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Bücher

Annette von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche (1842)

Annette von Droste-Hülshoff (Porträt: picture alliance / akg-images, Montage: Philip Kleine / Peter Steinmetz)

"Wo ist die Hand so zart, daß ohne Irren | Sie sondern mag beschränkten Hirnes Wirren, | So fest, daß ohne Zittern sie den Stein | Mag schleudern auf ein arm verkümmert Sein?"

Die Autorin

Annette von Droste-Hülshoff, Gemälde, 1840, von Johannes Sprick (1808-1842), Öl auf Holz, 15,5 x 12,5 cm. Münster, Westfälisches Landesmuseum (Foto: picture-alliance / akg-images)

Annette von Droste-Hülshoff

Geboren: 10. Januar 1797 auf Schloss Hülshoff bei Münster/Westfalen
Gestorben: 24. Mai 1848 in Meersburg/Bodensee

"Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden, aber nach hundert Jahren möchte ich gelesen werden", schrieb Annette von Droste-Hülshoff an eine Freundin in ihrem letzten Lebensjahr. Dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen: "Die Droste" gehört zu den wichtigsten deutschen Poetinnen, deren Balladen und Novellen in keinem Schulbuch und in keiner Sammlung bedeutender deutscher Lyrik fehlen.

Anna Elisabeth Franziska Adolphina Wilhelmina Ludovica Freiin von Droste zu Hülshoff entstammt einem alten westfälischen Adelsgeschlechts in der Nähe von Münster. Schnell wird ihre besondere Begabung deutlich: Schon als Kind schreibt sie erste Verse. Aber die Enge der streng-katholischen Erziehung und das Korsett der weiblichen Konvention einer höheren Tochter unterdrücken das ungestüme Temperament: Stattdessen wird sie angehalten zum Beten und Handarbeiten.

Ihr wachsendes Interesse an Literatur machen sie in der Familie bald zur Außenseiterin. Hinzu kommt ihre instabile Gesundheit, die ihr schwer zu schaffen macht. Eine erste zarte Romanze der 22-Jährigen wird von einer Familienintrige zerstört. Erst eine ärztlich verordnete Reise ins wärmere Rheinland weckt wieder Lebensfreude in der jungen Dichterin. Und sie kommt in Kontakt mit gebildeten emanzipierten Frauen, wie Adele Schopenhauer und der reichen Bankierstochter Sibylle Mertens-Schaffhausen.

Schloss Hülshoff bei Münster/Westfalen, Geburtsort der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (Foto: Stadt Münster)

Schloss Hülshoff bei Münster

Zurück im Elternhaus erwarten sie nur Pflichten und ein strenger Tagesablauf. Atemnot befällt sie, quälende Schlaflosigkeit und Migräne-Anfälle machen ihr das Schreiben unmöglich.

1837 erlebt sie im nahen Münster mit, wie die preußische Obrigkeit öffentliche Proteste niederknüppelt. Annette ist entsetzt über die Brutalität der politischen Gewalt. Ihre Gedanken nehmen von nun an andere Wege: sie beginnt vaterländische Gedichte und große Verserzählungen zu schreiben. Im Spätsommer 1838 erscheint ihr erstes Buch, das von Schriftstellerkollegen gelobt wird. Nun wird Annette von Droste-Hülshoff auch zu literarischen Zirkeln eingeladen. Dort liest man Balzac und George Sand und diskutiert nächtelang über die Bücher der deutschen Freiheitsdichter.

Die Droste beginnt sozial-kritische Balladen zu schreiben und widmet sich dem Elend der einfachen Leute. Um ihre angeschlagene Gesundheit zu kurieren, reist die Dichterin mit ihrer Schwester an den Bodensee. Ihr Schwager hat dort eine merowingische Burg als Familiensitz gekauft. Sie erholt sich sichtbar in dem milden Klima. Außerdem ist der junge Student Levin Schücking oft zu Besuch und begleitet sie auf langen Spaziergängen durch die Natur. In ihm findet sie die ersehnte Seelenfreundschaft. Und er macht ihr Mut, ihrer literarischen Begabung nachzugehen. In wenigen Wintermonaten entstehen in Meersburg unzählige poetische Arbeiten, Novellen und Erzählungen, die ihren späteren Weltruhm begründen. Doch im Frühjahr geht diese glückliche Zeit für sie zu Ende, der Freund reist ab. Enttäuscht reist sie nach Westfalen zurück und versinkt erneut in Schwermut. Erstickungsanfälle mit Fieber und die niederdrückende Einsamkeit im "Rüschhaus" machen ihr das Schreiben unmöglich.

Annette von Droste-Hülshoff auf der Meersburg - Holzstich, undatiert, nach einer Zeichnung von Theobald von Oer (1807-1885), neukoloriert (Foto: picture-alliance / akg-images)

Auf der Meersburg: "An des Balkones Gitter lehnte ich | und wartete, du mildes Licht, auf dich"

Im Oktober 1846 tritt sie - trotz geschwächter Konstitution - erneut eine Reise an den Bodensee an. Vom Erlös ihrer erfolgreichen Werkausgabe, "mit eigener Pfote zu Papier gebracht", hat sie sich dort ein Haus gekauft. Aber sie erholt sich nicht mehr. Am Nachmittag des 24. Mai 1848 - die politischen Unruhen in Deutschland sind in vollem Gange - setzt ihr angegriffenes Herz aus. Sie stirbt mit 51 Jahren, "erschüttert, aber nicht zerdrückt", wie sie kurz zuvor ihrem Tagebuch anvertraut.


Der Text

Annette von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche (Foto: Germanistisches Institut der Universität Köln)

Die Novelle "Die Judenbuche" ist das eigentliche Lebenswerk der Annette von Droste-Hülshoff. Und eine harte Abrechnung mit der Borniertheit und Enge ihrer strengen Erziehung als Tochter eines katholischen Adelsgeschlechts, in der andere sozialen Schichten keine Rolle spielten. Mit dramatischer Zuspitzung, die man noch heute als Milieustudie einer westfälischen Dorfgemeinschaft verfilmen könnte, zeichnet sie ein präzises Sittengemälde der damaligen Zeit.

Die Geschichte spielt Ende des 18. / Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Unentrinnbarkeit des Schicksals, Alkoholismus als einzige Flucht aus der materiellen Misere und Enge der untersten Gesellschaftsschicht, Misstrauen und Rufmord, das sind die Hauptthemen des Textes. Er basiert auf einem realen Mordfall, den Annette als Kind bei ihrem Großvater im Paderborner Land mitbekommen hat.

Friedrich Mergel, die Hauptperson, wächst in verwahrlosten Verhältnissen auf. Der Vater, ein harter Trinker, wird eines Morgens tot im nahe gelegenen Wald aufgefunden, die Mutter zieht den Jungen mit Hilfe des Onkels allein groß. Als eine berüchtigte Bande von Holzfrevlern in der Gegend auftaucht, geschieht ein zweites Unglück: Der Oberförster liegt erschlagen mit der Axt im seinem Waldrevier. Da Friedrich kurz zuvor eine böse Auseinandersetzung mit ihm hatte, wird er von der Dorfgemeinschaft verdächtigt. Als auch der Jude Aaron ihn noch beschuldigt, macht sich Friedrich aus dem Staub. Tags darauf wird Aaron tot im Brederholz gefunden. Aufgeklärt werden die beiden Mordfälle nie wirklich.

28 Jahre später kommt ein Fremder in das Dorf ...


Die Sprecherin

Die Schauspielerin Marietta Bürger

Marietta Bürger

Die Schauspielerin Marietta Bürger gibt der dramatischen Erzählung nicht nur die richtige Tonlage, sie verleiht auch der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff ihre Stimme - mit unterdrückter Leidenschaft, die immer wieder vehement die wohlformulierten literarischen Satzkonstrukte durchbricht. Ihre Schauspiel-Ausbildung hat Bürger an der Theaterschule "Der Keller" in Köln absolviert. Seitdem steht sie regelmäßig auf der Bühne und in Gastrollen vor der Fernsehkamera. Hinzu kommen erfolgreiche Hörbuchproduktionen.

Die Klassiker - Annette von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche
Sprecherin: Marietta Bürger
Produktion: interface studios, Köln
Regie: Heike Mund
Online-Realisation: Claudia Unseld
Redaktion: Gabriela Schaaf

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