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Sport

Anschlag auf einen Lauf-Klassiker

Der Boston-Marathon, Ziel des Bombenanschlags vom Montag, ist der älteste und traditionsreichste Stadt-Marathon der Welt. Zehntausende Läufer, Hunderttausende von Zuschauern - und das alles an einem Feiertag.

"Heute ist ein trauriger Tag für die Stadt Boston, für die Gemeinschaft der Läufer, für alle, die hier waren, um den 117. Boston-Marathon zu genießen", heißt es auf der Internetseite der Veranstalter. "Was ein Tag der Freude und der Feier werden sollte, wurde plötzlich ein Tag, an dem der Marathonlauf nicht mehr wichtig war." Wer auch immer hinter dem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon steckt, er konnte sich ziemlich sicher sein, dass er viele Menschen töten oder verletzten würde und dass unzählige Kameras das dramatische Geschehen live übertragen würden. Schließlich ist der Boston-Marathon der älteste und traditionsreichste Stadt-Marathon der Welt und gehört zu den wichtigsten Sportereignissen der USA. Mehrere hunderttausend Zuschauer verfolgen alljährlich am Straßenrand das Rennen vom Vorort Hopkinton bis zum Ziel im Zentrum der Stadt an der Ostküste der USA. In diesem Jahr gingen mehr als 26.000 Läufer an den Start, darunter auch 250 Deutsche.

Infografik zum Anschlag beim Boston-Marathon (DW-Grafik Olof Pock)

Die Sieger waren schon lange im Ziel, aber viele der Läufer waren noch auf der Strecke, als zwei Bomben explodierten

Marathon Monday

John Graham rief den Boston-Marathon 1897 ins Leben. Ein Jahr zuvor hatte er das US-Team bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit in Athen geleitet und war so beeindruckt vom dort ausgetragenen Marathon, dass er ein ähnliches Rennen in seiner Heimatstadt veranstalten wollte. Seither findet der Boston-Marathon immer am Patriot's Day statt, an dem im Bundesstaat Massachusetts an die ersten Schlachten des Revolutionskriegs von 1775 erinnert wird. Kein Wunder, dass viele Bostoner den Feiertag am dritten Montag im April auch "Marathon Monday" nennen.

Einer der wichtigsten und schwersten Marathons

Ins Guinness-Buch der Rekorde schaffte es der Boston-Marathon 1996, als bei der 100. Auflage über 38.000 Läufer starteten. Auch wenn andere Rennen inzwischen höhere Teilnehmerzahlen verzeichnen, gehört die Veranstaltung in Boston zusammen mit jenen in New York, Chicago, Berlin, London und Tokio zu den so genannten "World Marathon Majors", der Serie der wichtigsten Langstreckenläufe der Welt. Wegen der vielen Steigungen und Gefälle auf der Strecke gilt der Boston-Marathon zudem als einer der schwierigsten weltweit.

Uta Pippig bei ihrem Boston-Sieg 1996. Foto: dpa

Uta Pippig gewann Mitte der 1990er Jahre dreimal in Boston

Pippig: "Schrecklich traurig"

Erst 1966 startete in Boston mit Roberta, genannt "Bobbi" Gibb erstmals eine Frau, doch dauerte es noch bis 1972, ehe das Rennen auch offiziell für Frauen freigegeben wurde. Die Deutsche Uta Pippig gewann zwischen 1994 und 1996 als erste Frau dreimal in Folge den Klassiker. "Ich bin untröstlich und schrecklich traurig", schreibt die 47-Jährige auf ihrer Internetseite zu dem Anschlag auf den Boston-Marathon. Ihre Gedanken seien bei den Opfern und ihren Familien. "Die liebevolle Atmosphäre dieses schönen Rennens ist mir noch viel zu vertraut und liegt mir zu sehr am Herzen, um jetzt schon mehr sagen zu können."

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