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Sport

Anschwitzen im Campo Bahia

Akklimatisieren im Schnelldurchgang: Bundestrainer Joachim Löw bittet die Nationalelf bereits kurz nach der Ankunft zur ersten Trainingseinheit. Der Hingucker: Ein Torwart, der tatsächlich wieder Bälle fängt.

Dicke Schweißperlen glänzen auf der Stirn von Erik Durm. Kevin Großkreutz schnauft hörbar. Mario Götze bewegt sich wie in Zeitlupe. Willkommen im Campo Bahia. Willkommen in der schwülen Nachmittagsluft von Santo André. Das erste Training der deutschen Nationalmannschaft in Brasilien am Sonntagnachmittag (Ortszeit) ist zu Beginn eher ein Akklimatisierungstraining als eine echte Übungseinheit. Nach einem kurzen Stretchingprogramm betreten die DFB-Spieler zum ersten Mal den jungfräulichen Rasen des Trainingsplatzes unweit der gerade noch rechtzeitig fertiggestellten Luxus-Hotelanlage. Kaum einer rennt, die meisten traben, manche gehen. Dabei wird der Ball locker hin- und hergepasst - ohne Hektik, ohne Tempo. Nur zu verständlich.

FIFA-WM 2014 Klose

Miroslav Klose beim ersten Training der deutschen Fußball-Nationalelf in Brasilien

Schwül-warme 28 Grad mit einer Luftfeuchtigkeit von rund 80 Prozent empfangen Deutschlands Auswahlspieler zur ersten Trainingseinheit - und das nach 15 Stunden Reise. Nur wenige Stunden nach der Ankunft im kleinen Dorf Santo André mitten im Bundesstaat Bahia ließ Bundestrainer Joachim Löw seine Spieler auflaufen: Den Kreislauf ankurbeln, sich an die Temperaturen gewöhnen, den Rhythmus finden. Es ist die finale Etappe auf dem bislang holprigen Weg zur Mission WM-Titel. Groß waren die Verletzungsprobleme in den letzten Wochen, groß ist aber jetzt auch die Zuversicht. "Wir werden nicht lamentieren, wir werden die Bedingungen annehmen, wie sie sind", betont Teammanager Oliver Bierhoff. "Ich bin überzeugt: Mit dieser Einstellung können wir bei der WM sehr viel erreichen."

Vom Energiespargang in den Hochgeschwindigkeitsmodus

Und diese Einstellung sieht man wenig später auf dem Rasen: Der Trainerstab ruft zum ersten Übungsspiel. Die rund 100 Journalisten am Rande des Trainingsgelände staunen nicht schlecht: Plötzlich rennen die Spieler, legen zwei bis drei Gänge zu. Der Ball rollt, das Passspiel funktioniert, Bastian Schweinsteiger fordert lautstark das Spielgerät und Lukas Podolski will mehr Anspielstationen. Schon in der ersten Trainingseinheit blitzt genau das auf, was Löw will: Haushalten mit den Kräften angesichts schwül-warmer Temperaturen, doch dann auf Kommando Tempo und Einsatz. Joachim Löw nickt zustimmend, während um ihn herum weiße Leibchen huschen.

Und noch etwas Erfreuliches sieht der Bundestrainer: Stammtorhüter Manuel Neuer fängt wieder Bälle. An und für sich nichts wirklich Ungewöhnliches für einen Torhüter, doch für Neuer ist diese Tatsache tatsächlich etwas Besonderes. Zum ersten Mal seit seiner Schulterverletzung im DFB-Pokalfinale vor drei Wochen absolviert Deutschlands Nummer 1 wieder torwartspezifisches Training. Es waren gewiss keine allzu anspruchsvollen Bälle, die Torwarttrainer Andreas Köpke Neuer da zuwirft, aber immerhin: Ein Anfang ist gemacht.

Zwei harte Gegner warten: Ronaldo und das schwüle Hitze

Noch eine Woche bleibt Neuer und seinen Vorderleuten, um sich fit zu machen für Auftaktgegner Portugal. Kein Geringerer als Superstar Christiano Ronaldo fordert die Deutschen heraus und könnte eventuelle Unzulänglichkeiten bei den Rekonvaleszenten Neuer und Lahm schonungslos aufdecken. Eine Woche bleibt der DFB-Elf, um sich auf einen weiteren, aber unsichtbaren Gegner vorzubereiten: die schwüle Hitze von Bahia.