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Politik

Annan ruft Sudan-Gesandten nach New York zurück

Die Missstimmung zwischen dem Sudan und der UNO wächst. Die Regierung in Khartum hat den UN-Gesandten Jan Pronk ausgewiesen und weigert sich weiter, eine Friedenstruppe ins Land zu lassen.

Jan Pronk

Unerwünschte Person im Sudan: Jan Pronk aus den Niederlanden

UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat seinen Sondergesandten für den Sudan, Jan Pronk, zu Beratungen nach New York zurückbeordert. Zuvor hatte die sudanesische Regierung Pronk aufgefordert, das Land zu verlassen. "Die Regierung sieht die Mission von Jan Pronk als beendet an", heißt es in einer Erklärung des Außenministeriums in Khartum. Es wirft dem UN-Diplomaten vor, auf seiner Internetseite einseitige Vorwürfe gegen die Regierung erhoben zu haben. Die Vereinten Nationen teilten am Sonntag (Ortszeit) in New York mit, man prüfe derzeit die offizielle Aufforderung Khartums zum Abzug von Pronk.

Scharfe Kritik

Jan Pronk bei der Unterzeichnung eines Friedesnvertrags - links neben ihm einer Vertreter der sudanesischen Regierung, Yaya Hussein Babikar, und rechts: Hhial Dehg Hhial, ein Vertreter der Rebellen-Organisation Sudan People's Liberation Movement am 19.11.2004

Jan Pronk bei der Unterzeichnung eines Friedesnvertrags - links neben ihm einer Vertreter der sudanesischen Regierung, Yaya Hussein Babikar, und rechts: Hhial Dehg Hhial, ein Vertreter der Rebellen-Organisation "Sudan People's Liberation Movement" am 19.11.2004

Der Niederländer Pronk vermittelt seit 2004 für die Vereinten Nationen im Krisenstaat Sudan. Auf seiner Internetseite kritisierte er wiederholt die sudanesische Führung, die nicht konstruktiv für ein Ende von Gewalt und Bürgerkrieg in der westlichen Provinz Darfur arbeite. Zuletzt schrieb er über schlechte Moral und hohe Verluste innerhalb der sudanesischen Armee. Generäle seien entlassen worden, Soldaten weigerten sich, im Norden der Unruheprovinz Darfur eingesetzt zu werden. Pronk zufolge verlor die Armee in den vergangenen zwei Monaten zwei entscheidende Kämpfe gegen die Rebellen. Auch warf er der Regierung vor, bewusst gegen das im Mai geschlossene Friedensabkommen zu verstoßen und weiterhin bewaffnete Banden im Kampf gegen schwarzafrikanische Rebellen in Darfur militärisch und logistisch zu unterstützen.

Pronk hat bei der sudanesischen Regierung mit seiner undiplomatischen Offenheit schon seit langem Missfallen erregt. Der Wirtschaftswissenschaftler aus Den Haag war von 1989 bis 2002 mehrfach Minister in seinem Land. Im Juni 2004 wurde er UN- Sonderbeauftragter für den Sudan.

Truppenverstärkung in Darfur

Mehrere Staaten verurteilten die Ausweisung Pronks. In Brüssel sagte der Sprecher von EU-Entwicklungskommissar Louis Michel, die Präsenz der Vereinten Nationen sei für Hunderttausende bedrohte Menschen unverzichtbar. Khartum weigert sich seit Monaten, der Stationierung einer 20.000 Mann starken UN-Friedenstruppe in Darfur zuzustimmen, wie sie in einer Resolution des Weltsicherheitsrates gefordert wird.

Nach Augenzeugenberichten bereitet sich die sudanesische Armee auf eine verstärkte Offensive in Darfur vor. Ein Militärkonvoi aus mehr als 100 Fahrzeugen soll in El Faschir im Westen Darfurs eingetroffen sein. Auch Flugzeuge sollen zur Verstärkung der Truppen eingesetzt worden sein. (mas)

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