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Politik

Anschlagsserie in Pakistan

Bei mehreren Selbstmordanschlägen in Pakistan starben am Wochenende mindestens 70 Menschen. Im Grenzgebiet zu Afghanistan kündigten islamischen Extremisten die Waffenruhe mit der Regierung auf.

Zerstörter Bus in Swat, Nordwest-Pakistan (AP)

Zerstörter Bus in Swat, Nordwest-Pakistan

Regierungstruppen hätten die Islamisten angegriffen und nicht wie gefordert die Soldaten von den Kontrollpunkten abgezogen, ließ der oberste Rat in der Provinz Nord-Waziristan verlauten. Außerdem hätten die Behörden den Opfern der gewaltsamen Auseinandersetzung keine Entschädigung gezahlt. Deshalb sei die Waffenruhe mit der Regierung aufgekündigt worden.

Das Dokument des Rates wurde auf einem Markt in der Stadt Miran Shah verteilt. Ein Sprecher der Islamisten bestätigte die Echtheit. In dem Papier wurden örtliche Milizen und Stammesälteste vor einer Zusammenarbeit mit der Regierung gewarnt.

Blutige Rache

Im Gefolge der Vertreibung militanter Islamisten aus der Roten Moschee in Islamabad sind bei Selbstmordanschlägen auf Sicherheitskräfte in Nordwest-Pakistan am Wochenende mindestens 70 Menschen getötet worden. Nach der blutigen Einnahme der Roten Moschee mit einer angeschlossenen Koranschule durch die Sicherheitskräfte am vergangenen Mittwoch hatten die Extremisten blutige Rache geschworen.

Bei einem Anschlag auf einen pakistanischen Militärkonvoi in der nordwestlichen Grenzprovinz des Landes rissen am Sonntag zwei Selbstmordattentäter 20 Menschen mit in den Tod, darunter 14 Soldaten. Nach Darstellung der pakistanischen Polizei und der Armee waren zwei mit Sprengstoff beladene Wagen an einer Bushaltestelle in eine Militärkolonne gefahren. Gleichzeitig hätten die Attentäter eine Landmine gezündet. Dabei seien zwei Militärfahrzeuge und ein Bus zerstört worden. Viele der 39 Verletzten wurden in kritischem Zustand mit Hubschraubern in Krankenhäuser transportiert.

In einem anderen Teil der Nordwest-Provinz sprengte sich kurz darauf ein anderer Selbstmordattentäter in die Luft. Neben dem Angreifer starben bei dem Anschlag auf ein Anwerbungsbüro der Polizei in der Stadt Dera Ismail Khan nach offiziellen Angaben 14 Menschen, darunter 5 Polizisten. Dutzende seien verletzt worden.

Militärkonvoi im Visier

Am Vortag waren bei einem ähnlichen Selbstmordanschlag auf einen pakistanischen Militärkonvoi in der nordwestlichen Grenzregion Waziristan 24 Soldaten getötet und 29 verletzt worden. Auch dort hatten die Täter einen mit Sprengstoff beladenen Wagen in eine Fahrzeugkolonne des Militärs gefahren. Zwei Fahrzeuge des Konvois wurden durch die Explosion total zerstört.

Mit den Truppentransporten sollten die Sicherheitskräfte in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan verstärkt werden. Diese gelten als Rückzugsgebiet militanter pakistanischer Islamisten und auch der afghanischen Taliban. In den vergangenen Tagen hatte es in der schwer zugänglichen Region wiederholt Angriffe und Anschläge gegeben.

Kinder und Frauen unter Opfern in Roter Moschee

Entgegen der bisherigen Darstellung sind bei der Erstürmung der Roten Moschee mindestens 15 Frauen und Kinder getötet worden. Bis zu 60 der bei der Militäraktion Getöteten seien militante Islamisten gewesen, der Rest Frauen und Kinder, berichtete die Zeitung "Dawn" am Samstag unter Berufung auf Innenstaatssekretär Kamal Shah. Die Gesamtzahl der Toten beträgt nach Regierungsangaben 102. Darunter seien elf Soldaten. Augenzeugen hatten nach der Aktion von mehreren hundert Toten berichtet. Kritiker hatten der Regierung vorgeworfen, sie verschleiere die wahre Zahl der Opfer, um keine Empörung in der Öffentlichkeit auszulösen. (stl)

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