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Kultur

Anpfiff per China-Böller

Ein chinesischer Fußballstar kommentiert auf DW-WORLD.DE die Bundesliga. Passt das zusammen? Durchaus, denn die Faszination des runden Leders wirkt über die Grenzen hinweg.

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Fußball auf Chinesisch: Macht Sinn, wenn man genau hinsieht


Seit Dezember 2002 spielt der 23-jährige Jiayi Shao beim bayrischen Traditionsclub TSV 1860 München. Am Samstag, dem 22. November 2003, wird der Kicker aus dem "Reich der Mitte" das Lokalderby zwischen seinen Löwen und dem FC Bayern München in chinesischer Sprache auf DW-WORLD.DE kommentieren.

Superstar Shao

Ein kleiner Junge spielt Fußball in der Verbotenen Stadt in Peking, China

Ein kleiner Junge spielt Fußball in der Verbotenen Stadt in Peking

Nicht nur auf fußballerisch motivierte Fans übt Jiayi Shao in seiner Heimat eine immense Anziehungskraft aus. Es drängt sich der Vergleich auf, er sei eine Art chinesischer David Beckham. Zur Zeit unterscheidet Shao von der britischen Pop- Frisur- und Torschussikone allerdings noch, dass ihn an Flughäfen fern seiner Heimat keine minderjährigen, kreischenden Heerscharen erwarten. Aufgrund seiner enormen Popularität zwischen Macau und der Mongolei und weil die Nummer Acht der Münchner Löwen derzeit noch an einem Kreuzbandriss laboriert, kommt der Auftrag als Co-Kommentator für DW-WORLD.DE nicht ungelegen. Schon ohne Shao waren an Spieltagen in 90 Minuten 100.000 Abrufe der Seite aus China normal.

Elf Freunde am Jangtse

Genau genommen stammt Jiayi Shao aus dem Heimatland des Fußballs. Auch wenn jetzt vor Schreck zwischen Bremen und Bayern die Bierflaschen nebst Bratwürsten fallen gelassen werden – es stimmt! Ungefähr im dritten Jahrtausend vor Christi Geburt erfreute sich in China ein Spiel namens "Ts'uh küh" großer Beliebtheit. Ein Regelwerk ist nicht überliefert, aber wie diversen Quellen zu entnehmen ist, wurde auch damals schon mit einem Ball auf zwei Tore gespielt. In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung verschwand "Ts'uh küh", weshalb sich nun andere streiten, in welchem Land der Fußball zu Hause ist.

Fußball-Boom im Reich der Mitte

Shao Jiayi mit DW Mikrofon

Shao Jiayi als Reporter.

Im Zuge der Öffnung gen Westen nahm die Bedeutung des legendären Ballsports in China kontinuierlich zu. Behilflich bei der Reanimation war die Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea, an der zum ersten Mal auch eine chinesische Nationalmannschaft teilgenommen hat. Durch intensives Engagement gelang es dem 1924 gegründeten Fußball-Verband von China, schon in der Vorbereitung bis dato ungekannte Erfolge zu verbuchen. Die Berufung von Kult-Coach Bora Milutinovic zum Nationaltrainer, ein von Verbandsseite angeordneter einjähriger Transferstopp für 2001 sowie die Wahl zur "Mannschaft des Jahres 2001" durch die asiatische Fußball-Konföderation beförderten das Selbstbewusstsein des fernöstlichen Fußballs enorm.

Gegner wie Brasilien und die Türkei sorgten erwartungsgemäß für einen zeitigen Heimweg von Nationalspieler Jiayi Shao und seiner Mannschaft nach der Vorrunde. Trotzdem leitete diese Entwicklung nicht nur einen fußball-sportlichen Boom im Reich der Mitte ein, sondern weckte auch das Interesse westlicher Vereine und Verbände an dem riesigen neuen Fußballmarkt. So lenkt Shao den Blick seiner Landsleute auf die Bundesliga, was im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland auch einen gewissen kommerziellen Reiz mit sich bringt. Im Gegenzug ist der junge Mittelfeldspieler, der früher bei Beijing Guoan unter Vertrag stand, Hoffnungsträger für eine ganze Generation in seiner Heimat.

Bayrisches Lokalderby süß-sauer

Anlässlich des dreizehnten Spieltages der Bundesliga kann Freistoßspezialist Shao, der über einen harten linken Schuss verfügen soll, nun auch seine Wortgewandtheit unter Beweis stellen. Ein As hat er für dieses Vorhaben schon im Ärmel: Als ehemaliger Gastreporter für das chinesische Staatsfernsehen bringt Jiayi Shao bereits Erfahrung mit. Da er nach wie vor an einer Verletzung laboriert, ist es für ihn allemal spannender, das Spiel seiner Mannschaft live zu kommentieren als tatenlos auf der Bank zu sitzen. Wenn der notorische Deutsche Meister fern seiner Höchstform gegen den Rivalen aus der eigenen Stadt antritt, der um die Teilnahme am UEFA-Cup kämpft, verspricht der Samstagnachmittag einiges an Unterhaltungswert. Seit der laufenden Bundesliga-Saison berichtet DW-WORLD.DE regelmäßig in chinesischer Sprache mit Interviews, Textticker, Hintergrundberichten und Live-Audio-Streams über die Bundesliga. Am Samstag, dem 22. November 2003, wird die Übertragung live ab 15.15 MEZ im Internet zu hören sein (22.15 chinesischer Ortszeit).

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