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Fokus Osteuropa

Antidiskriminierungsgesetz für Homosexuelle in Serbien gefordert

In Serbien sind Homo-, Bi- und Transsexuelle in einer schwierigen Lage. Interessengruppen existieren, ihre Rechte werden indes ignoriert. Daher setzt sich eine Lesbierinnengruppe für eine Medienkampagne ein.

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Die Regenbogenfahne: Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung

Eine Antwort auf die Lage der homosexuellen Population in Serbien heute erhält man bereits, wenn man sich die Memos von Nicht-Regierungsorganisationen ansieht, die sich für die Rechte und den Schutz der Homosexuellen einsetzt: all diese Organisationen lassen ihre Postanschrift aus – lediglich Telefonnummern sind zu finden, häufig auch nur Handynummern.

Angst weit verbreitet

Lepa Mladjenovic, Vorsitzende von Labris, einer Gruppe, die sich für die Menschenrechte von Lesbierinnen einsetzt, bestätigt, dass es im heutigen Serbien nicht einfach ist, homosexuell zu sein. "Kurz gesagt: es ist ziemlich gefährlich lesbisch oder schwul zu sein. Einerseits ist es gefährlich und andererseits leben insbesondere junge Homosexuelle voller Angst". Dies sei das alles überwiegende Gefühl, weil alle Formen der in der serbischen Gesellschaft vorkommenden Gewalt sich auch auf die Homosexuellen auswirkten und diese sich dann unsicher fühlten. "Es muss sich also nicht um direkte Gewalt handeln, es reicht, wenn man hört, dass einer zusammengeschlagen wurde, damit sich die bestehende Angst verstärkt", so Mladjenovic. Auf einer Pressekonferenz im Belgrader Medienzentrum rief sie daher am 1. Juli zu einer Medienkampagne "Recht auf ein Leben ohne Gewalt" auf.

Gewalttätige Übergriffe

Untersuchungen von Labris über die Gewalt gegen Homosexuelle untermauern zusätzlich die schwache Position dieser Bevölkerungsgruppe. Dafür wurden insgesamt 71 Personen befragt – 17 in Novi Sad, 25 in Nis und 29 in Belgrad. Über 70 Prozent der Befragten habe gewalttätige Übergriffe nur aufgrund ihrer sexuellen Orientierung erfahren. Ein Viertel der Befragten sei von Passanten angegriffen worden. In fast allen Gewaltfällen blieb die Unerstützung von der Familie oder Freunden aus. Sehr interessant ist ferner, dass kein einziger Homosexueller Vertrauen hatte und die verübten Gewalttaten zur Anzeige brachte.

Die Ursachen für ein solches gesellschaftliches Klima, erklärt Lepa Mladjenovic, liege darin, dass keine einzige einflussreiche Person aus dem politischen Leben sich öffentlich für die Belange der schwulen und lesbischen Bevölkerung einsetze. "Wir befinden uns daher in einem ständigen Angstzustand, in Angst davor, wenn man auf die Straße geht, Gewalt zu erfahren. Ich glaube wir befinden uns nun in der schwierigsten Phase, weil die Existenz von Lesben und Schwulen nun bekannt ist, allerdings bestehen noch keine Schutzmechanismen dafür".

Antidiskriminierungsgesetzte gefordert

Laut Umfragen werden die Homosexuellen in den Medien unter der Rubrik Unterhaltung, Interessantes und ähnlichem behandelt. Das heißt also, dass sie nicht als ein wichtiges gesellschaftliches Thema betrachtet werden. Weder vergangenes noch dieses Jahr ist ein Artikel veröffentlicht worden, der homosexuelle Gruppen positiv behandelt. Rund zehn Prozent der Texte ist offen negativ gegenüber diesen Gruppen eingestellt. Sasa Gajin, Jurist des Instituts für vergleichendes Recht, zufolge ist es dringend erforderlich, Antidiskriminierungsgesetze zu erlassen, weil Diskriminierung in Serbien eine systematische und endemische Erscheinung ist. Es existiere keine Gesellschaftsgruppe, die immun gegen Diskriminierung sei.

Aktivisten der homosexuellen Organisationen zeigten als Beispiel das spanische Parlament auf, das kürzlich gleichgeschlechtliche Ehen einführte. Dies sei ein Indikator dafür, dass sich der Graben zwischen Serbien und den westlichen Demokratien immer weiter vertiefe.

Ivica Petrovic, Belgrad
DW-RADIO/Serbisch, 1.7.2005, Fokus Ost-Südost