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Apfel

Die Äpfel sind reif, es wird Apfelsaft gekeltert, und der Apfelmost beginnt zu gären. Denn der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Eine lexikalische Untersuchung eines "vegetarischen" Dauerbrenners ...

Die Tatsache, dass er nicht weit vom Stamm fällt, hatte angeblich entscheidenden Einfluss auf eines der drei Bewegungsgesetze, die der berühmte Mathematiker und Physiker Isaac Newton gegen Ende des 17. Jahrhunderts formuliert hat. Der Legende nach ist dem Wissenschaftler ein Apfel auf den Kopf gefallen, was ihm schmerzhaft und mit allem Nachdruck einen Begriff von der Schwerkraft vermittelt haben muss. Die Tatsache, dass Gegenstände immer direkt nach unten fallen, ist Naturgesetz und somit auch Erklärung dafür, dass Äpfel eben nicht weit vom Stamm fallen. Unser Stichwort diese Woche heißt Apfel. Das ist durchaus saisonbedingt, denn jetzt sind die Äpfel reif, es wird Apfelsaft gekeltert, und der Apfelmost beginnt zu gären.

Mehr als eine Frucht

Der Apfel ist mehr als nur eine Frucht, der Apfelbaum mehr als nur ein Obstbaum. Der Apfel am Baume der Erkenntnis, dem Apfelbaum, hat in gewisser Weise zur Vertreibung aus dem Paradies beigetragen; die goldenen Äpfel aus den Hesperidengärten galten in der griechischen Mythologie als Garanten ewiger Jugend. Die Kelten nannten den Ort ewigen Lebens und Friedens "Avalon", was so viel wie "Apfelland" heißt.

Der längst sprichwörtlich gewordene Zankapfel geht auf die antike Sage vom Urteil des Paris zurück. Den Streit der Göttinnen Hera, Pallas Athene und Aphrodite, welche die schönste von ihnen sei, sollte Paris entscheiden und der Siegerin einen Apfel zuwerfen. Seine Wahl fiel auf Aphrodite. Wer die griechische Sagenwelt kennt, weiß, dass dieser Apfelwurf schließlich zum Trojanischen Krieg führte.

Symbol des Widerstands

Zankapfel war in gewisser Weise auch jener berühmte Apfel in Schillers Drama "Wilhelm Tell". Tell hatte ihn mit der Armbrust vom Kopfe seines Sohnes geschossen. Tells Apfelschuss wurde zum Fanal des Aufstandes gegen die österreichische Zwangsherrschaft. Zum handfesten politischen Symbol wurde der Apfel in Form des Reichsapfels, der kunstvoll als Weltkugel ausgeformt war. Der Reichsapfel war Attribut monarchischer Herrschaft und Zeichen der Machtvollkommenheit im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.

Über all dem sollte man aber nicht vergessen, dass man den Apfel auch essen kann; ja essen soll: "Ein Apfel am Tag, mit dem Doktor keine Plag", sagt der deutsche Volksmund, und auch in England weiß man: "One apple a day, keeps the doctor away". Tatsächlich ist der Apfel Gesundheit pur. Dies müssen unsere Vorfahren geahnt haben, denn schon von den Bewohnern der Pfahlbauten lässt sich der Verzehr von Holzapfelschnitzen nachweisen. Wie der Name vermuten lässt, können diese nicht besonders gut geschmeckt haben. Dennoch haben auch die Germanen Holzapfelbäume in der Nähe ihrer Wohnplätze angepflanzt. Vermutlich nicht zuletzt deshalb, weil die Holzäpfel vergoren werden konnten und einen deftigen Most abgaben.

Königlicher Genuss

Durch den im 14. Jahrhundert im norwegischen Bergen angelegten königlichen Apfelgarten wird der Apfel gewissermaßen geadelt. Irgendwann muss es dann durch eine Laune der Natur richtig süße Äpfel gegeben haben. So ungefähr um das Jahr 1800 erkannte man, dass ganz bestimmte Eigenschaften des Apfels beeinflusst werden konnten; im 20. Jahrhundert wurde schließlich mit der Kultivierung und Veredelung in großem Stil begonnen.

Bis vor ein paar Jahrzehnten waren in Deutschland über 40 Apfelsorten im Handel, beispielsweise der "Finkenwerder Herbstprinz", der "Geflammte Kardinal" oder der "Altländer Pfannkuchen." Ob nun die letztgenannte Sorte besonders gut für Apfelpfannkuchen geeignet war, wissen wir nicht, aber wir sind jetzt unweigerlich beim Apfelkuchen. Es müssten schon die Kuchentheken mehrerer Bäckereien aneinander gereiht werden, um alle Sorten Apfelkuchen vorstellen zu können.

Für 'nen Appel und 'n Ei

Äpfel hat es eigentlich immer genug gegeben, und sie waren auch lange Zeit für wenig Geld zu haben. Daher auch der Ausdruck "für 'nen Appel und 'n Ei". Denn auch Eier waren ja mal billig. Übrigens auch Erdäpfel, wie die Kartoffeln in einigen Regionen genannt werden. Es gibt Äpfel, in die müssen wir alle ab und zu beißen. Es sind die sauren. Wer gezwungen ist, in einen sauren Apfel zu beißen, der hat etwas vor sich, was schwer fällt, unangenehm und lästig ist. Etwas, woran man schwer zu schlucken hat.

Apropos schlucken: Beim Schlucken bewegt sich der Kehlkopf, der in seiner männlichen Form volkstümlich Adamsapfel genannt wird. "Adamsbirne" wäre ja auch zu komisch. Übrigens kann man Äpfel und Birnen nicht zusammenzählen. Auch dies eine Redensart, die bedeutet, dass gänzlich Unterschiedliches nicht zusammenzubringen ist.


Apfelbäckchen

Wir haben noch etwas nachzutragen: Es gibt in Deutschland einen – nun ja – "Gesundheitssaft", der vor allem für Kinder geeignet sein soll. Er macht rote, um nicht zu sagen apfelrote Bäckchen, was man dem lachenden Kleinmädchengesicht der Saftwerbung auch überdeutlich ansieht. Seitlich hinter dem Kind beugt sich die glückstrahlende Mutti ins Bild, von der man sofort weiß, dass sie immer alles richtig macht. Vor allem mit dem Saft. Auch sie mit Apfelbäckchen, wenn auch nicht ganz so rot.

Und jetzt sind wir wieder am Anfang unseres Stichworts. Man sagt "der Apfel fällt nicht weit vom Stamm" – zum Beispiel dann, wenn Kinder ihren Eltern sehr ähnlich sehen. Daran hat Newton aber bestimmt nicht gedacht als ihm der Apfel direkt auf die Birne, oh, pardon, auf den Kopf fiel.

Fragen zum Text:

Der Apfel fällt nicht weit vom

1. Baum.

2. Haus.

3. Stamm.

Wenn jemand in den sauren Apfel beißt, dann …

1. muss er/sie etwas tun, was ihm/ihr unangenehm und lästig ist.

2. ist er/sie danach besonders lustig.

3. isst derjenige/diejenige gerne saure Äpfel.

Wenn etwas für 'nen Appel und 'n Ei zu haben ist, dann …

1. ist etwas sehr gesund.

2. muss man dafür nicht viel zahlen.

3. stinkt etwas sehr stark nach faulen Eiern.

Arbeitsauftrag:

Schreiben Sie ein mehrzeiliges Gedicht, in dem mehrere Formen des Wortes "Apfel" vorkommen – wie zum Beispiel Reichsapfel, Apfelkuchen usw..

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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