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Afrika

Anschläge mit Ankündigung in Kenia

Bei zwei Explosionen in Kenias Hauptstadt wurden mindestens zehn Menschen getötet. Westliche Länder hatten zuvor vor Terroranschlägen gewarnt und Touristen ausgeflogen.

Freitagmittag (16.05.2014) auf dem Gikomba-Markt in Nairobi. Auf grob zusammengezimmerten Tischen bieten Händler Second-Hand-Kleidung an, dafür ist der Markt bekannt, der nur einen Kilometer außerhalb des Stadtzentrums von Nairobi liegt. Doch dann zerreißen zwei gewaltige Detonationen die Geschäftigkeit des Gikomba-Marktes. Eine Granate hatte einen Minibus getroffen, eine weitere war in einem Ladengeschäft detoniert. Kenias nationales Katastrophenschutzzentrum geht mittlerweile von mindestens 10 Toten aus.

Ein forensisches Team der Polizei bei Einsatz am Anschlagsort Foto: REUTERS/Noor Khamis

Ein forensisches Team der Polizei beim Einsatz am Anschlagsort

Die Polizei von Nairobi meldete noch am gleichen Nachmittag, dass zwei Verdächtige festgenommen worden sind. Einen von ihnen hatten Marktleute zuvor umzingelt und gedroht, ihn zu lynchen. Der Mann wurde von der Polizei gerettet und sollte verhört werden. "Wir wollen herausfinden, wer ihn geschickt hat, um diese Tat zu begehen. Wir wollen genau wissen, wer seine Komplizen sind", sagte der Polizeichef von Nairobi, Benson Kibue, und versuchte zu beruhigen: "Keine Panik. Wir haben alles unter Kontrolle."

Zeitgleich kämpfen die Ärzte in verschiedenen Krankenhäusern um das Leben der mehr als 70 Verletzten. Einige der Verletzten bluteten stark, sagte Simon Ithae, Sprecher des Kenyatta-Krankenhauses, in das die Opfer eingeliefert wurden. "Wir brauchen eine Menge Blut."

Motiv Rache?

Kenia wurde in jüngster Zeit immer wieder von blutigen Anschlägen erschüttert, für die zumeist islamistische Gruppen verantwortlich gemacht wurden. Anfang Mai waren bei Explosionen in Nairobi und Mombasa sieben Menschen getötet worden. Viele Anschläge in dem Land werden aus Rache dafür verübt, dass Kenia das Nachbarland Somalia im Kampf gegen Islamisten unterstützt. So bekannte sich etwa die somalische Al-Shabaab-Miliz zu einem Überfall auf ein Einkaufszentrum in Nairobi, bei dem Ende September 67 Menschen getötet wurden.

Sicherheitskräfte sichern den Anschlagsort Foto: REUTERS/Noor Khamis

Sicherheitskräfte am Anschlagsort

Viele Kenianer gehen davon aus, dass die neuen Anschläge mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen gegen Somalis in Kenia zu tun hätten, berichtet DW-Korrespondent Reuben Kyama aus Nairobi. Erst Ende März waren in Nairobis Stadtviertel Eastleigh, das überwiegend von somalischen Bürgern bewohnt wird, mehrere Sprengsätze detoniert und haben mindestens sechs Menschen getötet. Daraufhin gab es mehrere Polizei-Razzien in dem Stadtteil.

Britische Touristen ausgeflogen

Nur wenige Stunden vor dem Anschlag hatte ein britisches Reiseunternehmen knapp 300 Touristen unter hohen Sicherheitsvorkehrungen aus dem Badeort Mombasa ausgeflogen. Die Regierungen Großbritanniens, der USA, Australiens und Frankreichs warnten in dieser Woche ihre Bürger vor der Gefahr von Anschlägen. Am Samstag sollen weitere 300 Touristen nach Hause fliegen, berichtet Eric Ponda, Korrespondent der DW in Mombasa. Die britische TUI Travel hat außerdem alle Flüge nach Mombasa bis Oktober 2014 storniert.

Auch das Auswärtige Amt in Berlin hatte nur Stunden zuvor deutsche Touristen in Kenia zur Vorsicht gemahnt. Ein Sprecher sagte, die Bundesregierung beobachte die Lage in Kenia "außerordentlich aufmerksam". Die auf der Internetseite des Ministeriums veröffentlichten Reise- und Sicherheitshinweise würden ständig angepasst. In den Hinweisen hieß es für Mombasa und Umgebung, es werde "zu höchster Vorsicht" aufgerufen. Auch für Nairobi wurden Vorsichtsmaßnahmen empfohlen. "Insbesondere wird auf die Warnung vor der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel hingewiesen", schrieb das Auswärtige Amt.

TUI Deutschland würde jedoch seine Touristen nicht vorzeitig ausfliegen, sagte Pressesprecherin Alexa Hüner. Man habe die Informationen jedoch an alle Gäste vor Ort weitergegeben und beobachte die Situation sehr genau. Das beliebte Touristenziel war immer wieder, zuletzt Anfang Mai 2014 Ziel eines Anschlags. Sechs Menschen kamen ums Leben, als Unbekannte in einer Kirche nahe der Hafenstadt Mombasa das Feuer eröffneten.

Zerbombter Bus auf einer Straße nach der Bombenexplosion in Nairobi am 4. Mai 2014 Foto. CARL DE SOUZA/AFP

Erst am 4. Mai 2014 war dieser Bus Ziel eines Anschlags geworden, 27 Menschen wurden verletzt

Schaden für Kenias Wirtschaft

Kenias Präsident Uhuru Kenyatta, der zeitgleich zu den Anschlägen eine Pressekonferenz gab, bekundete den Opfern sein Mitleid, missbilligte jedoch die Reisewarnungen. Diese würden nur die Terroristen stärken statt den Kampf gegen sie. "Das Böse ist nicht in Kenia geboren, es ist ein weltweites Problem", sagt Kenyatta und müht sich, die Sorgen zu mildern. Die Regierung werde mehr als 2000 Überwachungskameras in Nairobi und Mombasa installieren, um weitere Anschläge zu verhindern. "Wir werden weiterhin unser Land im In- und Ausland als beliebtes Reiseland anpreisen und für unsere Tourismusindustrie werben, die eine der besten der Welt ist."

Aber Analysten erwarten Einschntitte für die Wirtschaft. "Wir haben den Angriff auf einen Markt mit Kleinhändlern und auch die Angriffe in Touristengebieten, die zu Reisewarnungen führen. Das trifft es die kenianische Wirtschaft doppelt", sagte Emanuel Kisiangani vom Institut für Sicherheitsstudien (ISS) in Nairobi der DW. Mehr als 600.000 Kenianer sind direkt im Tourismus beschäftigt, der 12,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beiträgt.

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