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Aktuell Europa

Antisemitischer Überfall entsetzt Frankreich

Ein brutaler Überfall auf ein jüdisches Paar im Pariser Vorort Créteil hat in Frankreich Abscheu und Entsetzen hervorgerufen. Präsident Hollande und Premierminister Valls rufen zum Kampf gegen Antisemitismus auf.

Staatschef François Hollande hob im Elysée-Palast hervor, im Kampf "gegen den Rassismus, gegen den Antisemitismus" dürfe nicht so getan werden, "als hätten wir nichts gesehen". Der Überfall zeige, dass "das Schlimmste existiert". Dadurch werde das Beste an Frankreich "verletzt, beschädigt". Regierungschef Valls verurteilte die "Gräueltat" in einer Twitter-Botschaft. Der Überfall sei der "widerwärtige Beweis, dass der Kampf gegen den Antisemitismus jeden Tag geführt werden" müsse.

Skrupelloses Vorgehen der Bande

Drei vermummte Männer waren Anfang der Woche bewaffnet in die Wohnung des Paares in Créteil am südöstlichen Stadtrand von Paris eingedrungen (Das Artikelbild zeigt die Wohnanlage). Sie fesselten den 21-jährigen Mann und seine 19 Jahre alte Freundin und forderten die Herausgabe von Kreditkarten, Handys, Computern und Schmuck. Die junge Frau wurde zudem vergewaltigt.

Frankreichs Präsident Hollande (l.) und Regierungschef Valls (Foto: Reuters)

Frankreichs Präsident Hollande (l.) und Regierungschef Valls

Opfer gezielt ausgewählt

Nach Angaben der Polizei wurde das Paar gezielt als Opfer ausgewählt, weil die Angreifer davon ausgingen, "dass Jude zu sein bedeutet, Geld zu haben". Zwei der drei mutmaßlichen Täter und ein Komplize, die festgenommen werden konnten, sind der Polizei zudem wegen einer anderen religiös motivierten Gewalttat bekannt. Dabei wird ihnen vorgeworfen, am 10. November einen etwa 70-jährigen Juden ebenfalls in Créteil verprügelt zu haben. Der dritte Angreifer befindet sich noch auf der Flucht.

Zwei Verdächtige gefasst

Gegen die beiden festgenommenen mutmaßlichen Täter wurde ein Ermittlungsverfahren nicht nur wegen bewaffneten Überfalls und gemeinschaftlicher Vergewaltigung, sondern auch wegen Freiheitsberaubung und Erpressung unter Einsatz von Gewalt "wegen der Zugehörigkeit zu einer Religion" eingeleitet, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Gegen sie und den Komplizen wurde zudem ein Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem Überfall auf den älteren Juden wegen "Gewalt wegen der Zugehörigkeit zu einer Religion" eröffnet.

Der Großrabbiner von Frankreich, Haïm Korsia, verurteilte die Tat und beklagte das Fortbestehen "niederträchtiger Vorurteile". In einer Erklärung hob er hervor: "Rassismus und Antisemitismus sind Synonyme der geplanten Zerstörung des französischen Traums." In Frankreich lebt die größte jüdische Gemeinde Europas. Antisemitische Akte wie Gewalt gegen Juden, versuchte Attentate und Vandalismus haben in diesem Jahr stark zugenommen.

wl/re (afp,dpa)

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