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Politik

Anti-Malaria-Dekade wenig erfolgreich

In 108 Ländern weltweit besteht Malaria-Gefahr. Nach Angaben der WHO wären jährlich fünf Milliarden Dollar nötig, um die Krankheit auszurotten. In zehn Jahren aber hat die WHO nur 2,7 Milliarden Dollar bekommen.

Kind hinter Moskitonetz (Foto: DPA)

Moskitonetze können helfen

Vor zehn Jahren verpflichteten sich die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen, die Zahl der Malaria-Kranken und Malaria-Toten bis Ende 2010 zu halbieren. Dazu sollten mehr als 80 Prozent der Menschen in Malaria-Gebieten Moskitonetze bekommen und im Notfall Medikamente. Die sogenannte "Dekade zur Eliminierung der Malaria" geht dieses Jahr zu Ende. Das traurige Ergebnis: Die meisten Länder werden das Ziel verfehlen.

Erschwinglicher Schutz im Kampf gegen die Malaria

Den wirksamsten Schutz gegen die Übertragung von Malaria bieten noch immer Moskitonetze. Die sollten in Malaria-Gebieten verteilt werden, die Menschen sollten darunter schlafen. So wollte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Malaria weltweit eindämmen. Denn die Netze sind nicht teuer, aber sehr wirksam.

Es gibt sogar mit Insektiziden beschichtete Moskitonetze, die durchschnittlich fünf Jahre halten, erklärt Awa Marie Coll-Seck vom Anti-Malaria-Programm der WHO. "Durch die Netze können 25 Prozent der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren und mehr als 50 Prozent der schweren Fälle von Malaria verhindert werden", sagt die Expertin. In Äthiopien wurden damit bereits gute Ergebnisse erzielt: Über zwei Jahre wurden dort 20 Millionen Netze verteilt. So gingen die Malaria-Erkrankungen um mehr als 50 Prozent zurück.

Bis 2008 haben die Weltgesundheitsorganisation und ihre Mitglieder circa 140 Millionen Moskitonetze allein nach Afrika geliefert. Das war Teil des Aktionsprogramms im Rahmen der Anti-Malaria-Dekade. In Äquatorialguinea oder auf der Insel Sansibar haben mehr als die Hälfte der Haushalte Moskitonetze. Entsprechend sank die Zahl der Malaria-Kranken dort.

Gemischte Bilanz der Anti-Malaria-Dekade

Malaria-Erreger unter dem Mikroskop (Foto: DW-TV)

Malaria-Erreger unter dem Mikroskop

In 108 Ländern weltweit besteht Malaria-Gefahr. Am schlimmsten betroffen ist Afrika, und nur neun Länder in Afrika haben die Zahl der an Malaria Erkrankten und der Malaria-Toten senken können. Dass der Kampf gegen Malaria auf diesem Kontinent besonders schwierig ist, hat verschiedene Gründe. Einer davon ist fehlendes Wissen über die Krankheit und über die korrekte Nutzung von Moskitonetzen, erzählt Coll-Seck. Einige hätten sie zum Beispiel für den Fischfang benutzt. "Deshalb müssen wir nicht nur die Netze verteilen, sondern müssen auch Strategien auf kommunaler Ebene entwickeln, die eine Verhaltensänderung bewirken und eine Kommunikation mit den Menschen vor Ort ermöglichen“, sagt die WHO-Expertin.

Auch bei der Versorgung von Patienten mit Malaria-Medikamenten ist die Bilanz ziemlich gemischt. Zwar werden heute mehr Patienten mit Malaria-Medikamenten versorgt als noch 2006. Der Großteil der Bevölkerung kann aber nach wie vor kaum oder nur unter schwierigen Bedingungen entsprechende Arzneien bekommen. In 11 von 13 untersuchten Ländern in Afrika erhielten weniger als 15 Prozent der erkrankten Kinder unter fünf Jahren Malaria-Medikamente. Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation sind 80 Prozent.

Keine Ergebnisse ohne funktionierende Gesundheitssysteme

Zurzeit behandeln die Menschen Malaria mit ACTs, neue Medikamente auf Artemisinin basierten Kombinationstherapien. Der Stoff Artemisinin wird aus einer Pflanze aus China gewonnen. "Um behandelt werden zu können, benötigen die Leute ein gutes Gesundheitssystem. Es ist wichtig sicher zu stellen, dass die Menschen Zugang zu ärztlicher Behandlung haben", betont Coll-Seck.

Doch vor allem in Afrika fehlen funktionierende Gesundheitssysteme. Viele Länder haben nicht genügend Geld für Krankenhäuser, Ärzte oder eben Medikamente. Im Süd-Sudan zum Beispiel kommt ein Arzt auf 100.000 Einwohner und im Ost-Kongo gibt es kaum Straßen, so dass Malaria-Medikamente nur unter großen Schwierigkeiten zu den Kliniken transportiert werden können.

Auf der Suche nach einer neuen Strategie

Manche regierungsunabhängigen Organisationen fordern daher eine neue Strategie: Die Menschen vor Ort sollen miteinbezogen werden. Die deutsche Hilfsorganisation Medeor etwa bringt Dorfbewohnern in Togo bei, was sie gegen Malaria tun können. Zum Beispiel, Sümpfe trocken zu legen oder Kunststoffbehälter wegzuräumen. Denn das sind beliebte Brutstätten für die Mücken, die Malaria übertragen.

Dabei ist den Medeor-Partnern aufgefallen, dass punktuelle Aktivitäten nicht reichen, weil die Nachhaltigkeit nicht gewährleistet ist oder das Monitoring, die längerfristige Beobachtung also, sagt Susanne Schmitz von Medeor: "Und deswegen haben eben unsere Partner hier im Land die Entscheidung getroffen, dass man die Dorfgemeinschaften und die Dorfbewohner dazu bringen muss, sich aktiv in den Kampf gegen die Malaria einzubringen."

Doch trotz allem Engagement - Geld bleibt ein Problem. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wären jährlich fünf Milliarden Dollar nötig, um die Malaria auszurotten. Bisher hat WHO in zehn Jahren aber insgesamt nur 2,7 Milliarden bekommen. Das liegt auch daran, dass sich viele Länder nicht an ihre Zusagen halten - vor allem die reichen Industrieländer, denn dort ist Malaria kein Problem.

Autorin: Asumpta Lattus
Redaktion: Kay-Alexander Scholz