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Wirtschaft

Ansturm auf Apples neues iPad

Dem Computerhersteller Apple ist es wieder gelungen, den Verkaufsstart eines neuen Produkts als weltweites Ereignis zu zelebrieren. In den USA konnten Computerfans nun die ersten iPads ergattern.

iPad (Foto: AP)

Verkaufsschlager: iPad

Der mit Spannung erwartete Verkaufsstart von Apples neuem Tablet-Computer iPad hat in den Vereinigten Staaten einen riesigen Kundenandrang ausgelöst. Vor der Filiale des Konzerns in der New Yorker Fifth Avenue brach unter den Wartenden Jubel aus, als sich die Türen des Geschäfts am Samstag (03.04.2010) öffneten. Viele eingeschworene Apple-Fans standen sich bereits seit einem Tag die Beine in den Bauch, um zu den ersten Besitzern eines iPads zu gehören. "Ich weiß momentan zwar noch nicht wofür ich das iPad eigentlich gebrauchen kann, aber ich will es unbedingt haben", sagte Bob Roe, ein junger Technikbegeisteter.

Vorbestellungen im sechsstelligen Bereich

Dass das iPad ein Erfolg wird, steht für die Apple-Fangemeinde fest, und auch Analysten sehen Potential in dem Multimedia-Spielzeug, das aussieht wie ein zu groß geratenes iPhone. Glaubt man Internet-Blogs und Technikexperten, gab es rund 200.000 Vorbestellungen. Auch der Leiter der Fakultät für Technologie-Management an der New Yorker Universität, Bharart Rao, ist vom Erfolg des Multimedia-Gerätes überzeugt: "Analysten schätzen, dass sich das iPad im ersten Jahr bis zu drei Millionen mal verkaufen wird."

Seit Firmenchef Steve Jobs den rund 700 Gramm leichten Computer im etwas verkleinerten Schreibblockformat Ende Januar vorgestellt hat, ist jedenfalls in ungeheurer Hype um das iPad entstanden. Eine Spezialität von Apple, hat man so in der Vergangenheit schon Produkte wie das iPhone oder auch die klassichen Mac-Computer zu Verkaufsschlagern gemacht.

Kundenansturm in San Francisco (Foto: AP)

Geschafft! Auch in San Francisco stürmten Apple-Fans die Läden

Apples Aktienkurs hat der Hype um das iPad bereits gut getan, er stieg im Januar um zehn Prozent. Und Gene Munster, Analyst bei Piper Jaffray, prognostiziert dem Unternehmen Einnahmen von rund 4,6 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2011 alleine mit dem iPad. Das entspricht etwa einem Anteil von 7,5 Prozent am gesamten Konzernumsatz. Für die Konkurrenten sieht es düster aus, sagt Bharat Rao: "Sollten sie abwarten, was Apple vormacht, dann kommen sie zu spät." Andere Tablethersteller müssten schon mit etwas "ganz Außergewöhnlichem" kommen, um sich überhaupt Marktanteile sichern zu können.

Ein Hybrid aus Smartphone und Netbook

Doch was kann das iPad überhaupt und ist es wirklich so revolutionär wie Apple seine Kunden glauben lassen will? "Man darf nicht vergessen, dass der Tablet-Computer in der gesamten Industrie so etwas ist wie der heilige Gral", sagt Rao. "Seit den Siebzigern wird daran gearbeitet." Sogar Apple hat es bereits Ende der 90er-Jahre versucht, ohne wirklichen Erfolg. Das Besondere am iPad ist nun, dass es komplett über einen berührungsempfindlichen Bildschirm bedient wird, auch mit zwei Händen gleichzeitig.

Eine Hand hält ein iPhone (Foto: AP)

Ein bisschen iPhone ist auch im iPad

Allerdings gibt es das auch schon für das Mobiltelefon von Apple, dem iPhone, oder für das tragbare Musikabspielgerät iPod. So ist das neue iPad eher ein vergrößertes iPhone mit Bürosoftware und Browser, eine Art Hybrid aus Smartphone und Netbook. Auch Bharat Rao ist unsicher, was man mit dem Gerät alles anfangen kann. "Es ist zu klobig, um es als Telefon zu nutzen und es hat keine eingebaute Kamera, die bereits in jedem Smartphone Standard ist". Damit wird es schwierig, das iPad etwa als Internettelefondienst zu verwenden.

Die Medienbranche in Hab-Acht-Stellung

Apple hat mit dem iPad dennoch Großes vor. Es soll unseren Umgang mit E-mails, Videos, Audiodateien, Musik, Fotos und nicht zuletzt elektronischen Büchern, Zeitschriften und Zeitungen neu erfinden. Apple will die Medienbranche umkrempeln wie zuletzt den digitalen Musikmarkt mit seinem Programm iTunes. Wie ernst dieses Vorhaben ist, zeigt das Interesse am iPad. Im Hintergrund hat Apple bereits Verträge mit großen Verlagen abgeschlossen, die exklusive Anwendungen für das iPad entwickeln. Alle wollen mit dabei sein, wenn es darum geht, Printprodukte digital verbreiten zu können. Niemand will sich das entgehen lassen, sehen viele doch die Zukunft ihrer Zeitungen und Zeitschriften online.

Passanten gehen an einer iPod-Werbung vorbei (Foto: DPA)

Apple hat schon einmal einen Markt revolutioniert - den Musikmarkt

So arbeiten unter anderem die New York Times, die Magazine Newsweek und Sports illustrated und Nachrichtenagenturen an iPad-Applikationen, mit denen sich auch verdienen lässt. Das Wall Street Journal, die meistverkaufte Zeitung in den USA, will ihr digitales Exemplar zu einem Abopreis von 17,99 Dollar monatlich anbieten.

Angriff auf Amazon

Auch für die Hersteller von Lesegeräten für E-books könnte das iPad gefährlich werden - wie etwa dem Kindle des Online-Versandhandels Amazon. Mit seinem neuen iBookstore greift Apple dieses Segment von Amazon nun direkt an. Jeffrey Fidacaro, Analyst bei der SIG Group, geht davon aus, dass Apple Amazon schrittweise Marktanteile abspenstig machen wird.

Nicht nur das Geschäft mit E-Books und digitalen Zeitungen ist lurativ. Spätestens seit dem iPhone lässt sich auch mit Anwendungen, so genannten Apps Geld verdienen: Kleine Programme mit nützlichen Eigenschaften. Seit Monaten entwickelt auch Wade Slitkin solch eine Software für das iPad. Mit seiner Firma Panelfly hat Slitkin gerade ein neues Büro in SoHo bezogen, im Zentrum des Silicon Alley, dem Mekka für kreative, kleine Software- und Internetunternehmen in Manhattan. Doch seine Apps für das iPad konnte Slitkin noch nicht testen. Apple hat nur eine handvoll Geräte bereitgestellt für ausgewählte Entwickler und unter strenger Geheimhaltung.

Apple Hauptsitz in Cubertino, Kalifornien (Foto: AP)

Eines kann Apple auf alle Fälle: Geheimnisse hüten

Bald veränderte Lesegewohnheiten?

Apple hat das Ökosystem, das es um seine Geräte aufgebaut gut im Griff. Der Erfolg gibt dem Unternehmen Recht, auch wenn viele diese Strategie, Benutzer wie Entwickler förmlich an sich zu ketten, seit Jahren kritisieren. "Ich könnte mich darüber beschweren", sagt Slitkin, "doch wäre ich an Steve Jobs Stelle, würde ich es wohl genauso machen." Slitkin hat bereits eine Anwendung für das iPhone entwickelt, mit dem sich Comics großer Verlage wie dem US-Riesen Marvel entspannt lesen lassen. "Das iPad ist das erste ernstzunehmende technische Gerät mit dem Potential unsere Lesegewohnheiten komplett zu verändern", sagt der Web-Entwickler. Deswegen sei es wichtig, so bald wie möglich mit den Anwendungen auf dem Markt zu sein.

Autor: Sven Stockrahm
Redaktion: Jutta Wasserrab / Christian Walz

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