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Asien

Anschläge erschüttern Pakistan

Beim vierten Anschlag in dieser Woche starben in Pakistan mehr als 40 Menschen. Der Innenminister der Region Punjab aber zeigt Optimismus: Die Anschlagswelle sei ein "letztes Aufbäumen" der Extremisten.

Pakistanische Soldaten bewachen die Stelle des Doppelanschlags (Foto: AP)

Die pakistanische Armee sichert die Anschlagsstelle

Binnen weniger Sekunden sprengten sich zwei Attentäter in einem belebten Garnisonsviertel in der ostpakistanischen Millionenmetropole Lahore in die Luft. Ihr Ziel: Ein Militärkonvoi. Laut Agenturangaben starben am Freitag (12.03.2010) bei dem Doppelanschlag mehr als 40 Menschen, die meisten davon Zivilisten. Die Zahl der Verletzten soll bei mehr als 100 liegen. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur haben sich die pakistanischen Taliban bei einem privaten Fernsehsender zu der Bluttat bekannt. Der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi verurteilte das Attentat. Er erklärte, dem Terrorismus in seiner schändlichen Art werde ein Sieg niemals gestattet.

Hinweis auf eine Terrorkampagne?

Es war bereits der vierte größere Anschlag in Pakistan in dieser Woche. Zuvor war es relativ ruhig. Es gab weniger Attentate und diese waren zumeist auf entfernte Regionen nahe der afghanischen Grenze beschränkt. Die jüngsten Angriffe könnten ein Hinweis auf eine neue Terrorkampagne der islamischen Extremisten sein. Bei einem Angriff auf eine Polizeistation in Lahore am Montag waren mehr als zehn Menschen getötet worden. Zu diesem hatten sich die pakistanischen Taliban bekannt. Am Mittwoch waren bei einem Selbstmordanschlag im Nordwesten Pakistans sechs Mitarbeiter der christlichen Hilfsorganisation World Vision getötet worden. Zudem gab es einen Anschlag auf ein kleines Kino in der Stadt Peshawar, dem vier Menschen zum Opfer fielen.

Pakistanische Sicherheitskräfte und Helfer neben dem Anschlagskrater (Foto: AP)

Erstes Attentat der Serie: Ein Krater, verursacht durch eine Autobombe

Kein ernsthafter Terrorkampf?

Rana Sanaullah Khan, der Innenminister der Provinz Punjab, in der Lahore liegt, erklärte, die neuerliche Anschlagswelle sei "ein Zeichen der Verzweiflung" der Militanten. "Wir haben ihr Netzwerk zerbrochen. Deshalb waren sie für einen längeren Zeitraum nicht in der Lage, zuzuschlagen." Auch der pakistanische Innenminister hatte eines der jüngsten Attentate als Zeichen der Schwäche der Aufständischen gewertet, die "keine Chance" gegen die Sicherheitskräfte hätten.

Zweifel kommen an der Deutung auf, denn faktisch muss von einer Anschlagsserie gesprochen werden. Zudem kommen Stimmen auf, die an der Ernsthaftigkeit des Anti-Terror-Kampfes der pakistanischen Sicherheitskräfte zweifeln - besonders weil viele Anschläge von Extremisten von Pakistan aus auf Ziele in Afghanistan oder Indien erfolgen konnten. Und immer wieder wird bekannt, dass zahlreiche Anführer der afghanischen Taliban unbehelligt in Pakistan leben konnten.

Lahore galt bisher als sicher

Karte Pakistans mit Standort von Lahore (Grafik: AP)

Einen der schlimmsten Anschläge erlebte das pakistanische Lahore

Während die Gewalt nach dem US-geführten Einmarsch in Afghanistan vor allem im westpakistanischen Grenzgebiet eskalierte, galt die Metropole Lahore noch lange Jahre als relativ sicher. Doch mit der Ruhe ist es seit einiger Zeit auch in der Hauptstadt der Provinz Punjab vorbei - der Anschlag am Freitag war der schwerste, den Lahore bislang erleben musste. Lahore gilt als "Herz Pakistans". Die zweitgrößte Stadt nach Karachi ist das kulturelle Zentrum des Landes. Mehr als sechs Millionen Menschen leben in Lahore, nur wenige Kilometer entfernt von der Grenze zum großen Nachbarn Indien.

Autor: Stefanie Zießnitz

Redaktion: Marion Linnenbrink

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