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Politik

Anschläge in Afghanistan befördern Debatte über einen Rückzug

Dutzende Tanklastwagen mit Öl-Nachschub für die NATO-geführte Schutztruppe ISAF in Afghanistan sind bei einem Anschlag zerstört worden. In Deutschland schlagen Politiker der Koalition einen "stufenweisen Rückzug" vor.

Ausgebrannte LKW EPA/STR +++(c) dpa - Report+++

Die Tanklastwagen wurden völlig zerstört

Brennende LKW EPA/STR +++(c) dpa - Report+++

Über die Urheber des Angriffs gibt es nur Vermutungen

Ein Behördensprecher in Pakistans Nordwest-Grenzprovinz sagte am Montag (24.02.2008), mindestens 100 Menschen seien bei der Bombenattacke am Vortag verletzt worden. Den Angaben zufolge warteten die Lastwagen auf die Abfertigung zur Einreise von Pakistan nach Afghanistan, als zwei mit Zeitzündern versehene Sprengsätze explodierten. 38 Tanker seien ausgebrannt, so der Sprecher.

Hinter dem Anschlag vermuten die Behörden die radikalislamischen Taliban. In den vergangenen Monaten waren Tanklastwagen bereits häufiger Ziel von Angriffen.

Die Treibstoff-Versorgung der Internationalen Schutztruppe ISAF wird zu einem Großteil mit Tankwagen sichergestellt, die durch die unruhigen Stammesgebiete im Nordwesten Pakistans und über den Khyber-Pass fahren. Die Region gilt als Rückzugsraum der Extremisten.

Tote im "relativ ruhigen Norden"

Unterdessen wurden im relativ ruhigen Norden Afghanistans bei einem Überfall auf Mitarbeiter einer Minenräumorganisation fünf Menschen getötet und sieben weitere verletzt. Der Direktor der nichtstaatlichen Organisation ATC, Kefayatullah Eblagh, sagte am Montag, Unbekannte hätten den Fahrzeugkonvoi am Vortag im Distrikt Jawzjan beschossen. Die im Auftrag der Vereinten Nationen tätigen afghanischen Minenräumer seien auf dem Rückweg in ihr Basislager gewesen.

Bei Gefechten in der südafghanischen Unruheprovinz Urusgan kamen nach offiziellen Angaben am Sonntag zudem zahlreiche Taliban-Kämpfer ums Leben. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kabul wurden bei einer gemeinsamen Operation von afghanischen Truppen und ISAF- Soldaten "Dutzende" Aufständische getötet, darunter ein ranghoher Taliban-Kommandeur.

Rückzug erstmals offenes Thema in der politischen Debatte in Deutschland

In Berlin machen nach dem sechsjährigen Afghanistan-Einsatz Politiker der großen Koalition erstmals einen stufenweisen Rückzug der Bundeswehr zum Thema. Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold forderte in einem dpa-Gespräch, Afghanistan mehr Eigenverantwortung zu übertragen und die ISAF-Mission stufenweise zu reduzieren. "Wir müssen aufpassen, dass durch die Forderungen der USA und anderer NATO-Staaten nicht der falsche Eindruck entsteht, das militärische Engagement werde sich zwangsläufig über einen sehr langen Zeitraum erstrecken. Wir brauchen einen Stufenplan, der eine Rückführung ermöglicht." In einzelnen Gebieten sei die Entwicklung inzwischen friedlich. Sie könnten komplett an die Afghanen übergeben werden.

Merkel (AP Photo/Michel Euler)

Sieht sich immer stärkeren Forderungen nach einem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan ausgesetzt: Bundeskanzlerin Merkel (Archiv-Foto)

Merkel soll für "Zwischenschritt" werben

Der Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU), sagte in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin an, dass die Bundesregierung beim NATO-Gipfel in Bukarest Anfang April ungeachtet des massiven Drucks der USA und anderer Partnerstaaten keine Zugeständnisse wie etwa die Aufstockung der deutschen Truppe machen werde. "Die Kanzlerin wird keine Tasche mit Geschenken dabei haben."

Arnold mahnte: "Ein schneller Ausstieg ist falsch, aber ein Zwischenschritt ist nötig." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse diese Debatte in Bukarest anstoßen. Seiner Ansicht nach muss das deutsche Kontingent zunächst aber noch einmal aufgestockt werden, um die Ausbildung afghanischer Soldaten zu intensivieren, "damit man eine Perspektive für den Ausstieg hat".

Nach einem Bericht der britischen Zeitung "The Times" (Samstag) will Frankreich beim NATO-Gipfel eine Verstärkung um rund 1000 auf 2900 Soldaten ankündigen. Die zusätzlichen Kräfte sollten im Osten oder Süden Afghanistans eingesetzt werden. Die dort engagierten NATO-Partner fordern seit Monaten Hilfe beim Kampf gegen Taliban-Rebellen.

Deutschland hat nach den USA und Großbritannien das drittgrößte Kontingent und schöpft seine Obergrenze von 3500 Soldaten bereits voll aus. (mas)