1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Asien

Anti-Atom-Proteste in Taiwan

Zehntausende Menschen haben einen Ausstieg des Landes aus der Atomenergie gefordert. Die Poteste fanden wenige Tage vor dem dritten Jahrestag des Atomunfalls im japanischen Fukushima statt.

Auch der strömende Regen konnte die Demonstranten nicht aufhalten. Mit Plakaten, auf denen Slogans wie "Kein Atom, nie mehr Fukushima" und " Kein Atom, Rettet Taiwan" stand, zogen sie in der Hauptstadt Taipeh vor den Sitz des Präsidenten. In Sprechchören forderten die Menschen außerdem den Bau eines neuen Atomkraftwerks zu stoppen, Atommüll von einer vorgelagerten Insel zu entfernen und langfristig ganz aus der Atomkraft auszusteigen.

Laut Schätzung der Organisatoren kamen in Taipeh rund 50.000 Menschen zusammen, an drei anderen Demonstrationen auf der Insel nahmen insgesamt mehr als 30.000 Menschen teil.

Akw-Neubau in Erdbebenregion

Taiwan, das regelmäßig von Erdbeben erschüttert wird, hat bisher drei Atomkraftwerke, die zusammen rund 20 Prozent des Stroms liefern. Das vierte Atomkraftwerk sollte eigentlich bereits 2004 fertiggestellt sein, doch seine Fertigstellung wurde durch politische Differenzen verzögert. Auch die Kosten des umstrittenen Baus schossen in die Höhe.

Nach Regierungsangaben soll das neue Atomkraftwerk in zwei Jahren in Betrieb gehen. Verschiedene Umfragen zeigen, dass allerdings etwa 70 Prozent der Bevölkerung gegen eine Inbetriebnahme sind. Dabei dürfte auch der Standort eine Rolle spielen - der umstrittene Bau steht in einer Region, in der es viele Unterwasservulkane gibt.

Demonstrant vor einem Anti-Atomkraft-Zeichen (Foto: rtr)

Nein zur Atomkraft: Demonstranten in Taipeh fordern einen Ausstieg aus der Kernenergie

Ruine in Fukushima strahlt weiter

Die Proteste in Taiwan erfolgten wenige Tage vor dem dritten Jahrestag des Unglücks von Fukushima: Am 11. März 2011 war es in dem Atomkraftwerk an der japanischen Ostküste infolge eines heftigen Erdbebens und anschließenden Tsunamis zu einem Ausfall der Kühlsysteme gekommen. Daraufhin gab es in mehreren Reaktoren eine Kernschmelze. Die Anlage wurde weitgehend zerstört, große Mengen Radioaktivität wurden freigesetzt. Bis zu 150.000 Menschen mussten ihre Heimat dauerhaft verlassen.

Die Aufräumarbeiten in Fukushima dauern bis heute an, die Lage in der Atomruine gilt nach wie vor als nicht unter Kontrolle - noch immer besteht die Gefahr, dass sich die geschmolzenen Kernbrennstäbe durch die Sicherheitsbehälter fressen. Die Strahlendosen, die Umweltorganisationen messen, übertreffen die offiziell verkündeten um das Vielfache. An diesem Samstag will Japans Atomenergie-Gesellschaft ihren Abschlussbericht zum Unglück von Fukushima veröffentlichen.

cw/kle (dpa, afp)