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Afrika

Anschlag der Al-Shabaab-Miliz schockt Kenia

Nach dem blutigen Terroranschlag der Al-Shabaab-Miliz steht Kenia unter Schock. Präsident Kenyatta verspricht mehr Härte; doch die Behörden sind schwach, die Grenzen porös und der Gegner ist schwer zu fassen.

Der Innenminister muss seinen Stuhl räumen und der Polizeichef ebenfalls. Präsident Uhuru Kenyatta feuerte die beiden am Dienstag - nur Stunden nach einem erneuten Massaker

der Al-Shabaab-Miliz im Norden Kenias

. 36 Zivilisten waren dort in der Nacht getötet worden. "Kenyatta musste jetzt reagieren", sagt Kisiangani Emmanuel vom Institut für Sicherheitsstudien in Nairobi. Der Druck auf den Präsidenten war gestiegen, nachdem auch auf den Straßen der Hauptstadt Protest gegen die Unfähigkeit von Polizei und Militär laut geworden war. Der Anschlag in der Nacht auf Dienstag war der 25. Angriff der Al-Shabaab auf kenianischem Boden in diesem Jahr,

fast 200 kenianische Zivilisten haben die radikalen Islamisten seit Januar getötet

.

"Wir haben ein grundlegendes Problem in unseren Sicherheitsbehörden", sagt Kisiangani Emmanuel der DW. "Wenn Sie sich deren Personal anschauen, die Gehälter, die Ausrüstung, das ist alles schäbig." Kenia habe deshalb die Grenze zu Somalia einfach nicht unter Kontrolle. "Die Jungs von Al-Shabaab können einfach so zu uns hereinspazieren."

Gewehrschüsse nach dem Gebet

Am Dienstagmorgen hatten die ersten Bilder des Angriffs in Mandera, in der Nähe der kenianisch-somalischen Grenze, die Menschen in Kenia schockiert. Sie zeigen Leichen, die in zwei Reihen auf dem steinigen Boden liegen, nur spärlich mit Tüchern bedeckt. 36 Arbeiter im Steinbruch von Koromey waren in der Nacht direkt neben den roten Zelten ermordet worden, in denen sie kurz vorher noch geschlafen hatten. Die Angreifer der Al-Shabaab hatten das Lager der Arbeiter in den frühen Morgenstunden überfallen

Ein Augenzeuge sagte der Agentur AP, dass 50 Männer in den Steinbruch eingedrungen seien. Andere Quellen sprechen von 20 Angreifern. Der Augenzeuge konnte sich in einem Graben verstecken, während seine Kollegen gezwungen worden seien, das islamische Glaubensbekenntnis aufzusagen. Danach seien Gewehrschüsse zu hören gewesen. Die Angreifer hätten, so heißt es, die Nicht-Muslime unter den Arbeitern per Kopfschuss von hinten getötet, zwei Arbeiter seien zudem enthauptet worden.

Al-Shabaab-Sprecher Sheikh Rage erklärte, seine Miliz sei für die Tat verantwortlich. Die Morde seien "eine Antwort auf die kenianische Okkupation muslimischen Landes und die dabei ausgeübten Verbrechen".

Rückzug aus Somalia?

Präsident Kenyatta bei einer Rede (Foto: AFP/Getty Images/S. Maina)

Präsident Kenyatta baut seinen Sicherheitsapparat um

Als Teil einer afrikanischen Friedensmission sind kenianische Truppen seit 2011 im Einsatz in Somalia. Einige Oppositionsparteien in Nairobi fordern bereits ihren Rückzug. Das ist für Präsident Kenyatta allerdings keine Option. Stattdessen warnte er Al-Shabaab in einer Fernsehansprache am Dienstag, sein Land werde "den Krieg gegen den Terror intensivieren". Sicherheitsexperte Kisiangani Emmanuel hält dies für den richtigen Weg. "Jetzt abzuziehen würde nichts an den Gründen ändern, wegen denen wir Soldaten nach Somalia entsandt haben." Anhaltender Terror der Al-Shabaab habe überhaupt erst zur Entsendung von Truppen geführt. Zudem gelte es, geplante Infrastrukturprojekte in der Grenzregion zu schützen.

Ethnische Spannungen innerhalb Kenias erschweren jedoch den Kampf gegen Al-Shabaab. Für die Miliz sei es recht einfach, in der Grenzregion im Norden des Landes Unterstützung zu finden, sagt Markus Höhne, Ethnologe an der Universität Leipzig. "Dort gibt es viele Leute die sagen: Ja, erteilt der Zentralregierung in Nairobi ruhig eine Lektion." Denn Nairobi habe die ethnischen Somalier im Norden Kenias jahrzehntelang vernachlässigt. Das gelte in ähnlicher Form für die Küstenregion, in der viele Muslime lebten, die einen eigenen Staat oder zumindest mehr Autonomie anstrebten. "Dort heizt Al-Shabaab den bestehenden Konflikt durch Anschläge weiter an."

Die Wandlung der Al-Shabab

Demonstranten in Nairobi (Foto: DW/A.Kiti)

Demonstranten in Nairobi fordern ein härteres Vorgehen gegen Al-Schabaab

Aus Somalia selbst vermelden die afrikanischen Friedenstruppen immer wieder militärische Erfolge im Kampf gegen Al-Shabaab. Trotzdem sei ein militärischer Sieg gegen die Miliz schier unmöglich, sagt Ethnologe Höhne. "Die Gruppe wandelt sich nämlich von der ehemaligen Machthaberin Somalias zu einer kleinen Terrorzelle, die ihre gewalttätigen Operationen ausweitet." Zugleich sei Al-Shabaab als Untergrundpartei aktiv, ihre islamistische Ideologie in Somalia weit verbreitet. "Dem ist mit Waffen schwer beizukommen", so Höhne.

Ein Prozess der Versöhnung im Süden Somalias sei der einzig mögliche Weg zum Frieden, meint Höhne. Ansonsten würde Al-Shabaab das gesamte Horn von Afrika weiter in Angst und Schrecken versetzen. "Dieser Friedensprozess sollte jedoch nicht von den Vereinten Nationen, der Europäischen Union, den USA oder der Afrikanischen Union gelenkt werden, sondern von den Somaliern selbst." Nur dann gäbe es die Chance, das Problem Al-Shabaab loszuwerden. Im Moment jedoch beherrscht weiter der Terror die Schlagzeilen. Ein Friedensprozess innerhalb Somalias scheint nicht in greifbarer Nähe.

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