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Wirtschaft

Anschlag sollte Kurs der BVB-Aktie drücken

Eineinhalb Wochen nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen, der offenbar den Kurs der BVB-Aktie drücken und vom Wertverlust profitieren wollte.

Ein am Freitag Morgen von Einsatzkräften der GSG 9 in der Nähe von Tübingen festgenommener 28-jähriger Mann soll für den Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verantwortlich sein. Nach Informationen der Bundesanwaltschaft hatte der Tatverdächtige mit deutscher und russischer Staatsangehörigkeit das Ziel, durch das Attentat den Kurs der Aktie des börsennotierten Bundesligisten zum Absturz zu bringen. Mit dem Kauf von Put-Optionen hatte er vor dem Anschlag auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktien gewettet. Wäre die Aktie nach dem Anschlag stark gefallen, dann wäre der Gewinn wohl ein Vielfaches des Einsatzes gewesen. Der Tatverdächtige habe die Papiere über einen am Anfang April 2017 aufgenommenen Verbraucherkredit finanziert.

Allerdings war er mit dem Kauf der 15.000 Verkaufs-Optionen im Wert von 78.000 Euro aufgefallen, die er über einen Internet-Anschluss des BVB-Mannschaftshotels abgewickelt hatte, wie Medien berichten. Die von ihm beauftragte Bank vermutete allerdings zunächst ein Geldwäsche-Geschäft hinter dem Options-Kauf.

Spielzeug für Spekulanten

Mit einer solchen Put-Option erwirbt ein Anleger das Recht, Aktien eines Unternehmens zu einem garantierten Preis innerhalb eines gewissen Zeitraums zu verkaufen. Verkaufs-Optionen gewinnen an Wert, wenn ein Aktienkurs fällt. Ursprünglich waren solche Optionsgeschäfte als Absicherung gegen Kursverluste von Aktien gedacht, die man tatsächlich besitzt. Außerdem gibt es Kauf- oder Call-Optionen, deren Wert steigt, wenn der betreffende Aktienkurs zulegt.

Bereits vor Hunderten von Jahren sicherten sich Kaufleute, die im Fernhandel tätig waren, mit solchen Geschäften gegen einen Verlust ihrer Ware ab. So versuchten sie sich vor dem finanziellen Ruin zu schützen, falls ihre Handelskarawanen überfallen wurden oder ihre Handelsschiffe untergingen. Die hochspekulativen Papiere zogen aber auch immer Spekulanten an, die mit einem relativ begrenzten Kapitaleinsatz in kurzer Zeit viel Geld verdienen wollen.

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes hätte der Festgenommene mit seinem Optionsgeschäft theoretisch mehrere Millionen Euro Gewinn machen können. Nach Recherchen von Boerse.ard.de sei der mögliche Gewinn allerdings lediglich im sechsstelligen Bereich gewesen. Das ARD-Börsenportal geht außerdem von einer viel niedrigeren Kaufsumme der Optionsscheine aus.

BVB-Aktie legt zu

An der Börse machte sich die Erleichterung über die Ermittlungsergebnisse und die Verhaftung des mutmaßlichen Drahtziehers des BVB-Anschlags bemerkbar: die Titel des Fußball-Bundesligisten legten im Segment für kleinere Unternehmen, dem SDax, bis zum Nachmittag um mehr als drei Prozent zu. Am ersten Handelstag nach dem Anschlag war das Papier zunächst etwas abgerutscht, schloss letztlich aber 1,7 Prozent im Plus. Viel wichtiger für den Kursverlauf waren die sportlichen Leistungen: Am Vortag war die Aktie nach dem endgültigen Aus im Viertelfinale der Champions League um rund 3,5 Prozent gefallen. Der BVB war im Jahr 2000 als erster deutscher Sportverein an die Börse gegangen. 

tko/hb  (rtr, afp)

 

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