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Nahost

Anschlag auf jüdische Religionsschule in Jerusalem

Bei einem Attentat auf eine jüdische Religionsschule in Jerusalem sind mindestens acht Menschen getötet und bis zu 35 verletzt worden. Es ist der erste Anschlag in der israelischen Hauptstadt seit einem Jahr.

Rettungskräfte vor der Schule in Jerusalem

Nach Monaten scheinbarer Ruhe ist die Gewalt nach Jerusalem zurückgekehrt: Ein Attentäter ist am Donnerstagabend (6.3.2008) in eine jüdische Religionsschule eingedrungen und hat dort nach Angaben der israelischen Polizei und Rettungsdienste mindestens acht Menschen getötet. Israelische Medien berichteten von 35 Verletzten.

Der als orthodoxer Jude verkleidete Palästinenser war in die Religionsschule Merkas Harav in der Nähe des Jerusalemer Hauptbahnhofs eingedrungen. Der mit einer Kalaschnikow und einer Pistole bewaffnete Attentäter schoss laut Augenzeugenberichten rund zehn Minuten lang um sich. Ein Offizier der israelischen Armee hörte die Schüsse, eilte zu Hilfe und erschoss den Angreifer. Die Polizei sprach zunächst von zwei Attentätern , revidierte das jedoch später.

"Viele Menschen getötet"

Die Talmud-Schule Mercas Harav im Viertel Kirjat Mosche ist ein bekanntes Studienzentrum. Ihr werden enge Verbindungen zur Führung der jüdischen Siedler im Westjordanland nachgesagt. Der Jerusalemer Bürgermeister Uri Lupolianski sprach im Fernsehen von einem "sehr traurigen Abend" für die Stadt: "Viele Menschen wurden im Herzen Jerusalems getötet."

Jubel in Gaza

Nach Bekanntwerden der Bluttat strömten in Gaza tausende Palästinenser auf die Straße. Viele feuerten Freudenschüsse in die Luft. Die radikale Hamas-Organisation, die den Gazastreifen regiert, bekannte sich nicht direkt zu der Tat, erklärte aber: "Wir segnen diese Aktion. Es wird nicht die letzte gewesen sein." Israel hatte erst vor kurzem eine Militäraktion im Gazastreifen beendet, der mehr als 120 Palästinenser zum Opfer gefallen waren, etwa die Hälfte davon Zivilpersonen. Als Grund für die Offensive nannte Israel den andauernden Raketenbeschuss militanter Palästinenser aus dem Gazastreifen heraus auf israelisches Territorium.

Sicherheitskräfte an der Schule nach dem Attentat

Unmittelbar vor dem Attentat waren Vertreter der Hamas und der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Heiliger Krieg aus Ägypten von Waffenstillstandsgesprächen zurückgekommen. Bereits dort hatte sich die Hamas unversöhnlich gezeigt. Israel solle alle Militäroperationen im Gazastreifen und im Westjordanland einstellen, forderte Hamas-Sprecher Aiman Taha. Erst dann sei die Hamas zu einer Waffenruhe bereit.

Im Jahr 2007 gab es in Jerusalem keine Anschläge militanter Palästinenser. Die israelischen Sicherheitskräfte haben allerdings erklärt, viele Attentate vereitelt zu haben. Zwischen 2001 und 2004, dem Höhepunkt der israelisch-palästinensischen Kämpfe, war Jerusalem häufig der Schauplatz palästinensischer Anschläge, darunter zahlreiche Selbstmordattentate auf Busse.

Israel kündigt Reaktion an

Die israelische Regierung kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Hintermänner an. "Wir werden die Terroristen weiter bekämpfen", sagte Regierungssprecher Arie Mekel. "Die Terroristen versuchen, die Chancen auf Frieden zu töten."

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den "grausamen Angriff". Die anhaltende Gewalt gefährde den politischen Prozess zur Vereinbarung eines dauerhaften Friedensschlusses. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte den Anschlag. "Der heutige Anschlag in Jerusalem erfüllt mich mit Entsetzen", sagte Steinmeier in Berlin. "Ich verurteile diesen verbrecherischen Akt auf das Schärfste. Unser Mitgefühl gilt in dieser schweren Stunde den Familien und Angehörigen der Opfer." (sams)

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