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Asien

Antimuslimische Hetze in Indiens Wahlkampf

Ausgerechnet ein Enkel der ehemaligen Premierministerin Indira Gandhi hat im indischen Wahlkampf für Aufruhr gesorgt. Er soll bei einer Wahlkampfveranstaltung sein Publikum gegen Muslime aufgestachelt haben.

Varun Gandhi (ap)

Varun Gandhi von der national-hinduistischen Bharatiya Janata Party (BJP)

Anschläge in Benares Indien Demonstrationen

Eine hinduistische Anti-Muslim-Demonstration in Varanasi

Varun Gandhi ist erst 29 Jahre alt und kandidiert als Abgeordneter für die oppositionelle Bharatiya Janata Party (BJP). Doch jetzt steht ihm gewaltiger Ärger ins Haus. Er soll Mitte März im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh eine Hetzrede gegen Muslime gehalten haben. Die indische Wahlkommission rügte ihn für seine Äußerungen und rief die BJP auf, Gandhi von der Kandidatenliste für die Wahl am 16. April zurückzuziehen. Der Nachwuchspolitiker war bei seiner Rede gefilmt worden. Innerhalb kürzester Zeit fand das Video seinen Weg in Indiens Fernsehkanäle: Mit heftig rudernden Armen stachelt Gandhi darin seine Zuhörer auf und bezeichnet die Muslime des Landes unter dem Jubel seines Publikums als "beschnittene Kerle", denen man "die Kehlen durchschneiden" müsse und deren "Köpfe bald rollen" würden.

Ein Politiker als Wiederholungstäter?

Indische Muslime beten in Kalkutta (dpa)

Indische Muslime beim Freitagsgebet

Varun Gandhi selbst bestreitet, die Rede gehalten zu haben und sieht sich selbst als "Opfer einer Verschwörung". Das Video sei manipuliert worden, beteuert er, Stimme und Text der Rede seien verändert worden. Er respektiere alle Religionen, versicherte Gandhi, was jedoch im Gegensatz zu einigen anderen seiner Äußerungen steht. So hatte er bereits einige Zeit vorher im Nachrichtensender NDTV gesagt, Muslime hätten "gruselige Namen", und es sei angsteinflößend, ihnen nachts zu begegnen. Einen muslimischen Politiker verglich er unlängst mit Osama Bin Laden. Und auch, dass Hindus sich aufgrund der wachsenden Anzahl von Muslimen im Landimmer mehr in einem Belagerungszustand befänden, erzählt der Enkel von Indira Gandhi schon mal gern. Geschätzt leben rund 150 bis 170 Millionen Muslime in Indien, das sind rund 13 Prozent der Gesamtbevölkerung.

BJP äußert Manipulationsverdacht

Indira Gandhi

Berühmte Großmutter eines unrühmlichen Enkels: Indira Gandhi

Gandhis Partei distanzierte sich offiziell von diesen Äußerungen, hält aber dennoch weiter zu ihrem Kandidaten. Die hinduistisch-nationalistische BJP versucht, sich in diesem Wahlkampf moderater zu geben und ihr antimuslimisches Image abzuschütteln. Sollte das Video echt sein, dürfte Varun Gandhi seiner Partei einen Bärendienst erwiesen haben. Deshalb versucht die BJP nun, der regierenden Kongresspartei nachzuweisen, dass diese die DVD gefälscht habe. Mit Spannung wartet Indien jetzt auf das Urteil der staatlich beauftragten Experten, die das Video untersuchen. Varun Gandhi steht derweil weiteres Ungemach ins Haus. Ihm droht nicht nur das politische Aus. Jetzt hat auch die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen ihn aufgenommen - wegen Volksverhetzung.

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