meist die originalen Apfelwein-Gläser serviert – sie sind außen geriffelt. Angeblich, damit die vom Essen fettigen Finger nicht abrutschen. Das erzählt man sich jedenfalls in Frankfurt mit einem Augenzwinkern.

Und zum Apfelwein-Krug gehört natürlich der Deckel. Noch heute haben die traditionellen Apfelwein-Wirtschaften Regale am Tresen, in denen für jeden Stammgast ein eigener Holzdeckel mit Schnitzereien oder Malereien verwahrt wird.

Die alteingesessenen Frankfurter trinken natürlich nicht einfach nur ihren Apfelwein. Äbbelwoi, den petzt man, den robbt man oder baaft man. Man kann ihn aber auch schläuchen. Egal, ob man die vielen hessischen Vokabeln für das Verb trinken kennt, den Abbelwoi sollte man auf jeden Fall probieren.

Apfelwein wird aus dem Steingut-Krug eingegossen

Hessische Prominenz
Auch Heinz Schenk servierte seinen Gästen gerne Apfelwein: als Oberkellner in seiner Fernsehkneipe "Zum Blauen Bock". Die Unterhaltungssendung ist vor allem bei der älteren Generation in Deutschland immer noch gut in Erinnerung, wenn es um Hessisch geht.

Dabei hat der Dialekt viel ältere berühmte Vertreter vorzuweisen. Zuallererst die Gebrüder Grimm, die in Steinau an der Straße aufwuchsen, wo heute ein Museum an die bedeutsamsten Märchensammler der deutschen Geschichte erinnert. Studiert haben die Brüder in Kassel. Aus der Gegend stammen auch viele der Märchen, die sie allerdings meist im einheitlichen Schriftdeutsch notiert haben.

Porträt von Johann Wolfgang von Goethe

Sprachliches Exil
Johann Wolfgang von Goethe ist der bekannteste Vertreter Hessens. Allerdings hätte Goethe sich selber wahrscheinlich nie als Hesse bezeichnet, denn schließlich ist er ja in der damals freien Reichsstadt Frankfurt geboren und gehörte nicht zu den Bauern, die aus den umliegenden Dörfern auf die Märkte kamen.

Zum Studium zog Goethe dann nach Leipzig – auch aus sprachlichen Gründen, wie Historiker sagen. Denn Sächsisch galt zu Goethes Zeiten als Hochsprache, die ein junger Dichter erlernen sollte.

Letzte Worte
Trotzdem halten sich in Hessen die Gerüchte, dass Goethe dem Frankfurterischen bis an sein Lebensende treu geblieben ist. Der Reim "Neige, neige, Schmerzenreiche" hört sich nach hessischer Mundart mit viel sch gesprochen doch viel weicher an.

Und die berühmten letzten Worte Goethes, bei denen er "Mehr Licht!" eingefordert haben soll, hatten angeblich einen ganz anderen Hintergrund. Eigentlich soll sich Goethe nämlich mit den letzten Atemzügen noch über den mangelnden Komfort seiner Lagerstatt beschwert haben: "Mer lischt hier reischlich unbequem im Bette!"

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