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Wissen & Umwelt

Antarktiseis lässt Meere schneller ansteigen

Kalt, weiß und ewig eisig? Auch die Antarktis ist vom Klimawandel betroffen. Noch in diesem Jahrhundert könnte laut einer neuen Studie schmelzendes Eis von dort den Meeresspiegel um 37 Zentimeter ansteigen lassen.

Die Antarktis trägt derzeit weniger als zehn Prozent zum globalen Meeresspiegelanstieg bei. Den Rest besorgen die thermische Ausdehnung der sich erwärmenden Ozeane, schmelzende Gletscher sowie der Grönländische Eisschild. Laut einer neuen internationalen Studie unter Federführung des

Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung

(PIK) könnte sich das in den kommenden Jahrzehnten dramatisch ändern.

"Wenn die Treibhausgas-Emissionen weiter ansteigen wie bisher, könnte der Eisverlust in der Antarktis bereits in diesem Jahrhundert den globalen Meeresspiegel um weitere ein bis 37 Zentimeter erhöhen," sagt Leitautor Anders Levermann.

Bericht des Weltklimarats überholt

Levermann, Klimaprofessor beim PIK, war selbst Leitautor des Kapitels zum Meeresspiegelanstieg im Bericht des Weltklimarats (IPCC). Im Interview mit der DW im Frühsommer hatte er noch die Meinung geäußert, die IPCC-Vorhersagen zum Meeresspiegelansteig könnten für das 21. Jahrhundert noch zutreffen. Zwar hätten neue Forschungsergebnisse gezeigt, dass ein unumkehrbarer Schmelzprozess in der Westantarktis begonnen habe. Die Antarktis werde aber "nicht über Nacht" schmelzen, so dass die Prognosen voraussichtlich erst im nächsten Jahrhundert spürbar würden.

Klimaforscher Anders Levermann

Levermann: Mehr CO2, weniger Eis

Die neue Studie, die eine ganze Reihe aktueller Klimamodelle und Beobachtungsdaten mit verschiedenen Eis-Modellen kombiniert, zeigt aber nach Meinung von Levermann und seinen Kollegen, dass die Antarktis den Meeresspiegelanstieg wesentlich schneller ansteigen lassen könnte. Damit würde die IPCC-Vorhersagen schon übertroffen. Selbst ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen, die die globale Temperaturerhöhung auf zwei Grad Celsius begrenzen würden, wäre voraussichtlich mit einem Anstieg von bis zu 23 Zentimeter verbunden.

Wärmere Meere beschleunigen Eisschmelze

Im Gegensatz zur Arktis und zu den Berggletschern, die hauptsächlich von oben wegschmelzen, begünstigt in der Antarktis die Erwärmung der Ozeane ein Abschmelzen von unten. So schützen die eisigen Luft- und Oberflächentemperaturen die Antarktis nicht vor einem Eisverlust.

Das Eis an der Küste sei ständig in Kontakt mit dem sich erwärmenden Wasser, erklärte Levermann der DW. Selbst die kleinste Erwärmung könne das Schelfeis zum schmelzen bringen. Das Schmelzwasser fließt ins Meer, wo Eisberge abbrechen und dann den Meeresspiegel ansteigen lassen.

Studien in diesem Jahr haben gezeigt, dass das westantarktische Eis bereits unwiederkehrbar schmilzt. Damit habe eine neue Ära des "irreversiblen Klimawandels" begonnen, sagte Levermann der DW. Es sei aber möglich, durch die Reduzierung des CO2-Austoßes die Geschwindigkeit des Prozesses und so des Meeresspiegelanstiegs zu beeinflussen und andere Regionen, wie die Ostantarktis, zu schützen.

Warnung für Küstenregionen

Pam Pearson ist Leiterin der 'International Cryosphere Climate Initiative', einem Zusammenschluss von Experten, die über die Auswirkungen des Klimawandels auf eis- und schneebedeckte Teile der Erde besorgt sind.

Überflutungen Kiribati

Steigende Meere gefährden tiefer gelegene Länder wie Kiribati

"Wir wissen, dass ein gewisser Anstieg des Meeresspiegels durch abfließendes Eis unvermeidbar ist. Wenn wir aber unseren Treibhausgasausstoß bis 2030 mindern, können wir die Geschwindigkeit reduzieren, um Gemeinden und Städten die Chance zu geben, sich anzupassen oder umzuziehen", sagte sie im Gespräch mit der DW.

Im Vorfeld der wichtigen internationalen Klimagipfel in den kommenden Monaten appelliert die Organisation an Politiker und Entscheidungsträger, "aggressive Maßnahmen gegen den Klimawandel" umzusetzen. Unbeliebte Entscheidungen, wie die Abkehr von fossilen Brennstoffen, seien möglicherweise politisch riskant. Die Bedrohung durch steigende Meere rechtfertige aber solche Entscheidungen, sagt Pearson.

Laut der PIK-Studie könnte sich der Meeresspiegel in diesem Jahrhundert zwischen einem und 37 Zentimeter erhöhen. "Eine große Spanne", gibt Leitautor Levermann zu bedenken.

"Das ist auch der Grund, warum wir es ein Risiko nennen: Die Wissenschaft muss deutlich über solche Unsicherheiten sprechen, damit Entscheidungsträger in den Küstengebieten und Metropolen wie Shanghai oder New York die möglichen Auswirkungen in ihre Planungsprozesse einbeziehen können", so der Experte weiter. Auch Robert Bindschadler vom NASA Goddard Space Flight Center, Ko-Autor der Studie, sieht sie als wichtige Hilfe für diejenigen, die sich auf die zukünftigen Auswirkungen der Eisveränderungen auf den Meeresspiegel vorbereiten müssen. Es gehe um Milliarden Dollar, Euro und Yuan, sagt er. Der Anstieg des Meeresspiegels sei eine sich verstärkende, fortlaufende Folge des Klimawandels, die sich auf mehrere hundert Millionen Küstenbewohner weltweit auswirken und indirekt finanzielle Kosten für weitere Milliarden von Menschen bedeuten könnte.

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