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Wissen & Umwelt

Anton Zeilinger - der Quantenpapst aus Wien

Der österreichische Quantenphysiker Anton Zeilinger (Foto: AP)

Dem österreichischen Quantenphysiker gelang 1997 etwas Spektakuläres: Als erster Physiker auf der Welt "beamte" er ein Lichtteilchen (oder genauer gesagt dessen Eigenschaften) von einer Ecke seines Labortisches in die andere ­und zwar völlig ohne Zeitverzug! Dabei nutzte er eine ominöse spukhafte Fernwirkung, die einst Albert Einstein für völlig absurd gehalten hatte. Mittlerweile beherrscht Anton Zeilinger das Spielchen par Excellence: Unter anderem beamte er Licht durch einen Abwasserkanal von einem Donauufer zum anderen.

Quanten sind Zwitterwesen

Zeilinger, Jahrgang 45, zeigt sich vor allem von den philosophischen Aspekten der Quantenwelt fasziniert. Die wohl prägnantesten Eigenschaften der Quanten: Winzlinge wie Elektronen oder Atome lassen sich nicht alleine als Teilchen, als drastisch verkleinerte Billardkugeln ansehen. Gleichzeitig zeigen sie auch den Charakter von Wellen. Quanten sind Zwitter: mal benehmen sie sich wie ein Teilchen, dann wieder agieren sie als Welle. Die große Frage, die sich Physiker seit Jahrzehnten stellen: Wo hört die Alltagswelt auf, wo beginnt die Quantenwelt? Mit seinen Aufsehen erregenden Laserexperimenten hat Zeilinger diese Grenze deutlich in Richtung Alltag verschoben.

Physiker und Philosoph

Mittlerweile gilt die Quantenteleportation unter IT-Experten sogar als vielversprechende Möglichkeit zur sicheren Datenübertragung.

Und: Zeilinger, der mit Intellektuellenbrille und grau meliertem Bart mehr an einen Soziologieprofessor erinnert als an eine Physikkoryphäe, hat eine Antenne für die Welt außerhalb seines Labors.

Er hält Philosophie und theologische Ansätze für ähnlich wichtig wie die naturwissenschaftliche Tradition. Ein Beleg dafür findet sich auf einem Foto, das an der Wand seines Zimmer hängt. Es zeigt Anton Zeilinger an seinem Laserexperiment, daneben - in rotes Tuch gehüllt - den Dalai Lama.

Eine Erinnerung an einen ungewöhnlichen Besuch. Im Sommer 1998 hatte das geistige Oberhaupt des tibetanischen Buddhismus drei Tage im Labor von Zeilinger verbracht und mit den Physikern diskutiert. Und es würde den Dalai Lama in seiner buddhistischen Weitsicht wohl kaum wundern, wenn sein österreichischer Freund am 10. Dezember nach Stockholm reisen dürfte, um den diesjährigen Nobelpreis für Physik einzustecken.

Autor: Frank Grotelüschen

Resaktion: Judith Hartl