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Internationaler Fußball

Antisemitismus-Initiative in Italiens Stadien

Junge Lazio Rom-Fans sollen Auschwitz besuchen, und in italienischen Stadien werden Passagen aus dem Anne-Frank-Tagebuch vorgelesen. Damit reagiert der italienische Verband auf rassistische Aktionen der Klub-Anhänger.

Italien Fußball Präsident von Lazio Rom legt Kranz an Synagoge nieder (picture-alliance/AP Photo/G. Borgia)

Lazio-Präsident Claudio Lotito bei der Kranzniederlegung

Nach dem 3:0 (2:0)-Erfolg von Lazio Rom beim Serie-A-Spiel gegen Cagliari Calcio waren an den Wänden des Olympiastadions Aufkleber angebracht worden. Darauf ein Bild von Anne Frank im Trikot der AS Rom und antisemitische Sprüche. Der Vorfall wird Lazio-Anhängern vorgeworfen. Bereits im Dezember 2013 waren solche Sticker in der ganzen Stadt verteilt worden. Nachdem sogar EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani den Vorfall verurteilt hatte, reagiert nun auch der Italienische Fußballverband FIGC.

Der ordnete an, dass in dieser Woche in allen Stadien der folgende Auszug aus dem Tagebuch von Anne Frank, einem der bekanntesten Holocaust-Opfer, vorgelesen wird: "Ich sehe, wie die Welt langsam immer mehr in eine Wüste verwandelt wird, ich höre den anrollenden Donner immer lauter, der auch uns töten wird, ich fühle das Leid von Millionen Menschen mit. Und doch, wenn ich zum Himmel schaue, denke ich, dass sich alles wieder zum Guten wenden wird, dass auch diese Härte aufhören wird, dass wieder Ruhe und Frieden in die Weltordnung kommen werden." Zudem wird am Wochenende vor dem Anpfiff bei allen Spielen sowohl der Serie A, B und C, als auch bei den Partien von Amateuren und Jugendmannschaften je eine Schweigeminute abgehalten. 

Lazio-Präsident besucht Synagoge

"Ich komme nicht umhin, das nachdrücklich zu verurteilen, was geschehen ist in Rom, in Italien, wo eine Gruppe von Hooligans ein Bild von Anne Frank verwendet hat, um Anhänger eines anderen Sportteams zu verunglimpfen", sagte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani zu Beginn der Plenarsitzung am Dienstag in Straßburg. "Anne Frank als Beleidigung gegenüber einer anderen Gruppe einzusetzen, halte ich für sehr schwerwiegend." Und Ruth Dureghello, Präsidentin der jüdischen Gemeinde in Rom, twitterte: "Das ist keine Kurve, das ist kein Fußball, das ist kein Sport. Raus mit den Antisemiten aus den Stadien."

Der Präsident von Lazio Rom, Claudio Lotito, besuchte am Dienstag die Synagoge und legte in Begleitung einer Delegation und zweier Spieler ein Blumengebinde nieder. Dabei kündigte Lotito an, dass künftig 200 junge Lazio-Fans jedes Jahr das Konzentrationslager Auschwitz besuchen sollten. "Die meisten unserer Fans sind gegen den Antisemitismus", so der Vereinspräsident. Jedoch ist dies längst nicht der erste und einzige rassistische Vorfall aus den Reihen der Lazio-Anhängerschaft.

Italien Fußball Lazio Rom Fans mit Spruchband (picture-alliance/AP Photo/P. Lepri)

Schon vor 19 Jahren: Antisemitisches Banner im Lazio-Block

Rassistische Tradition

Lazio-Fans standen erst kürzlich wegen rassistischer Gesänge in der Kritik. Daher war die Nordkurve am vergangenen Sonntag im Spiel gegen Cagliari Calcio geschlossen. Auch am 5. November gegen Udinese Calcio bleibt die Curva Nord gesperrt. Immer wieder provoziert ein Teil der Fans mit rassistischen Banner im Stadion. Im Januar 2013 hatte der Europäische Fußballverband (UEFA) den italienischen Erstligisten zu hohen Geldstrafen verurteilt. Die UEFA ahndete rassistische und antisemitische Äußerungen der Lazio-Anhänger bei Europa-League-Heimspielen gegen NK Maribor und Tottenham Hotspur. Mit einem faschistischen Gruß hatte 2005 Lazios damaliger Spielführer Paolo di Canio den Verein in negative Schlagzeilen gebracht. Er hatte sich mit ausgestrecktem rechten Arm vor die Fans gestellt. Auf dem Arm hat di Canio "Dux" (Führer) tätowiert. Und immer wieder werden im Stadion in Rom dunkelhäutige Spieler mit rassistischen Hetzgesängen bei Ballberührungen begleitet.

sw (AP, dpa AFPE)