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Antisemitismus

Antisemitische Fußball-Sticker auch in Deutschland

Faschistische Fußballfans in Italien haben antisemitische Aufkleber mit dem Bild von Holocaust-Opfer Anne Frank verbreitet. Rechte Hooligans in Deutschland nehmen sich die geschmacklose Aktion offenbar zum Vorbild.

In der Region Düsseldorf, in Dortmund und Gelsenkirchen sowie in sozialen Medien sind Aufkleber aufgetaucht, die Anne Frank im Trikot des Bundesligisten Schalke 04 zeigen.

Das in Frankfurt am Main geborene jüdische Mädchen war im März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen ums Leben gekommen. Ihr Tagebuch wurde weltberühmt. Offenbar versuchen rechtsextreme Fußballfans mit dem Foto von Anne Frank sowohl das Holocaust-Opfer, als auch gegnerische Mannschaften zu verunglimpfen - in Italien, jetzt aber auch in Deutschland. 

Dortmunds Problem mit den Rechten

Über die Aufkleber in Deutschland im Stil von Paninistickern hatte zuerst das Journalistenblog "Ruhrbarone" berichtet. Die Journalisten veröffentlichten Bilder von den Aufklebern auf ihrer Webseite. Diese würden vom Facebook-Profil eines in der Region aktiven Neonazis stammen, schreiben die "Ruhrbarone".

Wer die Aufkleber hergestellt hat, ist unklar. Dass Anne Frank ein Trikot des FC Schalke 04 trägt - dem größten Rivalen von Borussia Dortmund (BVB) - untermauert den Verdacht der "Ruhrbarone", rechtsradikale BVB-Fans könnten dahinter stecken.

Die Stadt Dortmund hat eine besonders aktive rechtsradikale Szene. Sowohl die NPD als auch die Partei "Die Rechte" sitzen im Stadtrat. Auch unter den Fans des BVB tummeln sich Rechtsextremisten. In den vergangenen Jahren hatte die relativ neue Dortmunder Hooligangruppe "RIOT 0231", benannt nach der Telefonvorwahl der Stadt, immer wieder für Aufmerksamkeit gesorgt: Mitglieder von "RIOT 0231" bedrohten linksgerichtete BVB-Ultras und sangen antisemitische Lieder auf einer Zugfahrt nach Berlin zum DFB-Pokal-Finale im vergangenen Jahr. Die Gruppe steckte auch hinter einer Morddrohung gegen BVB-Chef Hans-Joachim Watzke. Im Juli gab "RIOT 0231" seine eigene Auflösung bekannt.

Aufkleber auch in Leipzig

"Uns liegen bislang keinerlei Hinweise vor, dass die Aufkleber tatsächlich im Zusammenhang mit unserer Fanszene oder unserem Verein stehen", teilte der BVB der "Rheinischen Post" mit. "Diese Aufkleber können an Geschmacklosigkeit kaum übertroffen werden. Wir distanzieren uns aufs Äußerste von dieser Aktion." Der BVB betont, er arbeite mit Fangruppen zusammen, um Antisemitismus und Rassismus in der Stadt zu bekämpfen und organisiere zudem Besuche von ehemaligen Konzentrationslagern der Nazis.

Das Phänomen ist nicht nur auf Nordrhein-Westfalen beschränkt. Ein Fan von Lokomotive Leipzig postete ein Bild von Anne Frank im Trikot von Stadtrivalen Chemie Leipzig auf Instagram. Dem Bild war noch der Schriftzug "JDN CHM" beigefügt, eine Abkürzung für "Juden Chemie". Der antifaschistische Journalist Sören Kuhlhuber veröffentlichte beides bei Twitter.

Lok Leipzig verurteilt die Aktion. In einer Pressemitteilung schreibt der Verein, man habe Anzeige erstattet. "Bevor tatsächlich irgendjemand auf die völlig absurde Idee kommen sollte, der 1. FC Lok habe mit so einer Widerwärtigkeit etwas zu tun, möchten wir hier noch einmal klarstellen: Der 1. FC Lokomotive Leipzig distanziert sich in aller Schärfe von allen Formen von Antisemitismus und Faschismus", schreibt der Verein. "Wer das nicht akzeptieren möchte, hat in unserem Verein nichts zu suchen. Punkt."

Verbindung nach Italien

Die deutschen Sticker nehmen offensichtlich direkt Bezug auf ähnliche Aufkleber mit einem Bild von Anne Frank, die von faschistischen Fans des italienischen Klubs Lazio Rom im Umfeld des Stadions von Stadtrivalen AS Rom verbreitet wurden. Lazio reagierte darauf mit dem Versprechen, mit 200 seiner Fans das Konzentrationslager Auschwitz zu besuchen. Präsident Claudio Lotito legte als symbolische Entschuldigung einen Kranz in der römischen Synagoge nieder. Der Klub ließ außerdem vor Beginn des letzten Heimspiels Auszüge aus dem Tagebuch von Anne Frank im Stadion verlesen. Die Spieler trugen T-Shirts, auf denen Antisemitismus verurteilt wird.

Italien Fußball Lazio Rom - Protest gegen Antisemitismus (picture-alliance/dpa/Ansa/AP Photos/G. Benvenuti)

Gegen Antisemitismus: Die Mannschaft von Lazio Rom lief in T-Shirts mit dem Foto von Anne Frank auf

Die Polizei in Deutschland ermittelt derweil in einem weiteren Fall von Antisemitismus. Vor dem Fußballmuseum in Dortmund wurden die Figuren mehrerer jüdischer Fußballspieler beschädigt. Das Museum zeigt aktuell eine Ausstellung über jüdische Sportstars, die von den Nazis verfolgt wurden.

Museumsleiter Manuel Neukirchner sagte der "Bild"-Zeitung, er sei "schockiert", doch dies werde nichts daran ändern, dass sich das Museum weiter mit diesem Kapitel in der deutschen Geschichte beschäftigen werde.

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