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Aktuell Nahost

Anschlagsserie erschüttert Bagdad

Auch nach den Parlamentswahlen gibt es keine Anzeichen für eine Entspannung der Lage im Irak. Bei einer Serie von Autobombenanschlägen in Bagdad wurden dutzende Menschen getötet.

Innerhalb von wenigen Stunden detonierten in Bagdad zehn Autobomben. Mindestens 28 Menschen wurden nach offiziellen Angaben getötet. Selbstmordattentäter sprengten sich in mehreren hauptsächlich von Schiiten bewohnten Vierteln in die Luft, wie Sicherheitskräfte und Ärzte mitteilten. Bei den Explosionen mitten im Berufsverkehr seien zudem mindestens 80 Menschen verletzt worden. Die Anschläge ereigneten sich an einem Tag, an dem die irakischen Schiiten den Geburtstag des Imam Ali feiern. Der Schwiegersohn des Propheten Mohammed ist der wichtigste Märtyrer im schiitischen Islam. Es war die erste größere Anschlagsserie seit der Parlamentswahl Ende April.

Tote auch außerhalb Bagdads

In der Nähe der sunnitischen Enklave Al-Riad unweit der nördlichen Stadt Kirkuk riss zudem ein Selbstmordattentäter vor einem Militärstützpunkt einen Offizier mit in den Tod. Drei weitere Terroristen starben bei einem anschließenden Gefecht. Männer in Uniformen der irakischen Armee töteten in der Kleinstadt Al-Jussifija südlich von Bagdad drei Brüder, die für eine lokale Bürgerwehr arbeiteten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Sumeria News erschossen sie auch den Vater der drei Kämpfer. Zunächst bekannte sich keine Gruppe zur der Tat. In der Vergangenheit steckten oft militante Sunniten hinter ähnlichen Attentaten in der Hauptstadt.

Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten

Seit Jahresbeginn wurden bei Anschlägen und Kämpfen im Irak bereits mehr als 3200 Menschen getötet. Die Gewalt wird genährt von Spannungen zwischen der sunnitischen Minderheit und der schiitischen Mehrheit, die auch die Regierung stellt. Viele Sunniten werfen ihr vor, sie in Politik und Wirtschaft auszugrenzen. Auch die Parlamentswahl am 30. April war von Anschlägen überschattet, dennoch lag die Wahlbeteiligung bei rund 60 Prozent. Die Ergebnisse werden Mitte Mai erwartet. Beobachter in Bagdad erwarten, dass mehrere schiitische Parteien eine Koalition bilden werden, möglicherweise ohne den amtierenden Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Westliche Regierungen geben auch Al-Maliki die Schuld an der jüngsten Eskalation der Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten.

cr / pg (dpa, ap, afp)