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Kultur

Anna Scheuermann: Auf dem Land funktioniert Zuwanderung anders als in der Großstadt

Eine Kleinstadt als "Arrival City"? Auf dem Land, wo man sich kennt, funktioniert die Integration von Flüchtlingen sogar besser, als in der Großstadt, sagt die deutsche Architekturexpertin Anna Scheuermann.

Wo sollen all die Menschen wohnen, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen: in Sammelunterkünften oder in Wohnungen übers Stadtgebiet verteilt? Was erleichtert ihre Integration? Und wie verhindern wir einen Kampf um Wohnraum, der in vielen Gemeinden jetzt schon knapp ist? Solche Fragen warf der Deutsche Pavillon auf der Architektur-Biennale 2016 in Venedig auf. Titel der Schau, die derzeit noch im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt zu sehen ist. "Making Heimat. Germany, Arrival Country". Mitkuratorin ist die Architektin Anna Scheuermann.

Frau Scheuermann, was ist aus Ihrer Idee von "Making Heimat" geworden?

Unsere Idee lebt weiter. Denn "Making Heimat" zeigt, was gerade in Deutschland passiert und was weiter passieren wird: Die Einwanderung, das Kommen und Gehen von Flüchtlingen. Dafür gibt es viele aktuelle Beispiele. 

Viele Projekte in der Datenbank

Können Sie welche nennen?

Wir haben diverse Projekte in unserer Datenbank für Flüchtlingsbauten. Die entwickeln sich immer weiter. Diese Projekte entstanden ursprünglich aus der Not heraus, Flüchtlinge unterzubringen. Jetzt ist diese Not zwar etwas kleiner geworden. Dafür kommen die Flüchtlinge aber nicht in Wohnungsbauten unter. Viele Projekte aus unserer Datenbank werden deshalb verändert, umgebaut oder ergänzt.

Hat sich denn Ihr Projekt "Arrival City", die Idee von der Ankunftsstadt für Flüchtlinge, die Sie auf der Architekturbiennale 2016 in Venedig vorgestellt haben, irgendwo sichtbar niedergeschlagen?

Erfand die Thesen über die Arrival City: Doug Saunders vor seinen Büchern (DW/Stefan Dege)

Erfand die Thesen über die "Arrival City": Doug Saunders

Wir haben ja ganz unterschiedliche Städte als "Arrival Citys" gezeigt, solche mit der meisten Einwanderung. Natürlich ist dort schon viel passiert. Nehmen Sie die Arrival City Offenbach: In den innenstadtnahen Vierteln, wo viele Zuwanderer leben, wird viel gebaut. Das ist vor allem Wohnungsbau, nicht aber nur sozialer Wohnungsbau. Natürlich sucht Offenbach auch nach anderen Bewohnern, nach Besserverdienern...

Privatinvestoren müssen mitziehen

Welchen Anteil haben Stadtplaner und Architekten am Gelingen von Integration?

Das hängt davon ab, wie viel Energie sie dafür aufwenden. Vieles passiert automatisch. Entscheidend ist, dass Stadtplaner und Architekten ihre Rolle finden, dass sie Vorschläge machen, an welchen Stellen es gut ist, die Arrival City zu ergänzen, zu verändern und Projekte anzubieten. Neben den Städten müssen auch private Investoren mitziehen.

Die Idee von der Arrival City fokussierte sich auf Städte. Funktioniert Zuwanderung auf dem Land anders als in der Stadt?

Ja, definitiv funktioniert sie dort anders. Es hängt von dem Ort ab und von den Personen, die dort ankommen und leben. Aber was viel besser funktioniert in kleineren Städten und in ländlichen Regionen, das ist die viel engere Partnerschaft der Menschen. Auch in den Großstädten engagieren sich viele Menschen. Aber in ländlichen Regionen läuft mehr über persönliche Verbindungen wenn jemand 'integriert' wird - also lernt, wie man hier in Deutschland lebt, worauf man achten muss, wie beispielsweise die Schul- und Vorschulbildung funktioniert. Menschen werden schneller in die kleinere Gemeinschaft eingegliedert. In den Großstädten läuft mehr über die Netzwerke der Landsleute, die schon da sind. Die helfen den Ankömmlingen.

Für das Ankommen von Zuwanderern braucht es einen langen Atem. Glauben Sie, dass die Willkommenskultur in Deutschland ausreicht?

Ja, das glaube ich. Ich bin sogar fest davon überzeugt. Jeder zehnte Bundesbürger ist auf irgendeine Art und Weise bei der Integration von Flüchtlingen engagiert. Und zwar regelmäßig. Das zeigt doch, dass der lange Atem da ist. Das bleibt so, auch wenn in der Presse immer wieder Dinge geschrieben werden, die nicht so klingen. Ist ja auch natürlich, dass es Stimmen dagegen gibt. Aber ich denke, die Willkommenskultur in unserer Gesellschaft hat sich mittlerweile gefestigt.

Mit Anna Scheuermann sprach Stefan Dege.

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