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Europa

Antonis Rigas: "Es wird Gewalt geben"

Die Flüchtlinge im griechischen Idomeni an der abgeriegelten Grenze nach Mazedonien sind verzweifelt. Antonis Rigas von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen schildert im DW-Interview die Lage.

Für Tausende von Flüchtlingen ist derzeit an der Grenze nach Mazedonien kein Durchkommen (Foto: DW)

Für Tausende von Flüchtlingen ist derzeit an der Grenze nach Mazedonien kein Durchkommen

DW: Wie ist derzeit die Lage an der geschlossenen Grenze?

Rigas: Gestern war es sehr angespannt. Heute ist es etwas besser, aber wir denken, dass es so nicht weitergehen kann. Die Anspannung und Verzweiflung der Menschen führt zu viel Gewalt. Wir sind sicher: Sie werden immer wieder versuchen, die Grenze zu überschreiten und den Zaun niederzureißen.

Wie wird sich die Lage weiterentwickeln, wenn die Grenze geschlossen bleibt?

Es wird in den kommenden Tagen sehr schlimm werden. Da bin ich mir sicher. Diese Leute können nicht in den Feldern im Niemandsland bleiben, nur mit Zelten zum Leben. Das ist unmöglich. Deshalb wird es Gewalt geben.

Was ist jetzt am dringendsten nötig?

Wir brauchen einen Plan der Regierung und weitere Möglichkeiten, die Leute unterzubringen. Das Lager ist für 2000 Menschen ausgelegt, es kann unmöglich die 9500 Flüchtlinge beherbergen, die jetzt hier sind.

Tut die griechische Regierung etwas für die Flüchtlinge vor Ort?

Überhaupt nichts. Wir erwarten viel mehr von der Regierung. Wir wissen, dass das Verteidigungsministerium Lager eingerichtet hat. So stehen zwei Militärlager in der Region bereit, um Menschen aufzunehmen. Aber jemand muss herkommen und sie dorthin bringen, um das Problem hier zu verkleinern.

Welche Hilfen gibt es für die Flüchtlinge über die Zelte hinaus?

"Ärzte ohne Grenzen" verteilt Lebensmittel und Wasser. Wir haben chemische Toiletten und Latrinen und sogar heiße Duschen. Aber für so viele Menschen reicht das alles nicht.

Wie kommen die Flüchtlinge an die Grenze?

Die meisten kommen mit dem Zug nach Thessaloniki, denn die Polizei lässt keine Busse durch. Und dann nehmen sie Taxis, um nach Idomeni zu kommen.

Was für Leute sind derzeit an der Grenze gestrandet?

Mehr als 25 Prozent der Flüchtlinge kommen als Familien. 35 Prozent der Menschen sind jünger als 18 Jahre. Sie sind aus Syrien, Irak und einige aus Afghanistan.

Wer kümmert sich sonst noch um die Flüchtlinge dort?

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR ist vor Ort. Dazu kommen "Save the children", das "Rote Kreuz", "Médecins du Monde" sowie einige lokale Nichtregierungsorganisationen aus Griechenland.

Kommen jetzt überhaupt noch Menschen an dieser Stelle über die Grenze, um auf der Balkanroute weiterzureisen?

Die Grenze ist zu. In den vergangenen drei Tagen haben nicht mehr als 300 Leute die Grenze überschritten.

Haben die Menschen eine andere Wahl, als dort auszuharren?

Ich glaube nicht. Wohin sollen sie gehen?

Antonis Rigas leitet in Idomeni den Einsatz der Nichtregierungsorganisation "Ärzte ohne Grenzen - Médecins Sans Frontières". Das Interview führte Andreas Gorzewski.

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