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Politik

Annäherungen zwischen Israel und dem Vatikan

Erst seit den 1990er Jahren unterhalten Israel und der Vatikan diplomatische Beziehungen. Jetzt lud Papst Benedikt XVI. den israelischen Staatspräsidenten Mosche Katzav zur Privataudienz in den Vatikan.

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"Herzliche Atmosphäre": Mosche Katzav beim Papst

Der Vatikan und Israel wollen ihre unter Papst Johannes Paul II. vorangetriebene Annäherung fortsetzen. Israels Präsident Mosche Katzav wurde am Donnerstag (17.11.2005) von Papst Benedikt XVI. im Vatikan zu einer 25-minütigen Audienz empfangen. Das Treffen fand nach Angaben des Vatikans in einer herzlichen Atmosphäre statt. Katzav lud den Papst zu einem Gegenbesuch in Israel ein. Das katholische Kirchenoberhaupt habe die Einladung positiv aufgenommen, es sei aber noch kein Termin festgelegt worden, sagte Katzav. Er hoffe aber, dass der Besuch im kommenden Jahr stattfinden werde. Der Vatikan wünscht, dass vor dem Besuch der seit Jahrzehnten ungeklärte Status der katholischen Kirche in Israel geregelt wird.

Mehr Informationen zum Vatikan finden Sie hier!

Keine Grundsatzerklärung

"Wir haben vereinbart, die Gespräche schneller voranzutreiben", sagte Katzav. Johannes Paul II. hatte im Jahr 2000 Israel und die palästinensischen Gebiete besucht. Vor drei Jahren hatte er Katzav als erstem israelischem Staatsoberhaupt eine 16-minütige Audienz gewährt. Seit 1994 bestehen diplomatische Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan. Eine Grundsatzerklärung, mit der diese weiterentwickelt werden sollten, wurde bislang allerdings nicht abgeschlossen.

Symbolträchtige Geschenke

Moshe Katsav beim Papst

Papst Benedikt und Katzav tauschen Geschenke aus

Der Papst schenkte dem israelischen Staatschef eine Reproduktion der Erklärung "Nostra Aetate", die beim Zweiten Vatikanischen Konzil vor 40 Jahren verabschiedet wurde und das Verhältnis der katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen behandelt. Die Erklärung gilt als Wende im Verhältnis zwischen Katholizismus und Judentum. Außerdem überreichte er ihm eine Reproduktion der handschriftlich ausgefertigten Rede von Johannes Paul II. bei dessen historischem Besuch in Auschwitz 1979. Katzav brachte dem Papst einige Bücher und Fotos sowie ein altes hebräisches Manuskript mit.

Diplomatische Verstimmung

Nur indirekt ging Katzav auf eine im Juli aufgekommene diplomatische Auseinandersetzung ein. Damals hatte der Papst mehrere Länder aufgelistet, die Opfer von Terrorismus seien, Israel aber unerwähnt gelassen. Die israelische Regierung hatte empört reagiert. Auf die Frage, ob er den Papst zu einer Verurteilung palästinensischer Terroristen aufgefordert habe, sagte Katzav, Benedikt XVI. habe das Thema von sich aus angesprochen, indem er zu Beginn der Audienz Terrorismus und Antisemitismus verurteilte.

Vorgaben nicht eingelöst

Im Anschluss an die Audienz beim Papst traf das israelische Staatsoberhaupt auch mit Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano zusammen. Nach Angaben des Vatikan sprachen die beiden über die Entwicklung der Beziehungen zwischen Israel und dem Heiligen Stuhl nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen 1994. Dabei sei es besonders um die Umsetzung der beiden bislang unterzeichneten Vereinbarungen gegangen, den Grundlagenvertrag von 1993 und das "Abkommen über die juristischen Personen" von 1997.

In diesem Zusammenhang sieht der Heilige Stuhl mehrere Vorgaben noch nicht eingelöst. Zentral ist für ihn die Anerkennung der Steuerbefreiungen für kirchliche und Non-Profit-Einrichtungen. Katzav erklärte, er wolle alles tun, um schnell zu einem Ergebnis zu kommen.

Vatikan für Zwei-Staaten-Lösung

Sodano habe Katzav erneut dargelegt, dass der Heilige Stuhl "für die Existenz und Zusammenarbeit zwischen zwei Staaten, Israel und Palästina", eintrete, heißt es in der Mitteilung weiter. Außerdem seien die Chancen einer engeren Zusammenarbeit auf humanitärem Gebiet besonders in Afrika sowie im Kulturbereich erörtert worden.

"Kontinuierliche Annäherung"

Katzav hatte im Vorfeld des Treffens in einem Zeitungsinterview von einer "kontinuierlichen Annäherung" des Vatikan und der christlichen Gemeinschaften gesprochen. Er erinnerte an Johannes XXIII. und den Besuch von Paul VI. in Jerusalem sowie an den "großartigen Johannes Paul II., den ersten Papst, der die Synagoge von Rom besuchte". Benedikt XVI. setze diesen Prozess fort, so der Staatspräsident.

Gerüchte über eine bevorstehende Übergabe des Jerusalemer Abendmahlsaals an den Vatikan hatten beide Seiten bereits im Vorfeld zurückgewiesen. Medien hatten spekuliert, Katzav und Benedikt XVI. könnten einen Immobilientausch unterzeichnen. Demnach solle der Saal am Rand der Jerusalemer Altstadt in katholischen Besitz kommen. Im Gegenzug sollte der Vatikan die ehemalige Synagoge im spanischen Toledo der jüdischen Gemeinde übergeben. (chr)

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