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Fokus Osteuropa

Annäherung zwischen Georgien und Armenien

Präsident Micheil Saakaschwili hat Armenien besucht. Warb er dort für die ukrainisch-georgische Initiative "Koalition der Demokratischen Wahl"? Moskau reagierte auf die Gespräche mit Misstrauen.

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Micheil Saakaschwili

Es ist kein Geheimnis, dass die Ukraine in Georgien einen wichtigen politischen Partner sieht. Beweis dafür ist, dass in den vergangenen Monaten zahlreiche ukrainisch-georgische Treffen auf verschiedenen Ebenen stattgefunden haben. Gleichzeitig werden aber auch neue Partner im postsowjetischen Raum gesucht. Gerade vor diesem Hintergrund muss man den zweitägigen inoffiziellen Besuch des georgischen Präsidenten Micheil Saakaschwili im Moskau-treuen Armenien betrachten.

Präsident Armeniens Robert Kotscharjan

Robert Kotscharjan

Die Verhandlungen zwischen Saakaschwili und dem armenischen Präsidenten Robert Kotscharjan fanden in der komfortablen Residenz des armenischen Staatsoberhauptes am Ufer des Bergsees Sevan statt. Das Treffen der Präsidenten fand hinter verschlossenen Türen statt.

Reaktionen aus Moskau

Nach Abschluss ihrer Gespräche traten die Präsidenten kurz vor die Presse. Zuerst nahm der Pressesprecher des armenischen Präsidenten, Wiktor Sogomonjan, Stellung zu den Reaktionen Moskaus auf das Treffen. In Moskau wurde buchstäblich erklärt, die Annäherung zwischen Armenien und dem gegen Russland offen feindlich gesinnten Georgien sei ein Schlag gegen die russischen Interessen in der Region. Kotscharjan, der einzige verlässliche strategische Partner Russlands im Südkaukasus, verrate Russland, meint man in Moskau. In einem Gespräch mit der Deutschen Welle sagte Sogomonjan, es gebe keinen Grund davon auszugehen, dass die Annäherung zwischen Jerewan und Tiflis eine Änderung der armenisch-russischen Beziehungen bedeute. Es handele sich um bilaterale Beziehungen, die das Verhältnis Armeniens zu Drittstaaten bisher nicht beeinflusst hätten, so Sogomonjan. Der armenische Präsident Kotscharjan sagte auf die Frage eines georgischen Journalisten, ob man in Moskau mit diesem Treffen unzufrieden sei, der russische Präsident Wladimir Putin begrüße solche Kontakte.

Demonstratives Einvernehmen

Auf der Pressekonferenz wurde mitgeteilt, die Präsidenten hätten über viele Fragen gesprochen – über die armenische Diaspora in Georgien, die Rückkehr der Turk-Mescheten in armenisch besiedelte georgische Regionen, den Wiederaufbau der durchgehenden Eisenbahnstrecke durch Abchasien, den Verkauf von Strom am Georgien und den Abzug der russischen Truppen aus Georgien. Bekanntlich soll ein Teil der Militärtechnik und Waffen in den russischen Stützpunkt im armenischen Gjumri verlegt werden. In allen Fragen sei Einvernehmen erzielt worden.

Überzeugungsversuche?

Man geht davon aus, dass auch über die Lage in der GUS gesprochen wurde, aber auch über die Initiative der Präsidenten Georgiens und der Ukraine, eine Koalition der Demokratischen Wahl zu bilden. Das erklärte der Deutschen Welle der armenische Politologe Sergej Schakarjan. Er schließt nicht aus, dass Saakaschwili in Armenien versucht hat, Kotscharjan davon zu überzeugen, diese Initiative zu unterstützen. Was eine mögliche Umorientierung Jerewans Richtung Westen betrifft, so sei dies übertrieben, sagte Schakarjan. Während in der Öffentlichkeit entsprechende Diskussionen andauern, vertritt das offizielle Jerewan den Standpunkt, dass eine Vertiefung der Kooperation zwischen Armenien und Georgien sowie die persönlichen Kontakte der Präsidenten zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Moskau und Tiflis beitragen können.

Aschot Gasasjan, Jerewan
DW-RADIO/Russisch, 22.8.2005, Fokus Ost-Südost

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