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Politik

"Antiamerikanische Karte?"

In Russland wird die Bestätigung der rot-grünen Regierungskoalition von den meisten begrüßt. Als wichtig wird dort vor allem die Kontinuität der Beziehungen empfunden. DW-Korrespondent Darius Cierpialkowski berichtet.

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Präsident Putin hat seinem Duzfreund Schröder bereits am Montag Vormittag gratuliert. Der frühe Anruf aus Moskau wird den alten und neuen Bundeskanzler wohl gefreut haben. Dass er nur mit einer denkbar knappen Mehrheit weiterregieren kann, wurde in Russland zwar registriert, doch für die zukünftigen deutsch-russischen Beziehungen ist es kaum von Belang. Denn Deutschland pflegt mit Moskau einen intensiven politischen Dialog, ist Russlands Handelspartner Nr.1 und der Hauptabnehmer von russischem Gas und Öl. Nicht zuletzt deshalb ist auch die Wirtschaft in Russland mit dem Wahlsieg Schröders zufrieden. Sie fürchtete, dass es bei einem Regierungswechsel in Berlin zu unnötigen Verzögerungen käme, in den ansonsten sich dynamisch entwickelnden deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen.

Nun, nachdem die Verhältnisse im Bundestag wieder klar sind, hofft Russland vor allem auf mehr Unterstützung aus Deutschland im Streit mit der Europäischen Union um die Exklave Kaliningrad. Für die bilateralen Beziehungen sei es wichtig, dass Berlin die russischen Bürger in dieser Frage unterstützt, so der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses in der Duma, Dimitrij Rogosin. Schließlich hätte sich auch die Sowjetunion seinerzeit, 1971 für die Transitstrecke zwischen Berlin und der Bundesrepublik quer durch die ehemalige DDR stark gemacht.

Auch wegen der Irak-Krise wird Russland nun mit Spannung nach Berlin schauen. Das klare nein von Bundeskanzler Schröder zum Einmarsch im Irak haben die russische Regierung und die Medien zwar vernommen, doch wirklich geglaubt haben sie es Gerhard Schröder nicht. Die Moskauer Tageszeitung "Kommersant" sprach von der "antiamerikanischen Karte" und verglich die deutsche Wahl mit einem Referendum für oder gegen die US-Politik. Für die deutsch-russischen Beziehungen hat dies aber keine Auswirkungen. Sie, so die einhellige Meinung, sind so gut wie schon lange nicht mehr.