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Deutschland

Annäherung im Umweltstreit mit Ecuador

Kommando zurück: Ecuador will doch wieder in Umweltfragen mit Deutschland zusammenarbeiten. Die deutschen Abgeordneten wollen aber doch noch ein paar grundsätzliche Fragen klären.

Ganz schön viel Eklat war das in den vergangenen Monaten um gerade mal rund 35 Millionen Euro Projektförderung. Von Imperialismus und Kolonialismus war die Rede von Seiten der Regierung Ecuadors, Außenminister Ricardo Patiño sagte, die Zusammenarbeit des Landes mit Deutschland dürfe nicht "zu einem Instrument der Aufsicht" werden. Schließlich brauchte es sogar ein direktes Gespräch von Bundekanzlerin Angela Merkel und Präsident Rafael Correa, um wieder Frieden zu schließen im Streit um den Yasuní-Nationalpark. Am Rande des EU-Lateinamerika-Gipfels in Brüssel vor einer Woche fand dieses Gespräch nun statt. Jetzt will Ecuador wieder mit Deutschland zusammenarbeiten.

Ein Projekt des Parlaments, nicht der Regierung

Damit ist ein bizarrer Streit vorerst beendet, der im Dezember begann: Die Mitglieder des Umweltausschusses des Bundestages in Berlin planten damals eine Reise zum UN-Klimagipfel in Lima, der Hauptstadt Perus. Auf dem Weg dorthin wollten sie in Ecuador Station machen, um sich den Yasuní-Nationalpark im Osten des Landes anzuschauen. Fast 10.000 Quadratkilometer ist der groß; 1989 wurde er von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt.

Deutschland fördert die nachhaltige Entwicklung dort seit einigen Jahren mit bislang rund 35 Millionen Euro. Die Initiative dazu kam von Abgeordneten des Deutschen Bundestags, nicht von der deutschen Regierung. Darauf legt Bärbel Höhn (Grüne), die Vorsitzende des Umweltausschusses, Wert: "Eine Handvoll von Parlamentariern hat sich über viele Jahre hinweg intensiv mit dem Yasuní-Nationalpark befasst. Deshalb ist es ganz normal, dass deutsche Parlamentarier, die das Projekt betreuen, den Nationalpark auch mal besuchen wollen", sagte Höhn jetzt der Deutschen Welle.

Die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn am Rednerpult bei einem Parteitag der Grünen Foto: DPA

Grüne Umweltexpertin Bärbel Höhn

Das aber war den Verantwortlichen in Ecuador gar nicht recht. Kurzerhand verweigerte die Regierung in Quito den Deutschen daher die Einreise, ein extrem ungewöhnlicher Vorgang. Weiter hieß es im barschen Ton, Ecuador werde die letzte überwiesene Förderung in Höhe von sieben Millionen Euro "mit Zinsen" an Deutschland zurückzahlen. Das klang nach jeder Menge verletztem Stolz.

Ölförderung im Nationalpark

Die überraschende Verweigerungshaltung der ecuadorianischen Regierung hat einen Grund: Im Nationalpark im Amazonasbecken gibt es nämlich nicht nur viel Regenwald und tropische Pracht, sondern auch Öl, das Ecuador unbedingt fördern will. Mit dem Ertrag sollen die Ausgaben gedeckt werden, die das Land in den vergangenen Jahren in Infrastruktur und Bildung gesteckt hat. 2007 hatte der Präsident vorgeschlagen, dass Öl unter der Erde zu lassen, wenn die internationale Gemeinschaft 3,6 Milliarden Euro in einen Fonds einzahle. Doch dazu kam es nie. Deshalb kündigte Präsident Correa 2013 an, im von Deutschland geförderten Nationalpark wieder nach Öl bohren zu lassen. Daraufhin gründeten sich vor Ort Umweltgruppen, die gegen dieses Vorhaben kämpfen. Auch mit deren Vertretern wollten die deutschen Politiker während ihrer geplanten Reise sprechen.

Protest gegen geplante Erdölförderung im Yasuni-Nationalpark in Ecuador Foto: JUAN CEVALLOS/AFP/Getty Images)

Protest von Umweltschützern gegen die Erdölförderung im Yasuni-Nationalpark

Nach der Verweigerung der Einreise für die deutsche Delegation herrschte erst einmal Eiszeit. Jetzt aber wird wieder miteinander gesprochen. Das findet auch Bärbel Höhn gut: "Ich freue mich darüber. Ich glaube, es ist absolut notwendig, dass jeder Respekt für die andere Seite hat."

Die Grünen-Politikerin legt Wert darauf, dass die Parlamentarier nicht von Angela Merkel zurückgepfiffen worden seien. Nach wie vor gelte das deutsche Interesse einer nachhaltigen Entwicklung des Nationalparks. "Wir bieten natürlich von Seiten des Umweltausschusses nochmal an, nach Ecuador zu kommen. Aus so einem Konflikt sollte man immer lernen. Ich bin ein optimistischer und nach vorne blickender Mensch."

Die angedrohte Rücküberweisung der Fördersumme von sieben Millionen Euro ist im Übrigen bis heute nicht in Berlin angekommen.

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