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Kultur

Anspruch und Wirklichkeit – Expo 2008 in Saragossa beginnt

Schon zur Eröffnung gibt es Kritik an der diesjährigen Weltausstellung. Das Leitthema lautet "Wasser und nachhaltige Entwicklung" – die Realität im Gastgeberland Spanien wird ignoriert.

Expo-Gebäude (Quelle: AP)

Futurisch, aber nicht realistisch - so sehen Kritiker die Expo 2008 in Saragossa

"Wasser und nachhaltige Entwicklung" ist das Thema der diesjährigen Expo 2008. Am Freitag (13.6.) öffnet sie in Saragossa ihre Pforten. Ein passendes Thema vor allem für die Gastgeber: In kaum einem anderen europäischen Land sind die Probleme der Wasserknappheit so präsent wie in Spanien. Immer längere Trockenperioden wechseln sich mit heftigen Regenfällen ab. Ähnlich widersprüchlich ist der Wasserkonsum. In Hotels appelieren Aufkleber an Waschbecken zum Wassersparen. Draußen werden ganze Golfplätze bewässert.

Bau in einem Überschwemmungsgebiet

Wenige Wochen vor der Eröffnung der Weltausstellung regnete es in der nordspanischen Region Aragón so heftig, dass der Ebro-Strom über seine Ufer getreten ist. Ein kleiner Teil des Geländes in Saragossa ist überflutet. Greenpeace-Sprecher Julio Barea wundert das nicht. Nach seinen Angaben ist die Bebauung von Überschwemmungsgebiete nur sehr begrenzt erlaubt. "Dennoch wurde die Expo in die Auen des Ebro hineingebaut. Da macht man eine Expo zum Thema Wasser und nachhaltige Entwicklung und zerstört einen Teil dieser natürlichen Flusslandschaft", sagt Barea.

Hochwasser (Quelle: dpa)

Unter Wasser: Teil des Ausstellungsgeländes

Das ist nur einer dieser Widersprüche der Expo. Ein anderer ist der spanische Pavillion. In Ausstellungsraum und Multimedia-Show stehen andalusischen Flüsse in den Vordergrund. Auch Naturparks Guadalquivir und Doñana werden ausführlich präsentiert. Dann spritzt im Rhythmus zu dramatischer Paso-Doble-Musik Wasser in die Höhe, Filmaufnahmen zeigen die wunderbare Landschaften Andalusiens.

Wasserverschwendung ist kein Thema

Aber zur Realität im trockenen Süden Spaniens gehören auch: Wasserverschwendung und Pestizideinsätze in der Landwirtschaft und auf den Golfplätzen. Jose Bernal ist für den spanischen Pavillion verantwortlich. Doch solche Fragen sind ihm unangenehm. "Zur Landwirtschaft sage ich nichts. Das kann ich nicht. Ich weiß schon, die Gewächshäuser und so, Pestizideinsätze, Herbizide. Aber es gibt ja auch den biologischen Anbau. Ich kann versichern, dass alles sehr streng kontrolliert wird", so Bernal.

Ein wenig ernsthafter geht man im spanischen Pavillon mit der Frage der nachhaltigen Entwicklung um. In einem Trickfilm entstehen immer mehr Straßen voller Autos, wachsen Hochhäuser in den Himmel, wird Wasser immer knapper. Schließlich erstickt das Leben. Die Führerin durch den Pavillon erklärt daraufhin, dass Spanien besonders beispielhaft mit Wasser umgehe. Ein herber Kontrast zur Realität: Tatsächlich ist der Wasserverbrauch in Spanien deutlich höher als im Rest Europas.

"Alle Länder wollen sich gut präsentieren"

Die Auseinandersetzung mit der nachhaltigen Entwicklung hat in Saragossa ihre Grenzen, gibt auch der Marketing-Chef der Expo, Javier Arruga, zu. "Alle Länder versuchen, sich gut zu präsentieren und dabei dennoch das Leitmotiv nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Bei einigen wird mehr Eigenwerbung betrieben, bei anderen geht es mehr ums Wasser. Aber wir haben ja auch fünf Themenplätze, die sich ausschließlich mit dem Wasser beschäftigen", so Arruga.

Auch einige Umweltschutzorganisationen nehmen an der Expo teil. Viele andere haben die Einladung zurückgewiesen. Man wolle kein ökologisches Feigenblatt sein, meint etwa Greenpeace-Sprecher Julio Barea.

Expo-Pavillion von Innen

Auch Deutschland wirbt für sich: In diesem Pavillion

Als Beispiel zwischen Anspruch und Wirklichkeit erzählt der Greenpeace-Sprecher ein Beispiel. Nur wenige Kilometer von Saragossa entfernt wollten die Behörden in einer der trockensten Gegenden Spaniens die Bewässerungslandwirtschaft ausweiten. Zudem solle eine Art Las Vegas mit Hotels, Kasinos, Golfplätzen und zwei enormen Spaßbädern gebaut werden. "Das passt einfach nicht zusammen. Wie kann man hier von nachhaltiger Entwicklung sprechen und dann solche Projekte betreiben", fragt Barea.

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