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Fokus Osteuropa

Anschlag auf Wasserkraftwerk in Russland

Terroristen aus der Konfliktregion Nordkaukasus drohen seit langem mit Angriffen auf strategische russische Infrastrukturobjekte. In der Teilrepublik Kabardino-Balkarien wurde nun ein Wasserkraftwerk ins Visier genommen.

Turbinenraum in einem russischen Kraftwerk (Foto: RIA Novosti)

Kraftwerk wurde abgeschaltet

Nach Darstellung des russischen Anti-Terror-Komitees haben in der Nacht zum Mittwoch (21.07.2010) mehrere Mitglieder einer islamistischen Untergrundorganisation das Wasserkraftwerk in Baksan gestürmt. Die Täter hätten zwei Wachmänner erschossen und dann zwei der drei Generatoren im Maschinensaal gesprengt. Dabei sei das Kraftwerk teilweise beschädigt worden und ein Feuer sei ausgebrochen, teilte der regionale Behördenvertreter Gennadij Wichristjuk mit. Sicherheitskräften sei es aber gelungen, den Brand zu löschen und ausströmendes Wasser zu stoppen.

Teilrepublik galt als vergleichsweise ruhig

Landkarte der Kaukasusregion (Grafik: DW)

Konfliktregion Kaukasus

Das Kraftwerk gehört dem staatlichen Konzern Rushydro und befindet sich in der Region Kabardino-Balkarien, einer der muslimischen Provinzen im Süden Russlands. In der Konfliktregion kämpfen Islamisten um ein unabhängiges Kaukasus-Emirat. Sie haben immer wieder gedroht, auf zivile Objekte Anschläge zu verüben, um sich Gehör zu verschaffen. Anders als die Unruhe-Republiken Tschetschenien, Dagestan und Inguschetien galt die Lage in Kabardino-Balkarien bislang als vergleichsweise ruhig.

Das Gebiet mit seinen etwa 900.000 Einwohnern grenzt im Süden an Georgien. Zahlreiche Flüsse machen die Teilrepublik der Russischen Föderation geeignet für die Energiegewinnung durch Wasserkraftwerke. Das angegriffene Kraftwerk wurde in den 1930er-Jahren am Ufer des Flusses Baksan errichtet. Es versorgt vor allem die Kurorte in der bergigen Region sowie die Bahnstrecken.

Kreml verstärkt Sicherheitsvorkehrungen

Portrait von Dmitrij Medwedjew (Foto: AP Photo/RIA Novosti)

Medwedjew ergreift Sicherheitsmaßnahmen

Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew teilte mit, die Sicherheitsvorkehrungen an "strategischen Anlagen" seien nach dem Anschlag verstärkt worden. Medwedjew sieht in den Unruhen im Kaukasus nach eigenen Worten das derzeit größte innenpolitische Problem.

Die Gewalt ist aber schon lange nicht mehr auf den Nordkaukasus beschränkt. Der tschetschenische Rebellenführer Doku Umarow hatte unlängst angekündigt, russische Pipelines und Kraftwerke anzugreifen. So bekannte er sich zu der Explosion im größten russischen Wasserkraftwerk am Sajano-Schuschensker Stausee in Sibirien im August 2009, bei der 75 Menschen starben.

Portrait von Doku Umarow (Foto: dpa)

Doku Umarow droht mit Anschlägen

Behörden zufolge handelte es sich dabei aber um einen technischen Unfall und nicht um einen Anschlag. Auch zu den zwei Selbstmordanschlägen auf die U-Bahn in Moskau im März dieses Jahres mit 40 Toten hatte sich Umarow bekannt.

Der jüngste Anschlag auf das Wasserkraftwerk in Kabardino-Balkarien ereignete sich wenige Tage nachdem das russische Parlament für einen effektiveren Anti-Terror-Kampf die Vollmachten des Geheimdienstes FSB erweitert hatte.

Autor: Markian Ostaptschuk (dpa, rtr, afp, apn)
Redaktion: Nicole Scherschun

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