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Asien

Anschlag in Kabul

Bei einem Attentat in Kabul sind am Samstag (07.06.2003) vier deutsche Soldaten getötet worden. Es war der bislang schwerste Terror-Anschlag auf Bundeswehr-Angehörige im Ausland.

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ISAF-Sanitäter am Ort des Anschlags

Der Anschlag ereignete sich, als zwei mit Bundeswehrsoldaten besetzte Busse auf dem Weg zum Flugplatz waren, von wo die Soldaten nach Deutschland zurückfliegen sollten. Gegen 7.50 Uhr Ortszeit (5.50 MESZ) habe der Konvoi das deutsche Hauptquartier verlassen, sagte Verteidigungsminister Struck in Berlin. Auf einer Hauptstraße in Kabul sei dann wenig später einer der beiden Busse total zerstört worden als ein mit Sprengstoff präpariertes Taxi neben dem Bus explodierte.

29 Soldaten seien bei dem Selbstmordattentat verletzt worden, einige von ihnen sehr schwer, sagte Struck. Angehörige der US-Streitkräfte hätten bei der Bergung und Versorgung der Opfer geholfen. Die Verletzten sollten nach der Erstversorgung noch am Samstag nach Deutschland geflogen werden, sofern ihr Zustand dies zulasse. Nach Augenzeugenberichten wurden auch mindestens zwei afghanische Passanten verletzt.

"Feige und hinterhältig"

Der Bombenanschlag wurde im In- und Ausland mit Betroffenheit und Erschütterung aufgenommen. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte: "Mit großer Bestürzung habe ich die Nachricht vom schrecklichen Ereignis in Kabul erhalten." Der Anschlag sei feige und hinterhältig." Struck sagte, US-Präsident George W. Bush habe Kanzler Schröder in ihrem ersten Telefonat seit Monaten persönlich das Beileid des amerikanischen Volkes ausgesprochen.

Die Bundeswehrsoldaten gehören zur Internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF. Sie hilft unter einem UN-Mandat der afghanischen Regierung bei der Herstellung und Wahrung der inneren Sicherheit und der Menschenrechte. Seit 10. Februar führen Deutschland und die Niederlande gemeinsam die ISAF. Die Bundeswehr beteiligt sich mit knapp 2400 Soldaten an der Mission.

"Afghanistan ist ein Pulverfass"

Erst am Donnerstag (5.6.) hatte der Bundestag erste Weichen für eine Ausweitung des Einsatzes gestellt. Nach dem Willen der Parteien sollen mehrere Dutzend Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan ab Spätsommer möglicherweise erstmals auch außerhalb der Hauptstadt Kabul eingesetzt werden. Die Fraktionsvorsitzenden stimmten der Entsendung eines "Erkundungsteams" zu.

Die Bundeswehr werde sich trotz des Anschlags nicht aus Afghanistan zurückziehen und wie geplant eine Ausweitung ihrer Aufgaben prüfen, sagte Struck. Dagegen brachte der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, einen Abzug der ISAF-Friedenstruppe in die Diskussion gebracht. "Afghanistan ist ein Pulverfass. Die Kämpfer von Taliban und El Kaida sammeln sich und werden stärker. Die Wahrscheinlichkeit von Anschlägen wächst", sagte Gertz in einem Zeitungsinterview. "Sollte sich die Sicherheitslage dramatisch verschärfen, sollten wir die ISAF-Friedenstruppe entweder erheblich verstärken - oder aus Afghanistan abziehen."

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