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Aktuell Welt

Anschlag auf Moschee in Nigeria offenbar ein Racheakt

Es ist einer der verheerendsten Anschläge im terrorgeplagten Nigeria. Wollten die Extremisten der Boko Haram einen ihrer prominenten Gegner ermorden?

"Ich habe in meinem Leben so etwas noch nicht gesehen. Überall sind Leichen und Leichenteile zu sehen, sowohl in der Moschee als auch auf dem ganzen Gelände", sagte ein Augenzeuge unmittelbar nach dem Terroranschlag auf die Große Moschee im Zentrum der Stadt Kano im Norden Nigerias zu einem Reporter der Deutschen Welle.

Hunderte Gläubige hatten sich zum islamischen Freitagsgebet in der Moschee versammelt, als die Terroristen angriffen. Nach Angaben der Polizei zündeten sie mindestens zwei Sprengsätze und feuerten mit Gewehren auf die Gläubigen. "Wir wollten das Gebet verrichten, dann plötzlich sahen wir einen Jungen in einem Auto, dann hörten wir eine Explosion", so ein weiterer Augenzeuge zur Deutschen Welle.

Keine offiziellen Opferzahlen

Am Tag danach wird das ganze Ausmaß des Anschlags erst langsam sichtbar. Offizielle Angaben zur Zahl der Toten und Verletzten gibt es bislang nicht. Der britische Sender BBC zitierte einen Mitarbeiter des Rettungsdienstes, der von nahezu 400 Opfern sprach. Die Zeitung "Vanguard" berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, es habe etwa 200 Tote gegeben. In anderen Meldungen ist von mindestens 120 Todesopfern die Rede.

Ein Polizeisprecher sagte, vier der etwa 15 Mitglieder des Terrorkommandos seien von der aufgebrachten Menschenmenge gelyncht worden, die anderen hätten im Chaos fliehen können. Zu dem Anschlag bekannte sich bislang niemand. Verdächtigt wird die Extremistengruppe Boko Haram.

Seit fünf Jahren Terror

Die sektenartige Organisation - ihr Name bedeutet "Westliche Bildung ist Sünde" - will im Norden Nigerias einen islamischen Gottesstaat errichten. Seit 2009 töteten die Islamisten bei Angriffen auf Armee, Behörden, Schulen und Kirchen mehr als zehntausend Menschen.

Der Emir von Kano, Sanusi II. (Foto: AFP/Getty Images)

Der Emir von Kano, Sanusi II.

Nach Berichten lokaler Medien galt der Anschlag vom Freitag dem Emir von Kano, Muhammad Lamido Sanusi II., der zweithöchsten muslimischen Autorität Nigerias und einem ausgewiesenen Gegner der Boko Haram. Sein Palast liegt in unmittelbarer Nähe der Großen Moschee. Der Emir soll sich derzeit jedoch außer Landes befinden. Sanusi II. hatte die Bürger erst vergangene Woche zum Widerstand gegen Boko Haram aufgerufen - und zwar in der nun angegriffenen Moschee. "Seit seiner Attacke auf die Boko Haram wussten wir, dass etwas passieren würde", sagte ein Mitarbeiter des Emirs, der anonym bleiben wollte, der Deutschen Presse-Agentur.

International Entsetzen und Empörung

Die internationale Gemeinschaft reagierte mit Entsetzen auf die Bluttat. Für Angriffe auf Zivilisten gebe es keine Rechtfertigung, erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mit. Er rief die nigerianischen Behörden auf, alles zu tun, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sprach von vollkommener Missachtung menschlichen Lebens. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, nannte die Attentate in dem westafrikanischen Land "abscheulich".

wl/sti (dpa, afp, rtr, DW-Haussa)