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Politik

Anschläge in Argentinien vor Bush-Besuch

Droht Argentinien ein militanter Antiamerikanismus? In der Hauptstadt Buenos Aires explodierten vier selbstgebastelte Sprengsätze. Ziel waren amerikanische Einrichtungen.

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Nicht immer friedlich: Demonstrationen in Argentinien

Nach Polizeiangaben wurde bei den Anschlägen niemand verletzt. Die Bomben waren offenbar aus Protest gegen den bevorstehenden Besuch von US-Präsident George W. Bush gezündet worden. Bush wird am 4. November zum Amerika-Gipfel in der argentinischen Hafenstadt Mar del Plata erwartet. Die Sprengsätze detonierten in der Nacht auf Freitag (7.10.2005) vor drei US-amerikanischen Banken und einer Videothek. Die Unbekannten warfen außerdem Fensterscheiben amerikanischer Autohäuser ein. Wie die Polizei mitteilte, ist der Sachschaden erheblich. Der amerikanische Video-Verleih brannte völlig aus.

Weitere Anschläge befürchtet

In den Trümmern entdeckten die Ermittler Anti-Bush-Plakate und Bekennerschreiben bisher unbekannter Gruppen. Das "antiimperialistische Kommando Che Guevara" drohte darin mit weiteren Anschlägen im Vorfeld des Gipfels. Das befürchtet offenbar auch die argentinische Regierung. Innenminister Anibal Fernandez kündigte ein hartes Vorgehen gegen gewaltbereite Gegner des Treffens an. Er zeigte sich zuversichtlich, die Täter zu finden. "Wir werden einen Weg finden, um das beenden", sagte er gegenüber argentinischen Medienvertretern.
Schon in der letzten Woche hatte die argentinische Polizei in einem Schließfach Bombenmaterial, Koranverse und Stadtpläne von Mar del Plata gefunden. Die Behörden vermuten allerdings Amateure hinter den Plänen.

Der nächste Präsident in Argentinien Nestor Kirchner

Seit 2003 im Amt: Präsident Kirchner

Rückfall in die Vergangenheit?

Seit dem Regierungsantritt von Präsident Nestor Kirchner 2003 herrscht in Argentinien relative Ruhe. Seit Jahren sorgen nur die sogenannten "piqueteros" für Aufsehen, eine uneinheitliche Arbeitslosenbewegung, die zum Teil wochenlang Straßen blockiert, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen."Eine gewaltbereite politische Szene hat es in Argentinien zuletzt Ende der 1960er bis Anfang der 1970er Jahre gegeben", sagt Peter Birle, Politikwissenschaftler und Argentinien-Experte vom Ibero-amerikanischen Institut in Berlin. Birle glaubt nicht, dass Argentinien vor einer erneuten Welle der Gewalt steht.

Demonstrationen in Argentinien

Nicht zimperlich: Polizisten in Buenos Aires

Gereizte Stimmung

Die Stimmung in der argentinschen Bevölkerung ist außerordentlich kritisch gegenüber der amerikanischen Regierung. Viele Argentinier werfen der Regierung unter Präsident Bush vor, während der argentinischen Wirtschaftskrise 2001 Finanzhilfen für das südamerikanische Land blockiert zu haben. Immer wieder kam es damals zu gewalttätigen Protesten in Buenos Aires. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage brachten sechs von zehn Argentiniern ihre Abneigung gegen Bush zum Ausdruck. In der Gipfel-Stadt Mar del Plata, die rund 400 Kilometer südlich der Hauptstadt liegt, sollen etwa 7000 Polizisten für die Sicherheit der 34 amerikanischen Staatschefs sorgen.

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