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Politik

Anspannung während Montaseris Beisetzung

Zehntausende Anhänger des verstorbenen iranischen Geistlichen Hussein Ali Montaseri waren in die heilige Stadt Ghom gekommen. Während Oppositionsführer zur Trauer aufriefen, reagierte das iranische Regime mit Festnahmen.

Der verstorbene Großayatollah Hossein Ali Montaseri (Foto: AP)

Der verstorbene Großayatollah Hossein Ali Montaseri

Sein Tod könnte für den Iran neue Spannungen bedeuten: Zur Trauerfeier für den prominentesten regierungskritischen Geistlichen im Iran, Großajatollah Hussein Ali Montaseri, am Montag (21.12.2009) sind mehrere zehntausend Anhänger angereist. Während des Trauerzuges waren regierungskritische Slogans zu hören. Damit könnte die Beerdigung in Ghom für den in der Nacht zum Sonntag im Alter von 87 Jahren verstorbenen Geistlichen zu einer Demonstration der Stärke der Opposition werden.

Trauernde Menschen neben Leichnam des verstorbenen Großayatollahs Hossein Ali Montaseri (Foto: AP)

Große Anteilnahme: Der Leichnam des verstorbenen Geistlichen wird am Montag in Ghom beigesetzt

Das iranische Regime hatte die Anzahl der Sicherheitskräfte in der heiligen Stadt rund 130 Kilometer südlich von Teheran verstärkt, wie eine oppositionelle Webseite berichtete. Offenbar wurden einige Anhänger von Hossein Ali Montaseri bereits auf dem Weg zur Beerdigung des Regimekritikers festgenommen. Nach Angaben der Opposition haben iranische Sicherheitskräfte einen Bus mit Trauergästen in der Hauptstadt Teheran angehalten und vier Personen festgenommen. Dabei soll es sich um Familienmitglieder von bereits inhaftierten Reformpolitikern und Menschenrechtlern handeln. Ausländischen Journalisten wurde die Reise zur Trauerfeier nach Ghom verboten. Die Internetverbindungen im Land waren seit Sonntagabend schwer gestört.

Geistliche Leitfigur der Reformbewegung

Stand fünf Jahre unter Hausarrest: Regimeskritiker Montaseri (Foto: Irani)

Montaseri stand fünf Jahre unter Hausarrest

Montaseri galt als die geistliche Leitfigur der Reformbewegung und Inspiration der Opposition - insbesondere nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Juni und den darauffolgenden Protesten im ganzen Land. Montaseri warnte damals die Behörden vor einer gewaltsamem Unterdrückung der Demonstrationen. In der Vergangenheit hatte er selbst den iranischen Staat immer wieder öffentlich kritisiert. Den regierenden Mullahs warf er vor, im Namen des Islam eine Diktatur errichtet zu haben und forderte tief greifende demokratische Reformen.

Der iranische Journalist und Schriftsteller Baqer Moin sagte dem arabischen Fernsehsender Al Jazeera, dass das Land den "bedeutendsten Reformer" verloren habe. "Er war sehr populär im Volk, da er sich nicht fürchtete, seine Meinung zu sagen und die politischen Führer zu kritisieren."

Verhindertes geistliches Staatsoberhaupt

1979 zählte Montaseri zu den Anführern der Islamischen Revolution, die den mit dem Westen verbündeten Schah stürzte. Er war ein Unterstützer des Revolutionsführers Ajatollah Khomeini und war als dessen Nachfolger vorgesehen, ehe er sich jedoch von Khomeini distanzierte und in Ungnade fiel. Montaseri stand in der Folge fünf Jahre unter Hausarrest. Daraufhin folgte der theologisch rangniedere Ayatollah Ali Chamenei 1989 ins Amt des geistlichen Staatsoberhaupts.

Autor: Joscha Weber (mit rtrd, apd)

Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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