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Kultur

Anschnallen reicht nicht

Bei dem Stichwort Verkehrssicherheit denken viele als Erstes an den Sicherheitsgurt. Dabei gibt es mittlerweile ausgefeilte High-Tech-Lösungen, die Europas Straßen nach Willen der EU unfallfreier machen sollen.

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Die EU setzt auf mehr High-Tech, damit die Zahl der Unfälle sinkt

Ist Ihr Auto in der Lage, Kontakt mit der Straße aufzunehmen und Ihnen zu sagen, dass an der nächsten Ecke eine vereiste Fläche auf Sie wartet? Kann es vorausahnen, dass Ihnen ein Unfall kurz bevor steht und zu Ihrem Besten noch rechtzeitig auf die Bremse treten? Ist Ihr Wagen bei einem Zusammenstoß mit dem Bürgersteig in der Lage, einen äußeren Airbag auszufahren, der den Zusammenstoß abfedert? Und was ist bei einem schwereren Unfall? Könnte Ihr Auto dann selbst den Notdienst alarmieren und die wichtigsten Informationen übermitteln?

Schneechaos in Spanien

Auch schwierige Verkehrsverhältnisse sollen die Sicherheitskonzepte berücksichtigen

Nicht alle diese Sicherheitsmechanismen sind schon im Einsatz, aber die EU hofft, dass sie es bald sein werden – und viele andere auch. In steigendem Maße entwickeln Autohersteller und Sicherheitsexperten derzeit Technologien, speziell Sensoren und elektronische Halbleiter, die sich in herkömmliche Fahrzeuge einbauen lassen. Sie sollen Unfälle nach Möglichkeit verhindern oder die Schäden im Falle eines Crashs zumindest begrenzen.

Aufwärtstrend für "E-Cars"

Der technische Fortschritt deckt sich gut mit den politischen Plänen aus Brüssel. So ist man in Europa eifrig dabei, das Thema Fahrzeugsicherheit populär zu machen, zumal man die gesamte Auto- und High-Tech-Industrie ankurbeln will. Viviane Reding, EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, sieht in der Informations- und Kommunikationstechnologie sogar den wichtigsten Rettungsanker für die europäische Automobilindustrie.

Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt warb sie schon einmal für das Projekt "Intelligentes Auto" als Teil einer Kampagne, die mehr High-Tech-Jobs in Europa schaffen soll. Dabei wiederholte die EU-Kommissarin ihre Bitte, dass sich künftig noch mehr Länder ihrer Initiative zur Förderung des automatischen Autonotrufs E-Call anschließen. "Nach einem Unfall lässt sich über E-Call sofort ein Notruf tätigen, entweder indem die Wageninsassen selber aktiv werden, oder indem sich das System über Sensoren automatisch mit der nächstgelegenen Notrufzentrale in Verbindung setzt", erklärt Reding die Technik.

Viviane Reding

EU-Kommissarin Viviane Reding

Bereits im Jahr 2003 hatte sich die EU-Kommission das Ziel gesetzt, die Zahl der Verkehrstoten bis zum Jahr 2010 zu halbieren. Allein auf Deutschlands Straßen lassen pro Jahr mehr als 7700 Autofahrer ihr Leben. Hinzu kommen rund 520.000 Verletzte. Der E-Call-Aktionsplan soll diesen Zuständen langfristig Abhilfe schaffen. Er sieht vor, alle Fahrzeuge in den nächsten vier Jahren mit einer automatischen Notruftechnik auszustatten. Reding verspricht sich davon, dass die Zahl der Autounfälle um fünf bis zehn Prozent sinkt. "Zugleich lassen sich über E-Call jährlich mehr als 2500 Leben retten und die Zahl der Schwerverletzten könnte nach Verkehrsunfällen durch die schnelle Notfallhilfe deutlich verringert werden", sagte die EU-Kommissarin.

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Trotz dieser Vorzüge des Systems haben sich bislang nur zwei Länder – Finnland und Schweden – vertraglich bereit erklärt das Konzept zu realisieren. Die Verzögerung andernorts ist bedingt durch den Aufwand, den es erfordert, das Projekt erst einmal bekannt zu machen. Dennoch erwartet Viviane Reding, dass eine große Zahl von EU-Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland, den Gesamtplan bei einem E-Call-Treffen im Oktober 2005 in Brüssel noch unterzeichnen wird.

E-Call ist aber nur ein Rädchen im Getriebe des "Intelligenten Autos". Bei der Automobil-Ausstellung in Frankfurt verwies Reding auch auf die Neuentwicklung eines Antikollisionsradars als Beispiel für ein erfolgreiches Projekt, das aus EU-Geldern gespeist wird.

"Damit trägt unsere Forschungsunterstützung gute Früchte",sagte die EU-Kommissarin. "Möglicherweise könnte ein Auto sogar bald in der Lage sein, seine Umgebung zu erfassen und bei Gefahr einen schützenden 'Kokon' zu aktivieren, mit dem sich das Risiko eines Unfalls verringern lässt."

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Von EU-Zuwendungen für Innovationen im Bereich Verkehrssicherheit profitiert auch das interdisziplinäre Projekt "PReVENT". Auf internationaler Ebene sind Fahrzeugbauer daran ebenso beteiligt wie verschiedene Behörden. Ihr gemeinsames Ziel ist es, Sicherheitsanforderungen und entsprechende Technologien als Antwort darauf weiter zu entwickeln und publik zu machen.

Ein untergeordnetes Projekt von "PReVENT" trägt den Namen "Willwarn" und bezeichnet ein schnurloses lokales Warnsystem, das derzeit von DaimlerChrysler entwickelt wird. Es soll Autofahrer auf Gefahren entlang ihrer Fahrtroute hinweisen. Mehr als 90 Prozent aller Autounfälle ließen sich durch diese frühzeitige Warnung künftig verhindern, so ein Sprecher von DaimlerChrysler.

Aber nicht jeder kann sich einen Mercedes, einen Audi oder ein anderes hoch entwickeltes Auto leisten, das den Einbau einer solch extravaganten High-Tech-Ausstattung zulässt. Das weiß auch Viviane Reding.

In Frankfurt drückte sie ihre Hoffnung aus, dass das Konzept "Intelligentes Auto" möglichst bald die verantwortlichen Behörden überzeugen wird, bürokratische Hürden aus dem Weg zu räumen, so dass der Innovationsprozess vorangetrieben wird. Nur so könne Europa seine Spitzenstellung als führender Markt für sichere und qualitativ hochwertige Pkws behaupten.

"Die neuesten Technologien nur in Luxusmodelle zu verpflanzen ist nicht mein Ziel", erklärte Reding. Sie sei darauf aus, eine Massenwirkung zu erreichen.

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